Ich ergänze jetzt 2 Erlebnisse aus Schülersicht, vorher schrieb ich als Lehrer.
Das erste stammt aus meiner Schulzeit. Wir hatten einen jungen Lehrer in der 11. Klasse, der sehr kumpelhaft tat. Uns Mädchen hat es von Anfang an abgestoßen, aber wir wussten nicht, was wir tun sollten. Einige Jungen fanden es cool. Eines Tages gab es einen Vorfall, der Lehrer reagierte über, weil er sich in seiner Autorität angegriffen fühlte, danach wurde er von uns allen abgelehnt. Wir gingen zur SL und verlangten einen Lehrerwechsel. Es wäre ohne diese Kumpelei vermutlich nicht dazu gekommen.
Das 2. Erlebnis geschah vor ein paar Jahren. Wir hatten einen jungen Kollegen (wieder Mann unter 35 Jahren), der ebenfalls das Du anbot und auf Kumpel machte. Ich wurde von der Elternvertreterin angesprochen, ob ich einen Rat hätte, vor allem die Schülerinnen würden sich sehr unwohl fühlen. Sie wüssten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Ich wusste, dass der Kollege die Schule wechseln wollte, ich befürchtete (für mich, sagte es nicht laut), dass der Kollege es nicht verstehen würde, wir taten also nichts. Inzwischen habe ich erfahren, dass das Problem auch an der neuen Schule aufgetaucht ist (zum Glück betrifft es mich nicht mehr).
Anscheinend konnte ich mich vorher nicht richtig verständlich machen, aber für mehr Nähe müssen beide Seiten bereit sein. Und gerade Schülerinnen fühlen sich bei einem auf Kumpel machenden Kollegen oft unwohl, wissen aber nicht, wie sie es verständlich machen sollen. Andere lästern über diesen Kollegen (höre ich immer wieder auch wenn ich gleich sage, dass ich das nicht möchte. Es gibt sicher auch einige Schüler, die es gut finden.
Ich denke, es ist eine Frage des Alters. Gerade wenn der Schüler älter als der Kollege ist, dann kann es sehr gut funktionieren (Weiterbildung etc.). Aber meine Schüler zwischen 16 und 20 (Kursstufe) sehen einen Kollegen mit 30 und älter nicht als ihresgleichen an. Für viele ist es aufdringlich, ein Einbruch in ihre Privatsphäre.