Als Schüler hab ich in den 60ern des letzten Jahrtausends gewalttätige Lehrer erlebt, z.B.
einen Biologielehrer, der mit seinem vorne gesplissenen Bambusstock, nachdem er den Gummistopfen von dessen Ende entfernt hatte, in die Gesichter der Schüler schlug, deren Antworten ihm nicht passten,
einen Lateinlehrer, der Ohrfeigen verteilte nach drei Vokabelfehlern, dabei mit seiner linken Hand das eine Ohr seines Gegenübers abdeckend mit seiner muschelförmig gebogenen rechten Hand auf das andere Ohr schlug, was nicht selten das Blut aus der Nase des Schülers schießen ließ,
einen Deutschlehrer, der mit der Rundkuppe seines (Klassenraum-)Bartschlüssels "Kopfnüsse" verteilte - an die Schüler, bei denen er zweistellige Formfehler in der Klassenarbeit gefunden hatte. (Nachtrag: Den Schädelbruch, den nicht wenige Schüler dadurch erltten, nannte man damals "Loch im Kopf". Folgen für den Herrn Oberstudienrat hatte das damals meines Wissens keine.)
Auf der anderen Seite stehend sind mir zwei Gewalterfahrungen in Erinnerung geblieben:
An einem Elternsprechtag gab mir ein Vater den Rat, wie ich die Aufmerksamkeit seines Sohnes fördern könne: "Zimmen Sie dem doch mal eine."
Nachdem an einem Samstagmorgen eine zwölfjährige Schülerin zu mir geflohen war, um sich einer Zwangsverheiratung zu entziehen, fuhr ich mit ihr zur Polizei, die sie in die Obhut einer Mitarbeiterin des Jugendamtes gab. Am Nachmittag ging bei mir zwecks einer Rückfrage ein Anruf ein aus der Polizeidienststelle, in die man den Vater zitiert hatte. Während dieses Gesperäches mit einem der dort anwesenden Polizisten geriet im Hintergrund der Vater immer mehr in Rage - bis hin zu Morddrohungen nicht nur gegen mich, sondern auch gegen meine Familie. Das hat dann schon ein paar Nächte für unruhigen Schlaf gesorgt.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch meinen Eindruck vermitteln, den ich mit der seinerzeitigen Umstellung auf Gebundenen Ganztag gewinnen konnte: Durch ein breitgefächertes Aktivitätenangebot in den langen Mittagspausen blieben die bis dahin tagtäglichen Rangeleien besonders zwischen den Unterstufenschülern abrupt aus: diesbezüglich keine Hilfen mehr durch die Schulsekretärin nötig, ein Schülersanitätsdienst, der sich höchstens noch um Zusammenprallopfer zu kümmern hatte.
Das war's.