Ich glaube, wenn man aus einer Unistadt kommt, gibt es das gar nicht so selten. Für mich wäre das auch gar nichts gewesen, ich wollte mit 19 raus in die Welt, aber ich kenne viele, die nicht nur aus ihrer Heimatstadt nicht rausgekommen sind im Studium, sondern auch sehr lange noch zuhause gewohnt haben. Und das hat mit Lehramt gar nichts zu tun. Oft sind es finanzielle Aspekte, manchmal auch Angst vor dem auf-den-eigenen-Beinen-Stehen, manchmal auch einfach nur Bequemlichkeit.
Meine Eltern wohnten 2 km von der Uni Konstanz weg und da bei uns das Geld sehr knapp war, habe ich auch zu Hause gewohnt und bin mit dem Fahrrad zur Uni. Ich habe drei jüngere Geschwister, hatte meine alten Freundeskreise, in denen mehrere Jahrgänge (auch Schüler) waren. Ich selbst hatte als Schüler schon vielfachen engen Kontakt zu Studenten (meine männlichen Freunde waren meist älter). Studentenwohnungen waren in Konstanz extrem knapp (es gibt dank Bodensee und Schweiz kein Hinterland).
Ich wäre gerne ausgezogen, ging aber finanziell nicht, ich hätte neben Bafög viel arbeiten müssen und das hätte im Studium Zeitverlust bedeutet (ich habe es im 1. Jahr versucht, arbeitete stundenweise in der Schweiz bei Migros, es war zu hart). Daher habe ich das Studium schnellstmöglich durchgezogen, um endlich unabhängig zu sein. Auch die meisten meiner Kommilitonen wohnten zu Hause (lag vielleicht auch an den Studienfächern, in Mathe waren es damals bei mir nahezu 100 %, in Chemie etwas weniger. Es lag vielleicht auch an meiner Uni, damals wollte kaum jemand nach Konstanz, Exzellenzuniversität wurde sie erst später. ) Wer von meinen Mitschülern Geld hatte, zog nach Freiburg, Tübingen oder Heidelberg.