Beiträge von Moonclouds

    Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen,


    ich schreibe diesen Post, um mir ein Meinungsbild zu verschaffen, da ich mich mit dem Thema schon seit einiger Zeit "herumschlage".


    Seit knapp 10 Jahren (ohne Ref) unterrichte ich nun an einer Realschule mit den Fächern Englisch, Deutsch und einigen fachfremden Fächern. Die ersten Jahre war ich mit Freude bei der Sache und sehr gerne in der Schule, allerdings war ich vor dem Unterrichten immer wahnsinnig nervös und angespannt. Mit den Schülern bin ich prima zurecht gekommen, hatte wenig Probleme im Umgang mit ihnen und es gab auch nie großartige Vorfälle abgesehen von den üblichen pubertären kleinen Störungen wie Reden, Quatsch machen, etc.


    Mit den Jahren hat sich dies nun allerdings geändert. Mittlerweile ist es nun so, dass ich keine Lust mehr habe, mir irgendwelche didaktischen Besonderheiten auszudenken oder generell Unterricht kreativ vorzubereiten, ich bin meist froh, wenn es eine Stunde ist, in der die Schüler viel selbst tun müssen und ich nicht im Fokus stehen muss (was natürlich bei einer Fremdsprache in den Klassen 5&6 schwierig ist). Daneben bemerke ich, dass mich die Schüler auch persönlich weniger interessieren (damit meine ich nicht, dass ich mich nicht um Probleme kümmere. Wenn ein Kind in meiner Klasse Schwierigkeiten hat, höre ich selbstverständlich zu und helfe). Ich meine damit eher die Gespräche um die Interessen und die private Lebenswelt der Schüler, sowohl im Unterricht als auch in den Pausen, z.B. während der Aufsicht, wenn die Kinder mal herkommen und sich unterhalten wollen.


    Ebenso nerven mich die ganzen pubertären Auswüchse (Störungen, Austesten, Reizen,...), was ja aber in der Altersstufe normal ist. Dazu der Lärm, die ständig wechselnden Gebäude, die strikte Taktung, in der man nie wirklich irgendetwas neben dem Unterricht organisieren oder geschweige denn die eigenen Unterlagen sortieren kann... Angespannt bin ich während der Stunden immer noch, mittags bin ich immer wirklich k.o und schlafe erst mal.


    Zu den Umständen um die Schule herum: ich habe das erste Jahr nur 75% gearbeitet und danach bis zur Geburt meiner Tochter 100%. Anschließend 15 Monate daheim, danach Teilzeit mit knapp 50%.


    Seitdem wir die Kleine haben ist es eigentlich trotz entspannter Stundenzahl zum Vorbereiten/Korrigieren noch schlimmer geworden in den Unterrichtsstunden. Ich habe das Gefühl, meine Kraft reicht einfach nicht aus, um zuhause ein trotziges Kleinkind und in der Schule pubertierende Teenies zu bändigen. Ständig Widerworte (oder -handlungen), ständig Lärm, ständig muss ich reden, nie eine entspannte Minute. Das führt dazu, dass ich mir wie ausgesaugt vorkomme, keine Energie mehr für Hobbies oder andere Dinge habe, weil mir einfach die Ruhe fehlt, die ich mir früher nehmen konnte und absolut lebensnotwendig für mein inneres Gleichgewicht ist. Vor meiner Tochter bin ich jeden Mittag zuhause gewesen mit Mittagsschlaf, konnte kein Radio, Fernseher oder andere Menschen um mich herum ertragen und bin dann immer erst abends zum Sport wieder raus. Am Wochenende war mehr als ein Termin auch nicht möglich, sonst war es mir zu viel. Alles jetzt natürlich schlecht möglich mit Kind, das mittags natürlich was unternehmen will.


    Als Ausweg aus dem Dilemma dachte ich schon ans zuhause bleiben, was mich aber auch nicht ausgefüllt hat. Die zwei anderen Möglichkeiten, die mir einfielen, waren einmal, mich für eine Bürotätigkeit im Schulamt zu bewerben, so müsste ich nur einen Teil der Arbeitszeit in die Klassen und könnte auch mal schön in Ruhe Dinge im Büro erledigen. Die andere Möglichkeit wäre, einen Teil der Stunden in die Abendrealschule zu verlegen.


    Hat jemand Erfahrung mit ähnlichen Problemen oder Tätigkeiten in der Abendrealschule/Schulamt? Über jegliche sonstige Meinungen freue ich mich natürlich auch, ich drehe mich momentan tatsächlich etwas im Kreis.


    Danke für's Lesen des langen Posts!

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