Beiträge von Kris24

    Ich denke, wer wirklich gut und leistungsstark aus der Schule geht, wird einen Beruf mit höheren Augstiegsmöglichkeiten, besserer Bezahlung und mehr Sozialprestige anstreben. Wer wiederum eher mit Ach und Krach durchgekommen ist, den zieht es wohl eher weniger zurück in die Schule und der zweifelt vielleicht auch daran, die nötigen Voraussetzungen dafür zu haben. Bleibt eigentlich nur einen kleiner Teil Absolventen, der realistisch fürs Lehramt angeworben werden kann.

    Also mein Abischnitt war sehr gut, die von meinen Kollegen auch (ich kenne niemanden unter 1,5 bzw. gehörten zu den besten 10 % des Jahrgangs).

    Und fast alle von meinen Schülern, die auf Lehramt studier(t)en (teilweise sind es bereits Kollegen), waren sehr gute Schüler.

    Das ist richtig. Ich denke aber nicht, dass man das so mono-kausal sehen kann. In meinen Augen wird heute auch vielfach die Verantwortung für die Erziehung einfach an die Schule (und sonstige Einrichtungen) übertragen. Viele Eltern sind mMn nicht konsequent genug und bringen ihren Kindern keine vernünftigen Grundwerte und Manieren bei, weil sie glauben, das macht schon jemand anderes.

    Auch Bildung (der Eltern) spielt da wahrscheinlich eine große Rolle. Es ist wahrscheinlich eher Bildungs- als Schulform-abhängig, würde ich behaupten. Eltern, die selbst einen sehr niedrigen Bildungsstand (oder besserer gesagt ein sehr niedriges Bildungsinteresse) haben und fast den ganzen Tag nur auf das Smartphone glotzen, bringen ihren Kindern natürlich in keinem Bereich viel bei. Und m.E. ist die Entwicklung da heute eher negativ im Vergleich zur Vergangenheit. Hinzu kommen dann noch die Opfer einer überforderten Integrationspolitik.

    Früher mussten die Eltern mehr arbeiten. Auch Hausfrau war ein Fulltimejob. Wenn ich daran denke, wie lange meine Mutter für kochen und Wäsche waschen benötigt hat. Mein Vater war unter der Woche weg und wollte am Wochenende seine Ruhe. Wir Kinder wurden nach draußen geschickt.

    Auch früher hatten die Eltern keine Zeit.

    ergänzend

    Ich habe noch ältere Kollegen kennengelernt, die bereits in den 60er Jahren (am Gymnasium) unterrichtet haben und auch die sagten regelmäßig lachend, wenn jemand sich wie du geäußert hat, "sei froh, dass du heute unterrichten darfst."

    Beispiele waren 50 Schüler in einer Klasse, alles quatschte, Schule war unwichtig, jeder bekam einen Arbeitsplatz. Meine Mutter berichtete mir regelmäßig, wie sie in den 50er Lehrer fertig gemacht haben, die aus dem Krieg kommend keine Alternativen zum Schuldienst hatten (da waren wir schon brav).

    Auch Mobbing und Gewalt gab es. Ich habe selbst Ende der 70er Prügeleien in jeder Pause erlebt und es wurde richtig zugeschlagen, kaum ein Lehrer griff ein. Ein Kollege berichtete, als wir damals jungen Lehrer in den 90er Gewalt thematisierten, dass er eine kleine Kollegin vor einem gewalttätigen großen Jugendlichen rettete, der sie über die Treppe stoßen wollte.

    Rückwirkend wird die Vergangenheit von vielen verklärt.

    Na so wie bei der kommenden Impfkampagne: Ein paar Leute erzählen, warum sie Lehrer geworden sind. Dazu gibt es dann ein paar tolle Plakate und Videos, und das ganze für 30 Mio. €; das wird bestimmt funktionieren.

    Und wenn dann endlich mal der Kapitalismus abgeschafft ist, hat die TAZ bestimmt auch ein paar tolle Ideen, wie wir in unserem öko-sozialistischen Wunderland Leute dazu zwingen, äh bringen können, Lehrer zu werden.


    Ich glaube, was Lehramt (also zumindest die Schulformen, wo stark gesucht wird) für so viele unattraktiv macht, ist, dass man die Schülerschaft von heute wahrscheinlich leider nicht mehr annähernd mit der in den 70ern oder 80ern (von noch früher reden wir erst gar nicht) vergleichen kann.

    Ich denke nicht, dass die Schülerschaft früher besser war. Es wurde nur vieles unter den Teppich gekehrt. Oder willst du die Angst der Schüler vor dem Lehrer zurück? Die Prügelstrafe Anfang der 70er Jahre? Ich war in den 70/80er Schüler und möchte auf keinen Fall zurück. Meine Schüler müssen/sollen keine Angst vor mir haben.

    Ich denke, es ist schon der Irrglaube, dass dies jeder kann (das wird z. Z. auch dadurch unterstützt, dass für viele gefühlt jeder genommen wird, hier tauchen ja auch immer wieder welche auf, die sich beklagen, dass sie nicht mit Kusshand genommen werden. Der Staat soll sich glücklich schätzen, wenn er mich kriegt.)

    Früher war zumindest Referendariat Pflicht (und das sollte auch heute noch sein, es kann ja bei bei Vorkenntnissen, nicht bei Bedarf etwas gekürzt werden).

    So entsteht der Glaube bei Abiturienten, ich probiere irgendetwas und wenn dies nicht klappt, kann ich immer noch Lehrer werden. Wozu Ausbildung, ich war ja an der Schule.

    Sind diese Reiher bei euch so selten, dass du dich über dessen Anblick freust? Hier gibt es sehr viele davon; die "räubern" auch häufig Gartenteiche/Fischteiche in Privatgärten (hier in der Nachbarschaft sitzt des Öfteren einer auf Hausdächern o. ä.) Ich freue mich über deren Anblick nicht unbedingt, muss ich sagen. ;)

    Das dachte ich auch. Bei uns stehen sie im Dutzend nebeneinander, picken die Fische (am/im Bodensee) oft nur an und verärgern daher viele. Die Berufsfischer fordern daher regelmäßig eine Begrenzung.

    Ich unterrichte immer noch gerne, obwohl vieles sich in den letzten 28 Jahren (bzw. 34 seit Studienbeginn) verschlechtert hat (2 Deputatsstunden pro Woche mehr, größere Klassen, negative Entwicklungen in 2 meiner Fächer (ich unterrichtete zusätzlich NwT), mehr Heterogenität, weniger Gehaltszuwachs im Vergleich zu anderen, mehr Abzüge).

    Es ist einfach abwechslungsreich, ich bin gerne im Klassenraum. Und jeder Job hat seine Schattenseiten. Ob ich in der chemischen Industrie glücklicher geworden wäre, ich hätte zumindest viel mehr kämpfen müssen, um nach oben zu kommen.

    Ich sehe in diesem Moment nicht die Verantwortung bei mir. Ich kann nicht bei allen gleichzeitig sein. Daher kann man mir nichts vorwerfen, wenn es zu einem Zwischenfall in einem der anderen Räume kommt.

    Genauso sehe ich es auch. Mir ist daher wichtig, dass die SL Bescheid weiß und die Klassenzimmer inzwischen nebeneinander liegen, bei uns wird inzwischen rigoros getauscht (ich lasse dann oft sogar die Türen auf und laufe auf dem Gang hin und her).

    Mir ist völlig unklar, warum man sich diese Verhältnisse antut und man sich selbst eine nicht tragbare Verantwortung auferlegt. Noch bedenklicher finde ich, dass man darauf auch noch stolz sein kann. Eine adäquate Aufsichtsführung sieht jedenfalls anders aus.

    Was machst du, wenn ein Drittel der Kollegen im Zug sitzt, vor dem sich ein Mensch geworfen hat? In einem Schuljahr passierte das mehrfach. Stolz ist niemand.

    Für die erste Stunde sind mittlerweile drei Präsenzen eingeplant, um solche Situationen zu vermeiden. Eine Präsenz war selbst nicht da und wir anderen zwei Präsenzen mussten fünf Lehrkräfte vertreten, die kurzfristig an diesem Tag ausgefallen waren.

    Für die 1. ist bei uns nur noch eine vorgesehen, dank digitalem Klassenbuch wird Ausfall noch abends oder frühmorgens eingetragen, dann kommen, wenn überhaupt, nur wenige Schüler. Problematisch sind Staus, Eisenbahnzwischenfälle (ein Drittel der Kollegen kommt mit dem selben Zug) etc. Was nach 7.15 Uhr an Ausfällen eingeht, kann den Schülern leider nicht mehr rechtzeitig mitgeteilt werden.

    Wir haben aktuell dank Covid-19 wieder mindestens 10 % Ausfälle im Kollegium, da fallen rigoros Randstunden aus. (Diese Kollegen stehen nicht für Vertretung zu Verfügung und müssen in der 2. - 5. (normalerweise 5 Vertretungsbereitschaften pro Stunde, wenn das nicht reicht, wird um Freiwillige gebeten, das klappt gut) zudem vertreten werden. Ich habe seit 4 Wochen 2 zusätzliche Vertretungsstunden pro Woche, ich bin gespannt, wie es im Winter weiter geht. )

    Ich müsste jetzt sagen: du weißt, dass du da widersprechen sollst?

    Aber ich sage: ich finde es gut, mit wie viel Gelassenheit und Humor du das aufnimmst. *daumenhoch*

    kl. gr. frosch

    Klingt gut, aber ist an Gymnasien vielleicht nicht so problematisch wie an Grund- oder Hauptschulen. Bei uns heißt es, die Schüler müssen sich beaufsichtigt fühlen, d.h. es kann jederzeit ein Lehrer herein kommen (ich laufe daher unregelmäßig, nicht 5 Minuten hier und dann 5 Minuten dort). Und man kennt seine Schüler, eine 10. Klasse oder 5. kann man eher alleine lassen als eine 7. Eine bilinguale oder Musikklasse eher, als eine nichtbilinguale.

    Erster Tag, erste Stunde nach Krankheitswoche: Ich hielt gleich eine Vertretung. Eine, ach was, drei. In drei Klassen gleichzeitig in drei verschiedenen Räumen. Es waren so viele Kollegen ausgefallen, dass die vorhandenen Lehrkräfte für die Vertretungen nicht ausreichten und ich drei Klassen gleichzeitig betreute. Sie waren mit Arbeitsaufträgen versorgt und ich lief wie beim Zirkeltraining im Schulhaus im Kreis von einem Klassenzimmer zum nächsten und schaute alle paar Minuten bei jeder Klasse rein. Die erledigten auch brav ihre Arbeitsaufträge, und ob ich nun bei einer Klasse am Pult sitze und denen bei der Arbeit zuschaue oder zwischendurch von einem Raum in den nächsten laufe, spielt auch keine Rolle.

    Die ganze Situation war irgendwie skurril und ich fühlte mich als Supersarek, denn das hatte es an unserer Schule vorher auch noch nicht gegeben. :top: Beim Pendeln traf ich zwischendurch auf die Vertretungsplanerin, die mich in dem Moment über die dritte zu vertretende Klasse informierte, und da bekamen wir beide erst einmal einen Lachanfall. ^^

    Bei uns passiert das öfter, dass ein Kollege mehrere Klassen betreuen muss (mir bekannter Rekord waren 7, ich bekam es mit, weil der Kollege mich bat, eine davon zusätzlich zur meinen zu übernehmen, ich war dann mehr bei den anderen, meine arbeiteten gut alleine). Ich selbst hatte einmal vier Klassen gleichzeitig zu Vertretung, zwei oder drei hatte ich bisher jedes Schuljahr mindestens einmal.

    Habt ihr so viele Vertretungen (auch in der 1. Stunde) , dass es bei euch nicht vorkommt? Und Tipp, bei uns werden inzwischen dann Klassen umgelegt, so dass die Wege kürzer sind (dank digitalem Klassenbuch geht das bei uns sehr kurzfristig). Früher (vor digitalem "Zeitalter") hatte ich im Winter mal den Fall, dass viele autofahrenden Kollegen inkl. Vertretungsplaner ein bis zwei Stunden zu spät kamen, ich hatte dann 3 Klassen in 2 verschiedenen Gebäuden mit ca. 300 Meter dazwischen Glatteis (ich selbst bin auf dem Weg zwischen den Räumen hingefallen und musste anschließend eine Schülerin trösten, der gleiches passiert war). Da bat ich auch Kollegen im anderen Gebäude um Hilfe und blieb bei den Klassen im Hauptgebäude.

    geboren sogar in Basel

    Zu was wir nicht müssen. Vieles hier ist Bundesländersache. So schlimm finde ich es in Baden-Württemberg nicht. Wir haben viele Jahre NRW bemitleidet, von außen klangen Gefahrstoffbeurteilungen schlimm, inzwischen gleicht es sich dank RISU an.

    Dank dem Programm D-GISS sind Gefahrstoffbeurteilungen in wenigen Minuten erstellt, tausende liegen bereits fertig vor und können mit wenigen Klicks angepasst werden. Ich habe dadurch viele neue schöne Versuche kennengelernt, es reicht ein Stichwort einzugeben (und welche mit KMR-Stoffen aussortiert, früher war mir vieles nicht so bewusst). Dazu haben wir eine Inventarliste unserer Chemikalien (auch nicht schlecht). Mehr müssen wir nicht (und ich finde beides sinnvoll).

    Ihr Glücklichen, ich habe ihn bisher noch nicht persönlich kennenlernen dürfen, jedoch schätzt die gesamte Fachschaft meiner Schule seine R.I.S.C Datenbank für Schulchemikalien [R.I.S.C.: Home (risc-online.de)];). Danke auch für den Link zum Boxeriment, Antimon! Kannte ich bisher noch nicht und werde ihn gerne mal ins Kollegium weiterleiten. Die erste Sichtung der Homepage regt auf jeden Fall an, weiter zu stöbern.

    Seine Fortbildung zu R.I.S.C. habe ich auch einmal besucht (morgens um 8 Uhr bei einer MNU ^^. Wir waren zu fünft und alle verschlafen. Ich musste vorher lachend daran denken, als ich seinen Namen las. Meine Schule ist aber "Fan" von D-GISS, Nachfolger von Hess-GISS, das er, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, im letzten Jahrtausend mit entwickelt hat, bevor er sich davon trennte. Seitdem kenne ich ihn, also knapp 25 Jahre.)

    Wir haben Brom (50 ml in ca. 10 Jahren, ich habe vor kurzem nachbestellt, das Paket kam per Post, aber extrem gut verpackt), aber natürlich nehmen nur wir Chemiekollegen es in die Hand für wenige Versuche, deshalb reicht es so lange. Ich selbst verwende es nur in einem Chemieraum (ich tausche den Raum, falls ich im anderen bin), weil der Abzug dort auch von hinten aus der Sammlung bedienbar ist und direkt neben dem Giftschrank liegt. Die Flasche wird also keinen Meter getragen und ist nie im Raum mit den Schülern (der Abzug zur Schülerseite ist die ganze Zeit geschlossen, das Fenster in der Sammlung geöffnet).

    Aber die Alternativen z. B. Bromat/Bromid usw. sind noch problematischer. Man muss wissen, was die Gefahr ist und mehrere Sicherheiten zusätzlich einbauen.

    Bei uns gibt es einige Chemikalien, die an Schulen komplett verboten sind (vor allem KMR-Stoffe). Brom ist für Lehrerdemoversuche zulässig.

    Es geht doch um Angestelle von Bund und Kommunen. Wir erhalten im Dezember doch 2,8 % (nach 13 Monaten Nullrunde).

    Schulen in kommunaler Zuständigkeit gibt es doch nur wenige (oder verstehe ich euch nicht)?

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