Beiträge von Palim

    trotzdem wäre es definitiv eine qualitative Verschlechterung, wenn ich das auf einmal SuS beibringen soll, und nicht ein durchschnittlicher aber vernünftig ausgebildeter Biologielehrer. Und mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich das auch so sage statt so zu tun als wäre eine fachliche Ausbildung eigentlich überflüssig, wenn man irgendwie eine didaktische Ausbildung hat und sich ein bisschen einarbeitet.

    Du kannst dich also über Jahre und mit Unterstützung deiner Kolleg:innen und mit Fortbildungen nicht fachlich in ein weiteres Fach NaWi-Fach einarbeiten, weil/obwohl du es in Klasse 5-8 in einem NaWi-Profil unterrichten sollst,

    unterstellst den Kolleg:innen in der Grundschule aber „Bequemlichkeit“, wenn sie KL-U befürworten, weil du der Meinung bist, sie wollten nur wenige Schüler:innen unterrichten.

    Mein Eindruck ist, dass das Klassenlehrerprinzip zumindest in Klasse 3 und 4 eher der Bequemlichkeit der Lehrkräfte dient, weil es natürlich sehr viel einfacher ist, nur sehr wenige SuS zu unterrichten.

    Unsere Kinder sind ganz sicher nicht dümmer als anderswo im Land, wir haben in der Region einfach die schlechteste Pädagogische Hochschule, die ja die zugehörigen Lehrpersonen ausbildet. Und du möchtes mir jetzt bitte nicht erklären, dass man die Korrelation bei euch nicht genau gleich findet.

    Das würde bedeuten, dass bei euch in der Grundschule nur Lehrkräfte einer bestimmten PH arbeiten.

    Da ist in NDS anders, da sind es verschiedene Unis und verschiedene Studienseminare, selbst an unserer kleinen Schule sind es 5 verschiedene Unis und über Jahrzehnte genauso viele verschiedene Studienseminare, die auch mehrere Kurse für die Fächer D und Ma stellen.

    In den Bundesländern, wo die Wahl im Studium zwischen Mathe und Deutsch zu treffen ist, wählen die meisten überraschenderweise Deutsch. Es gibt daher mehr unausgebildetet Lehrkräfte im Matheunterricht als im Deutschunterricht.

    Wenn die Kinder allerorten in allen Grundschulen die gleichen Voraussetzungen haben, so verstehe ich dich, Antimon , dann müssten die Mathe-Ergebnisse dann ja den Fachverteilungen der Lehrkräfte entsprechen, die Ergebnisse in Deutsch auch.

    Das Problem entsteht, wenn die Lehrkraft oder schlechter Unterricht Schuld an diesen Fehlvorstellungen sind.

    Nein, das ist eben genau das gleiche Märchen.

    Das „Problem“ ist gar keines, sondern schlicht Realität:

    Man bekommt immer irgendwelche Kinder mit irgendwelchen Problemen und als Lehrkraft meistert man die möglichst gut.

    Ob die Kinder wen auch immer in einem Fach hatten oder der Unterricht über 2 Jahre womöglich gar nicht erteilt wurde, sondern nur unter Aufsicht stand, ob die Kinder häufig gefehlt haben oder ob sie Lernschwierigkeiten haben, die keinen Unterstützungsbedarf bedeuten und keinen Nachteilsausgleich ab Klasse 5 mehr erwirken,

    ob dies oder das, wir wissen das alles gar nicht.

    Wenn mit 15 jemand kein Bruchrechnen beherrscht, ist das doof, aber doch nicht das allererste Kind auf der Welt, das dabei Schwierigkeiten zeigt. Und wenn das erst mit 15 auffällt, dann kann man doch nicht auf die GS-Lehrkraft zeigen, es sind ja weit mehr Lehrkräfte beteiligt.

    Wenn das Kind mit 6 Jahren nicht bis 5 zählen kann, dann muss ich als Lehrkraft eben Möglichkeiten suchen, nebenher die mathematischen Grundfähigkeiten zu schulen, die das Kind vor der Schule nicht erworben hat, weil es diese Fähigkeiten dringend und zeitnah für die anderen Inhalte benötigt. Das ist Alltag.

    Wenn das Kind nicht lesen lernt, gar nicht, keine Silbe bildet, dann muss ich als Lehrkraft so lange überlegen und probieren und üben, bis das Kind einen Zugang findet, und wenn es 2 oder 3 Jahre dauert und das Kind erst dann beginnt, erste leichte Wörter zu entziffern. Das ist Alltag, mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass diese Kind auch in anderen Fächern zusätzliche Hilfe braucht, sobald es um „Texte“ im weitesten Sinn geht.

    Und wenn das Kind auch bei der x. Runde das Einmaleins noch immer nicht beherrscht, dann muss ich als Lehrkraft irgendwoher weitere Zeit, Kraft und Mühe nehmen, damit es hoffentlich nachgeholt wird … wissend, dass das Kind die Aufgaben womöglich dennoch nicht beherrscht. Das ist Alltag.

    Und wenn das Kind eine kindliche oder falsche Vorstellung von irgendeiner Sache entwickelt hat, dann kann man es als Lehrkraft aufgreifen, sobald man es beobachtet. Solche Fehlvorstellungen entwickeln sich nunmal, wenn Kinder denken … sie haben ihren eigenen Kopf. Manchmal biegt das Kind falsch ab, manchmal (häufig) sind die Materialien schlecht und man hat es als Lehrkraft nicht gut genug geprüft oder konnte keine weitere Zeit investieren, manchmal setzen Eltern andere Sachen ein und „berichtigen“ das, was in der Schule anders läuft. Manchmal suchen sich Kinder alternative Wege, die einfacher erscheinen, aber leider in Sackgassen führen, die sie selbst nicht überblicken können. Das ist Alltag… und an vielen Stellen weiß man irgendwann um die vermeintlichen Abkürzungen.

    Und ja, es mag Fehler geben, es mag falsches Verständnis geben, es mag inkompetente oder in diesem Jahr unpässliche Lehrkräfte geben, aber es ist ja nicht generell so, dass Grundschullehrkräfte gar nicht für den Unterricht in Klasse 3/4 geeignet wären oder generell nur Unsinn verzapfen - um so weniger, wenn sie sich an die üblichen didaktischen Modelle und curricularen Vorgaben halten.

    Aber genau das, was Moebius schreibt, würde doch zu der Einführung vom Frosch passen.

    Ja, aber Möbius ist qualifizierter Mathematiker, der sich neue Mathe-Didaktiken ausdenken darf, die alle gut finden müssen, schließlich ist er vom Fach,

    und Frosch … ist eben Paradies-Frosch, der seit über 25 Jahren in der Grundschule unterrichtet und Curriculum und Didaktik umsetzt, aber einfach keine Ahnung haben darf.

    Wenn das Rechteck im Lehrplan steht, muss ja auch in irgendeiner Form der rechte Winkel vorkommen.

    Frosch hat es ja gerade zitiert. Es kommt nicht vor in Klasse 1/2, aber in Klasse 3/4.

    Wenn man alle Fachbegriffe unbedingt benötigen möchte, um diese Inhalte zu vermitteln, dann muss man auf ein Spiralcurriculum verzichten und alle Inhalte, bei denen das so ist, in die weiterführenden Schulen geben.

    Aber das hat mit Unterricht von Fachkolleg:innen oder fachfremd Unterrichtenden gar nichts zu tun, weil man ja für Klasse 1/2 eine Reduktion vornehmen muss auf Grundlage der erwartbaren Kompetenzen und der Entwicklungspsychologie.

    Die Vorstellung, dass man Inhalte einfach immer weiter nach unten verschiebt, ist schlichtweg falsch, wenn Kinder diese in dem Alter nicht begreifen können. Das hat nichts damit zu tun, dass man es ihnen einfach nur sagen oder zeigen müsste, sondern damit, dass die Kinder diese Inhalte aufgrund fehlender Entwicklungsschritte noch nicht verstehen und dann womöglich falsch auffassen.

    Je früher die Dyskalkulie erkannt wird, desto eher kann man noch etwas machen.

    Was schwierig bleibt mangels Therapieplätzen und Förderstunden.

    Ich finde Schwierigkeiten im Lesen weiterhin problematischer, vielleicht fallen sie eher/schneller auf (Mitte 1- Mitte 2)? Das Üben ist ab einem gewissen Punkt einfacher und erfordert dann schlicht Fleiß und jemanden, der zuhört.

    Bei einer Rechtschreibschwäche fallen zu diesem Zeitpunkt Teilleistungen auf, für eine Testung reicht das aber nicht, zumal der Rahmen des Lernprozesses weit gesteckt ist. Durch Förderung ist hier viel möglich, wenn sie konsequent umgesetzt wird.

    Eine Dyskalkulie wird etwa zur gleichen Zeit entdeckt, wenn sie heftig ist, ist sie das nicht, „retten“ sich viele Kinder lange zählend. Das fällt nicht allen Lehrkräften auf, da wundere ich mich auch. Wenn man nur auf das Ergebnis guckt, kann das lange übersehen werden.

    Auch da kann man fördern, es gibt vieles, was auch Laien (Eltern) mit den Kindern üben können, das wichtig ist, aber nicht unter „Mathematik“ oder „Rechnen“ gelesen wird. Deshalb ist es viel schwieriger, es abzugeben.

    Und es ist unendlich schwer, hinzubekommen, dass Kinder sich davon lösen, denn man muss beim Rechnen neben ihnen sitzen, Finger, Füße, Augen im Blick behalten und Rechenwege ohne Umwege konsequent einfordern, damit sie nicht unentwegt ins alte Muster verfallen, das ihnen (vermeintlich) Sicherheit bietet.

    Aber da geht es ja nicht um falsch vermittelte Inhalte, sondern um Kinder, die Schwierigkeiten im Lernen haben, auf die individuell eingegangen werden muss.

    Mein Eindruck ist, dass das Studium auf Diagnostik und Förderung kaum vorbereitet und es kaum Antworten auf die Möglichkeiten im inklusiven Unterricht gibt.

    Wenn man nicht vernünftig lesen kann, hat man auch Nachteile quer durch alle Fächer, einschließlich Mathe.

    Ich bin mir sicher, dass sich dies viel eher nachteilig auswirkt.

    Und Ich bin auch der Meinung, dass es sich schwieriger überbrücken lässt, aber da reden wir ohnehin nicht von gymnasialen Ansprüchen.

    In NDS sollen die FöS-Lehrkräfte zwar an die GS abgeordnet werden (weil die FöS aufgelöst werden), aber sie sind dann weiterhin für die Grundversorgung der Schule zuständig, bei einem Vollzeit-Deputat ist man oft für 2-3 Schulen eingesetzt.

    Somit denke ich, dass man keine Klassenleitung hat, es sei denn, eine Vertretungssituation lässt keine andere Möglichkeit zu.

    Anders ist es, wenn die Schule eine Koop-Klasse hat, dann hat man quasi eine FöS-Klasse, die an eine Grundschule angegliedert ist. Regional gibt es das bei uns für die Bereiche Sprache und GE (staatlich) und GE (privat).

    Bisher überwiegen für mich, als Außenstehender, die Nachteile.

    Ein Stück weit wird es auch Gewohnheit sein, so wie an manchen Schulen nach der Hälfte der GS-Zeit gewechselt wird, für einige gut, für andere unvorstellbar.

    Aber die Grundschullehrkräfte, die sich auf Klassenlehrkraft- oder Fachunterricht in der Grundschule bezogen haben, haben auch die Vorteile des KL-Unterrichts benannt und viele geben diesen Vorteilen mehr Gewicht, in der Abschätzung dazu, dass man weiß, dass man sich einarbeiten muss und in der Erfahrung, über Jahrzehnte im Team zu arbeiten und sich auszutauschen. Zudem unter Berücksichtigung dessen, dass man Klassen mit und ohne KL-Unterricht kennt und die Auswirkungen bzw. Nachteile beobachten kann, wenn dies mehrfach ist, kommt man irgendwann zu einer Generalisierung.

    Da die Ausgangsfrage sehr offen gestellt ist, habe ich mich in Beiträgen darum bemüht, Vor- und Nachteile einzubeziehen und auch darzulegen, dass man oft gar keine Wahl hat.

    Selbst wenn man zu dem Schluss kommt, dass man nicht allein der Klassenlehrkraft möglichst viele Stunden gibt, sondern ein oder mehrere Fächer abgibt, bedingt ein Wechsel übrigens nicht, dass dieser Fachunterricht von jemandem erteilt wird, der das Fach studiert hat.

    Wenn man tauschen muss, aber für das Fach keine Fachlehrkraft Stunden übrig hat, muss ja dann eine weitere Lehrkraft fachfremd diese Stunden übernehmen.

    Und wenn die Schule gar keine Lehrperson mit diesem Fach hat, fällt das Fach entweder ganz weg oder es wird fachfremd erteilt.

    Die Bedingungen sind je nach Schule andere, aber auch je nach Bundesland bzw. Studienordnung, ob man im Haupt- oder Nebenfach umfangreicher oder weniger studiert hat, ob man 2 oder 6 Fächer im Studium abdeckt.

    Ja, mache ich.

    Aber ich habe noch eine Frage zum Ablauf:

    Wenn jemand einen Beitrag einstellt, ist man ja geneigt, ihn zu liken, wenn er einem gefällt.

    Aber man weiß ja noch nicht, was noch kommt.

    Soll man dann ent-liken oder kann man auch alle Beiträge für gut befinden?

    Oder braucht man eine Zeitspanne für die Einträge und eine für Bewertungen?

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