Und ich denke übrigens, dass sich ein hochbegabtes Kind auch in Klasse 2 langweilen wird, wenn die Lehrkraft nicht differenziert. Da wird Schreibschrift geübt, lange Zeit der Hunderterraum und das Rechnen mit Zehnerübergang sowie das Einmaleins erarbeitet, besonders spannend ist das dann ja wahrscheinlich auch nicht.
Aber die Kinder können Zusatzaufgaben bekommen, lesen, anderen helfen wenn sie wollen, und sollen natürlich auch an den Dingen arbeiten, die ihnen noch schwer fallen (bei der Tochter der TE zum Beispiel malen / zeichnen). Man kann den Kindern auch schon deutlich machen, dass sie, wenn sie etwas schon können, es dann besonders genau oder schön machen sollen. Wie gesagt, wer bis 1000 rechnen kann, aber die Kästchen beim Schreiben der zahlen absolut nicht trifft, der sollte das dann halt beachten, statt zu sagen, ihm ist langweilig.
Das hat mit einer wirklicher Hochbegabung dann wenig zu tun, die Underachiever verkümmern, vermutlich nicht nur sie.
Ja, man muss die Kästchen treffen und daran üben, man muss aber auch die Möglichkeit bekommen, den Kopf an die Grenzen zu bringen. Da sieht die Differenzierung dann ganz anders aus, Mathe-Rätsel, fremdsprachige Bücher, Referate, Drehtürmodell - im Sinne anderer individueller Aufgaben, die möglichst selbstständig verarbeitet werden können, Wettbewerbe. Und das ist aufwändig.
Dazu brauchen Kinder in der Grundschule dann eben doch Unterstützung, weil sie das Handwerkszeug, das man dafür benötigt, noch nicht beherrschen, aber die Inhalte durchaus verstehen.
Gerade dafür fehlt mir ständig Zeit, gerade weil da ja noch eine Menge andere Herausforderungen in der Klasse zu meistern sind. Das Kind erarbeitet sich ein Thema, für einen Vortrag oder eine andere Präsentation braucht es aber Anleitung. Das Kind bekommt eine weiterführende Fragestellung, Kraft aber nur an der Oberfläche. Das Kind bearbeitet herausfordernde Aufgaben in Mathe, die nicht allein rechnerisch zu lösen sind, sondern Vermutungen und Erklärungen erwarten, dann braucht das Kind gerade da zumindest die ersten Male Hilfe, um die Art zu verstehen.
So, wie ich für die LE und GE-Kinder Zeit brauche, um den nächsten Lernschritt mit den Kindern zu bearbeiten, damit sie die Vorgehensweise verstehen, bevor sie es falsch einüben, so würde ich mir auch Zeit für die anderen wünschen, die sich zusätzlich mit Aufgaben beschäftigen und Unterstützung benötigen, wenn es keine Beschäftigung, sondern eine Förderung sein soll.
Am Ende braucht es eine Mischung, dass das Kind die einfachen Anforderungen erlernt, dabei aber den Kopf nutzen kann.