Beiträge von Zauberwald

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass du mit Chemie nicht noch besser im Schuldienst unterkommst. Wenn nicht, hier im schönen Nordschwarzwald gibt es bestimmt ein Plätzchen für eine Chemielehrkraft. Aber warte mal ab. Du hast eine Teilzeitstelle in Aussicht? Das ist doch schon was. Wenn du erst mal im System bist, wird das schnell Vollzeit.

    Sportstunden sind für mich eher etwas positives, das belastet mich nicht, weil ich lange Sport fachfremd unterrichtet und ein gutes Repertoire habe.

    Mental nicht abschalten kann ich z.B. derzeit, weil ich mir Sorgen darum mache, wie es meinen ADS-Kindern in den weiterführenden Schulen ergehen wird. Daher neulich meine Frage bzgl. des Nachteilausgleiches.

    Was sind deine Gründe? :)

    Du schreibst: Würdet ihr den Job wieder wählen?

    Das ist bestimmt Typsache, aber für mich ist das kein Job. Job hört sich nach etwas an, womit man sein Geld so nebenbei verdient, aber das geht nicht. Die Schülerschaft ist so heterogen geworden, ich habe das Gefühl, ein Drittel meiner SuS in irgendeiner Weise inkludieren zu müssen. Ich kann mental schlecht abschalten, schlafe aber wieder besser, als vor 1 Jahr.

    Mein Tag heute: Seit heute morgen um 7.15 Uhr bin ich dabei, aber nur dank meines kurzen Schulwegs. Meine Kollegin muss um 6 Uhr los:

    7.30 h Frühaufsicht, 1. Stunde Su, 2.Std. Sport vertreten, 3. - 6. Stunde Mathe/Deutsch. Busaufsicht. Dienstbesprechung bis 15 Uhr, anschließend kopieren und Material vorbereiten für den Kunstunterricht, einer Kollegin mit dem Beamer helfen, es ist kurz vor vier, schnell nach Hause, was essen, platt sein, mehreren Eltern was über schoolfox mitteilen, Infos an alle Eltern rausschicken, Noten in Kartei eintragen (wie altmodisch), dann kommt noch vorbereiten des morgigen Tages, 5 Schulstunden und es ist schon 18.45 Uhr. Mist. Aber das geht schnell, weil ich kein neues Thema anfange und grob weiß, wie es weitergeht.

    Zwischendrin hier herumhängen, Nachrichten schauen, Mama anrufen. Die hat ihre Pläne geändert, daher soll ich meine für die paar freien Tage, die ich habe, auch ändern. Ich sage, dass ich es nicht mache....

    Also, ich habe mich als Lehrerin nicht von meinen eigenen Kindern umzingelt gefühlt, im Gegenteil. Ich konnte sehr effektiv mit ihnen lernen, wenn es sein musste und wir hatten immer gleichzeitig die Ferien frei. Ich musste auch nicht in den Ferien nach einer Betreuung suchen, weil der Hort auch mal zu hat, so wie andere Eltern das müssen.

    Der Beruf hat mir viel gegeben, aber auch viel Kraft geraubt. Ich fand es immer schade, dass ich an den Wochenenden kaum Zeit für meine Kinder und die Familie hatte: Korrigieren, vorbereiten, Haushalt, Wäscheberge, usw. Nach den Wochenenden war ich früher oft fix und fertig, als die Kinder noch klein waren. Es macht mich auch traurig, dass ich mir momentan nicht vorstellen kann, bis zur regulären Rente (bei mir mit 66) durchzuhalten, aber ich möchte nicht als genervte alte Tante am Tisch vorne sitzen.

    Wenn die Bedingungen anders wären, würde ich den Beruf wieder wählen, aber unter den derzeitigen Bedingungen wahrscheinlich eher nicht. Ich sehne mich nach einer geregelten 40 Stunden Woche mit freiem Wochenende, ohne ständige digitale Verfügbarkeit für Eltern, Kollegen, Schulleitung. Auch möchte ich in meinen Freistunden nicht dauernd als Vertretungsreserve herhalten. Ich wünsche mir Schüler, die respektvoll und wertschätzend mit anderen (Mitschülern, Lehrern, sogar Schulsachen) umgehen können, Eltern, die ihre Kinder unterstützen und nicht alles den Lehrkräften überlassen usw. usw.

    Ich möchte auch nicht nur als Grundschultante gelten, deren Arbeit weniger wert ist, als die anderer Lehrkräfte (Besoldung, Stundenumfang und allgemeines Bild).

    Das wars. Also nein, ich würde einen anderen Beruf wählen.

    Mich interessiert besonders, ob es Gemeinschafts-/Gesamt-/Oberschulen mit einer eher sozial-benachteiligten Schüler*innenschaft gibt, die dieses Konzept anwenden. Wie funktioniert es mit Eltern, die kein Interesse haben, die kein Deutsch sprechen, mit Schüler*innen, die aufgrund des fehlenden Elterninteresses allgemein kaum "greifbar" sind?

    Und manchmal verstehen Eltern Noten einfach besser.

    Wir haben ja in jedem Schuljahr lange Elterngespräche, auch mit Kind. (Nur meine jetzige Schule macht es ohne Kind). Lernentwicklungsgespräche. Trotzdem haben wir Arbeiten und Noten, schauen Hefte durch, haben Präsentationen und das alles führt zu einer Gesamtwürdigung.

    Eigentlich machen wir es wie oben in dem Link. Nur wird alles zusätzlich in Noten/schriftlichen Bericht aufgeschrieben.

    Mich interessiert, ob hier jemand Erfahrung mit den sog. Portfoliogesprächen hat.

    Kurzbeschreibung: Es gibt Schulen, die im 5. und 6. Jahrgang weder Noten noch Kompetenzraster am Ende jedes Halbjahres an ihre Schüler*innen ausgeben, sondern sie in halbstündigen Einzelsitzungen mit Klassenlehrkräften und Eltern drei Produkte aus dem jeweils vergangenem Halbjahr präsentieren lässt und ein allgemeines Gespräch über die Entwicklung ihrer Lern- und Sozialkompetenzen führt.

    Über den Link kann man mehr darüber erfahren.

    https://deutsches-schulportal.de/konzepte/portf…ngsbeurteilung/

    Also die Schüler präsentieren 3 Produkte vor Eltern und Lehrern und es gibt ein Gespräch und das alles in einer halben Stunde? Hört sich aber sehr kompakt an. Und wie bereitet man sich als Lehrkraft darauf vor? Sieht man die Präsentationen vorher und kann sich schon einmal Notizen machen?

    Nirgendwo steht, dass die Eltern unterschreiben müssen.

    Durch die Unterschrift sehe ich, dass die Eltern die Information erhalten haben und wissen, dass das Kind später kommt, nicht, dass die Eltern mit der Nacharbeit einverstanden sind.

    Bei uns ginge alles über schoolfox, die Eltern bestätigten mit einem Klick, wenn nicht, schickte ich eine Erinnerung, wenn keine Reaktion erfolgte, riefe ich an.

    Ja, und sobald jemand heraus kommt, steht die Tür offen und man kann auch hinein.

    Aber die Mutter saß im Auto und wartete,

    warum auch sollte sie ihr Kind aus dem Klassenraum abholen, wo das Kind doch wusste, dass es abgeholt wurde, um zum Arzt zu fahren.

    Und nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass zwischen 13.30 und 14.30 Uhr niemand durch diese Tür ging, keine Lehrkraft vor dem Gebäude war und man nicht ins Gebäude kommen konnte.

    Bei uns gäbe es zu dieser Zeit auch überhaupt keine Arzttermine. Die Praxen öffnen nachmittags erst um 15 oder 16 Uhr.

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