Beiträge von Gruenfink

    Bringt das tatsächlich irgendeine Verbesserung?

    Ehrlich gesagt habe ich das noch nicht erlebt.

    Die Kinder, die ich nacharbeiten lasse, kommen meistens aus Familien, in denen die schulischen Pflichten nicht so ernst genommen werden (können). Da ist die Nacharbeit dann auch meistens kein Problem, weil das Kind nach der Schule ohnehin nicht nach Hause gehen würde oder dort niemanden anträfe.

    Wenn ich mich dann mit diesen Kindern unterhalte, bin ich immer überrascht, wie sehr sich "der/die Delinquent/in" über meine Aufmerksamkeit freut, sich Mühe gibt und nach Ablauf der Zeit förmlich rauskomplimentiert werden muss. Auch schön die Variante: "Kann mein Freund mit reinkommen? Der stört auch nicht! Danach wollen wir nämlich noch gemeinsam in die Stadt!"

    Ich habe also den Eindruck, dass der/die Nachsitzer/in sich in meinem Beisein konzentriert mit dem Stoff auseinandersetzt, ggf. auch nachfragt, wenn er/sie etwas nicht verstanden hat und somit wirklich was mitnimmt für die nachfolgenden Stunden - das Verhältnis zu den Hausaufgaben an sich hat sich dadurch aber nicht verbessert.

    Findet an Schulen ohne dieses Profil dann keinerlei Inklusion statt?

    Jein.

    Grundsätzlich hat ja jedes Kind mit besonderen Bedürfnissen das Recht in einer Regelschule beschult zu werden, es gibt aber tatsächlich eine Ausnahme, nämlich die Kinder mit ADS. Laut Schulordnung können Kinder mit Konzentrationsschwächen eigentlich nicht an einer Regelschule beschult werden. Das ist natürlich insofern nice try, weil sich die Fälle von ADS oder ADHS mittlerweile häufen und wir die genauso an der Schule haben wie Kinder ohne. Eine Schule, die Kinder mit ADS/ADHS hat, betreibt also automatisch Inklusion.

    Für ein vernünftiges Schulprofil "Inklusion" muss deine Schule aber so ausgerüstet sein, dass sämtliche Beeinträchtigungen händelbar sind. Das ist bei Kindern mit neurologischen Störungen wie Autismus z.B. kaum ein Problem, weil die mit einer Schulbegleitung kommen. Körperliche Beeinträchtigungen dagegen sind bei uns schwierig, weil wir z.B. keinen Aufzug haben, von daher gucken Rollis in die Röhre. Auch sind wir nicht technisch ausgerüstet, um sehbeeinträchtigte Kindern zu beschulen.

    Ich persönlich habe also eher den Eindruck, dass Regelschulen gerne das Profil haben wollen, weil's halt schön ist zu sagen - hey, wir können alle beschulen! Das steigert halt die Beliebtheit bei den Eltern. Inwiefern sich das monetär oder sonstwie auswirkt, weiß ich leider nicht. Es wäre aber unfair, weil eine handelsübliche Regelschule aus den 60ern meistens aus bautechnischen Gründen nicht mithalten kann. Unser SL kann ja nix dafür, dass wir kein Aufzug haben und der Sachaufwandsträger auch keine Anstalten macht, einen einzubauen.

    Eine Schule, die komplett inklusiv arbeitet, ist meistens eher eine förderpädagogische Einrichtung, keine Regelschule.

    Ist das wirklich so ungewöhnlich? Sowohl in Berlin als auch Brandenburg kannst du das. Berlin weiß ich sogar, dass zum Schuljahresende entfristet wird, wenn gewünscht und der Bedarf immer noch da ist (was er in vielen vielen Fällen eh ist), erst danach darf neu eingestellt werden.

    Nicht dein Ernst!

    Ich sollte nach Berlin oder Brandenburg ziehen...

    Nein, hier müssen die Schulen zu einem bestimmten Termin ihren Bedarf melden, und dann wird da ein Schlüssel angelegt, der besagt: Du hast so und soviel SuS an deiner Schule, also stehen dir so und so viele KuK zu, du hast bereits so und so viele, davon so und soviel Beamte und so und soviel Angestellte. Nun schauen wir mal, wie viele wir dir noch zugestehen können. Die allermeisten SL in Bayern bräuchten mindestens 10 neue KuK, aber sie dürfen sich freuen, wenn sie 5 kriegen. Denn es werden ja auch noch die Absolventen aus dem laufenden Jahrgang dazugerechnet, plus die Elternzeit-Rückkehrer, plus die Deputats-Aufstocker etc.

    Wenn dann noch was fehlt, kommen die Vertretungslehrer*innen zum Einsatz.

    Ich vermute mal, es ist das Prinzip der Leiharbeiter: least hired, first fired.

    Damit kann man halt halbwegs flexibel auf sich ständig ändernde Gegebenheiten reagieren.

    Gibt es in Bayern keine schulscharf Ausschreibungen oder darf deine Schule Stellen nicht schulscharf ausschreiben oder hat sie abgesehen von Vertretungen keinen dauerhaften Personalbedarf aktuell?

    Das weiß ehrlich gesagt nicht so genau.

    Ich weiß, dass es - zumindest früher - möglich war, einen bestimmten Kandidaten anzufordern.

    Das wurde damals immer andächtig und beeindruckt weitererzählt: "Der und der SL hat den und den an-ge-fordert!"

    Auf gut Deutsch: Oh mann, DAS muss ja ein/e Knallerkolleg*in sein, wenn der-/diejenige namentlich angefordert wird!

    Vielleicht ist es das, was du meinst. :weissnicht:

    Kurzes Update:

    Ich war heute beim Chef, um den Änderungsvertrag zu unterschreiben.

    Bei der Gelegenheit habe ich ihn auch gefragt, ob wir uns irgendwann mal zusammensetzen könnten, um zu besprechen, wie es mit mir weitergehen könnte. Und ich wäre fast vom Stuhl gefallen, als er sagte, dass er ohnehin demnächst mit dem Ministerium sprechen müsse, und da wollte er dann auch gleich mal wegen mir nachfragen. Ruhig Blut, Grünfink, ruhig Blut!

    Also habe ich freundlich gelächelt und so banales Zeug wie "Ach, das wäre ja schön!" geflötet und tapfer gegen die Ohnmacht angekämpft. :sterne:

    Und ja, ich weiß, das heißt noch gar nichts.

    Aber während am Freitag fast Tränen gekullert wären, freue ich mich heute einfach, dass mich mein Eindruck nicht täuscht.

    Er mag mich und ist zufrieden mit meiner Arbeit.

    Das ist mir persönlich wirklich wichtig! :verliebt:

    Er hat mir auch erklärt, wie er mich - dann festangestellt - einsetzen könnte.

    Nur Stichworte: etwas höheres Stundenmaß, ggf. fachfremder Unterricht, ILR etc.

    Das alles geht mit meinem befristeten Vertrag nicht.

    :laola:

    Sodala, um das noch einmal ein bisschen abzurunden - ich habe jetzt eine Nacht darüber geschlafen, mit meinem Mann gesprochen und komme zu der Erkenntnis, dass mein Kummer von gestern Abend sicher auch ein bisschen hausgemacht ist.

    Auslöser war eigentlich ein Hinweis vom Chef am Freitag, ich müsse einen Änderungsvertrag unterschreiben. Mein aktueller Vertrag mit Sachgrund (Elternzeit) geht zwar bis September 2024, aber offensichtlich hat sich die zu vertretende Kollegin entschlossen, nicht erst zum neuen Schuljahr, sondern bereits zum Halbjahr wiederzukommen. Damit würde mein Sachgrund entfallen und er müsste mich entlassen. Steht so auch tatsächlich im Vertrag drin, rechnet halt niemand mit. Das ist rein rechtlich also ok, die Kollegin ist nun einmal verbeamtet und hat die Planstelle - also erwartet sie natürlich auch zu Recht, zurückkommen zu können. Ist halt für mich unangenehm, ist aber so. :traenen: Wie ich gestern schon schrieb, sind wir aber eine große Schule und da ist eigentlich ständig jemand in Elternzeit, von daher ist mein Verbleib zumindest bis September gesichert.

    Deshalb ist mir gestern zum ersten Mal der Gedanke gekommen, auf welchem Schleudersitz ich eigentlich sitze: Wann immer der Sachgrund entfällt, egal ob langfristig oder recht überraschend, entfällt meine Existenzberechtigung an dieser Schule. Und das hat mich ziemlich mitgenommen, da ich mich (inzwischen im 4. Jahr in Folge) an dieser Schule eingelebt habe, mich wohlfühle und freilich davon geträumt habe, die verbleibenden 10 oder 11 Jahre bis zur Rente dort zu unterrichten.

    Letzten Endes ist es aber so, dass ich ja die Voraussetzungen für eine Entfristung erfülle, aber eben nicht davon ausgehen kann, auch tatsächlich an genau dieser Schule zu bleiben. Und genau das wäre mein Wunsch gewesen, denn als ich damals aus meiner langjährigen alten Schule ausgestiegen bin, ging es mir ja um Wohnortnähe - die ich nun an meiner aktuellen Schule habe. :liebe: Diese ganzen Überlegungen sind aber - so gemein es auch sein mag - mein persönliches Problem. Sollte ich entfristet werden, kann das Gott weiß wo in Bayern sein. Mit ein bisschen Glück bleibe ich wenigstens in meinem Regierungsbezirk, aber der ist eben groß und eine Stunde Fahrtzeit (einfach) ist da schnell erreicht. Hat mir mit 30 auch nichts ausgemacht, inzwischen ist das halt anders.

    Nun denn.

    Ich werde eure Tipps beherzigen, sämtliche Gespräche mit sämtlichen Parteien anleiern und ansonsten abwarten, was passiert.

    Nochmals vielen lieben Dank für eure Antworten, natürlich berichte ich euch, sobald es etwas Neues gibt!

    Jetzt aber raus in die Sonne!

    Schönen Sonntag euch! :party:

    Naja, du weißt ja auch nicht, ob das wirklich irgendwo steht und glaubst es, weil du es vom hörensagen kennst,

    Guten Morgen Susanne,

    also jetzt muss ich doch ein bisschen lachen.

    Ich glaube nichts, "was ich vom Hörensagen kenne", sondern ich habe mich mit einer konkreten Frage an meine Schulleitung gewandt und von ihr die entsprechende Information bekommen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine SL erlebt, die eine Frage beantwortet hat, ohne sicher zu sein, dass die Antwort richtig ist. Und sollte sie unsicher gewesen sein, hat sie eben nachgeschaut, RSO/LDO/BayEUG/whatever.

    warum sollte es nicht dem SL auch so gehen? Evtl. merkt er mit nachforschen, dass es diese starre Regelung gar nicht gibt

    Wie stellst du dir eigentlich eine bayerische Realschule vor?

    Auf der grünen Wiese, mit Weißwurschtduft im Lehrerzimmer und Kuhglocken im Hintergrund? :prost:

    Und Schulleiter wird man bereits, wenn man noch atmet, alphabetisiert ist und keine Kinder schlägt?

    Äh, nein.

    Aber wie gesagt, natürlich werde ich noch einmal das Gespräch suchen.

    Die üblichen Gründe nicht zu entfristen, die häufig mit einer unzureichenden Qualifikation zu tun haben, dürften insofern bei dir keine Rolle spielen.

    Guten Morgen,

    DAS war meine Frage gestern Abend!

    Ich wusste nicht, dass Menschen entfristet werden möchten, die z.B. nur unzureichend qualifiziert sind. Da bin ich sicher ein bisschen blauäugig.

    Abgesehen davon: Wie schön, dich endlich einmal wieder zu lesen. ( Humblebee , Grünfink is back!) Ich habe mir ehrlich gesagt Sorgen gemacht, als du in der Pandemie plötzlich weg warst, ob du diese Zeit gesundheitlich gut überstanden hast. :bussi:

    Ich freue mich auch sehr, so viele Namen wieder zu lesen, die ich in lieber Erinnerung habe! :kuss:

    Nein, keine Sorgen, ich hab' das alles gut weggesteckt, 1x hat's mich wohl auch erwischt, aber da hatte ich dank entsprechender Impfungen einen milden Verlauf, und auch meine Schule war technisch so gut aufgestellt, dass online Unterricht kein Problem war.

    Schön, wieder hier zu sein! :rose:

    Na dann nimmst du eben die nächst-höhere Stelle Personalrat.

    Ja du hast Recht, ich werde mich an die nächsthöhere Stelle wenden.

    Ich verstehe nicht, wie man sich dann mit solchen Antworten abgeben kann.

    Wenn dir lange genug suggeriert wird, dass du ein Bittsteller und sowieso irgendwie "komisch" bist, weil du es gewagt hast, eine Lebenszeitbeamtenstelle herzugeben, dann hörst du dir das an, nickst freundlich und denkst dir deinen Teil. Ich bin nicht in der Position, da lästig zu werden und zu sagen: "Bitte kümmere dich endlich drum, bitte finde das raus für mich."

    Hast du denn den SL konkret mal nach dem Standort der Regelung mit den 5 Jahren gefragt?

    Nein, warum auch?

    Ersten habe ich keinen Grund am Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu zweifeln, und zweitens nützt es mir nicht, wenn ich weiß, WO genau das steht.

Werbung