Beiträge von Zauberwald

    100% Zustimmung. Ich hätte mir damals gewünscht, dass die Gesamtheit des Kollegiums diese Auffassung teilt und eben entsprechend bewertet wird. Wenn dann nach der Erprobungsstufe massiv abgeschult werden muss, ist das eben so. So läuft es in der Praxis aber eben nicht. In der Praxis übt das Schulamt Druck aus, weil es keine Schulplätze an anderen Schulformen gibt, die Lokalpresse kritisiert lautstark die Gymnasien, die es sich angeblich zu einfach machen und zu viel abschulen, und die Schulleitungen appellieren an die Kollegien, man möge doch bitte bedenken, dass wir bei sinkenden Schülerzahlen abordnen müssen usw. Dazu kommt noch, dass nicht wenige meiner Kollegen (junges Kollegium, viele dort in der Ecke ausgebildet und nie was anderes gesehen) das Niveau selbst für völlig angemessen und normal hielten.

    Ich finde es schade. Als hier 2012 die verbindliche Grundschulempfehlung wegfiel und sehr viele Kinder in die Gymnasien strömten, hat das örtliche Gymnasium schon viel abgeschult. Bei meinem Sohn gab es nach Klasse 6 anstatt 5 Parallelklassen nur noch 4.

    Meine guten und sehr guten Schüler und Schülerinnen passen sich mach unten an und in der 8. Klasse - nach gemeinsamen 2 Jahren - sehe ich kaum Kompetenzzuwachs.

    Das finde ich sehr schade. Du schreibst ja, dass du dich um die Schwachen auch bemühst und differenzierst. Aber es gibt Grenzen, vielleicht kann einfach nicht jede/r ein Abitur schaffen. Was ist, wenn man nicht alle "mitnimmt?" Es kann doch nicht sein, dass man sich (nur) an den Schwachen orientieren soll. In diesem Fall finde ich wirklich unsere Gemeinschaftsschulen ehrlicher. Da wird auf verschiedenen Niveaustufen unterrichtet (auch auf Gymnasialniveau) und die Schüler schreiben gemäß ihrem Niveau die Klassenarbeiten. Wenn sie da zu schlecht sind, müssen sie ein tieferes Niveau wählen. Und ja, die Kollegen dort arbeiten sehr sehr viel, daher sind dorthin abgeordnete Gymnasialkollegen auch nicht sehr glücklich. Aber da unsere Gemeinschaftsschulen dieses Niveau anbieten, sollten auch die entsprechenden Lehrkräfte vorhanden sein.

    Was genau soll denn die Besoldung damit zu tun haben, dass inzwischen auch an den Gymnasien viele Schülerinnen und Schüler zu beschulen sind, die sich da sehr schwer tun und man damit nun einmal irgendwie umgehen muss? Den Ansatz, die Leistungsstarken angemessen zu fordern und die Leistungsschwachen nicht ganz abzuhängen, kann ich vollkommen nachvollziehen. Ehrlicher wäre natürlich seitens der Politik, die Gymnasien einfach in Gesamtschulen umzubenennen ;)

    Wir haben nur sehr heterogene Gruppen, aber unsere Leistung wird weniger gewürdigt. Das ist der Punkt.

    Ja, Gesamtschule wäre ehrlicher. Da gibt es die Tests auf verschiedenen Niveaustufen und da schafft eben nicht jeder jedes Niveau. Aber warum machen die Gymnasialkollegen da mit, beim Herunterfahren der Leistungen? Das finde ich nicht richtig.

    Natürlich. Es ist nicht mein Fehler, wenn ich am Einsatzort nicht die Ausgangslage vorfinde, die eigentlich für diese Schulform vorgesehen ist.

    Ich finde es nicht richtig, das Niveau in den Klassenarbeiten (und im Unterricht) abzusenken, nur damit ein erquicklicher Durchschnitt herauskommt. Wer sagt denn, dass man das muss? Wer die Anforderungen trotz Förderung nicht erfüllt, hat eine schlechte Note und bei vielen schlechten Noten ist man vermutlich an der falschen Schulform. Dieses Weichspülen führt doch zu den geschenkten Abituren und der nicht vorhandenen Studierfähigkeit.

    Ähnliche Erfahrungen: ja. Nach 2 leistunggstarken (wie ich damals fand "normalen" Gymnasien) bin ich im Ruhrgebiet gestrandet und bin 7 Jahre lang nicht mit dem absolut unterirdischen Leistungsniveau dort warm geworden. Man hätte nach der Erprobungsstufe eigentlich die Hälfte eines Jahrgangs abschulen müssen, um wieder ein passendes Arbeitslevel herzustellen. Passiert natürlich nicht, statt dessen verlassen Schüler mit okayishen Abiturdurchschnitten die Schule, die keinen geraden Satz formulieren können.

    Im Nachhinein betrachtet: entweder man bemüht sich zeitnah, dort wieder weg zu kommen, oder man arrangiert sich und hält sich vor Augen, dass die Zustände ja systemisch so gewollt sind, wenn angemessene Schulformselektion nicht mehr stattfinden darf/soll. Pragmatischer Ansatz: anspruchsvoller Unterricht für eine angemessene Förderung der Leistungsstarken (mit ein bissi Differenzierung nach unten, klar), aber bilige Klassenarbeiten, um die passenden Notendurchschnitte zu generieren, die das nutzlose Förderplanschreiben nicht notwendig machen.

    Aber mit A13 oder 14 nach Hause gehen.

    Wie ist denn die Realität? Du müsstest doch genau angeben können, wie viel die Kollegin verdient.

    Ich habe sie nicht gefragt. Sie hat sich bei der Chefin eine Nebentätigkeitserlaubnis geholt mit den Worten, dass sie anders Wohnung, Auto, Versicherungen, Lebenshaltungskosten nicht finanziert bekommt. Vielleicht muss sie ja noch Bafög zurückzahlen, das hat bei mir damals schon zu Buche geschlagen. Aber ich bin raus hier. Jedes mal wenn ich hier auftauche, bekomme ich eins auf die Mütze. Tschüß, eure Herrrrrlichkeiten :uebel:

    Wie gesagt: Bären aufbinden lassen und so.
    Und du bist Teilzeit, das zählt hier nicht als Vergleich.

    Die 15% Teilzeit, die ich mir abziehen kann, habe ich schon abgezogen. Mir ist das hier zu dumm. Ich weiß doch, was auf meinem Konto ist. Ich habe auch berücksichtigt, dass sie als Ledige eine bessere Steuerklasse hat als ich. Diese Gehaltsrechner sehen besser aus als die Realität.

    s3g4 Teilzeit-Bezahlung, da sagst Du was. Wie wäre es, wenn man das Referendariat an den Vorbereitungsdienst (in NRW OBAS genannt) für die Quereinsteiger anpaßt. Also ein paar Stunden mehr, dafür aber Bezahlung als Angestellter gemäß E13 und eben keine Anwärterbezüge?

    Es darf nicht sein, dass ein Referendar, der ein komplettes Studium in der Tasche hat, nebenbei kellnern gehen muss, um sich das 2. Staatsexamen überhaupt leisten zu können, zumal wenn man vom Schulministerium quer durchs ganze Bundesland verschickt wird!

    Meine junge Kollegin geht mit ihrem A12 Einstiegsgehalt nebenher kellnern, weil sie sich sonst Miete usw. hier im Raum nicht leisten kann. Hier sind die Wohnungspreise sehr hoch. Der Mietspiegel liegt zw. 14 und 21 € pro m².

    Normalerweise sind die Kinder sehr überrascht dass sie überhaupt Rechte haben und verkünden diese auch stolz zu Hause und fordern sie ein.

    Bei diesen eigenen Kinderrechten, die sie sich ausdenken sollen, kommt bestimmt so etwas heraus wie 100 Euro Taschengeld, bis 24 Uhr aufbleiben, alleine verreisen o.ä. Welches Lernziel verfolgst du damit? Die Antwort auf ihre erdachten Kinderrechte wissen die Kinder vmtl. vorher schon selbst.

    Aber vielleicht hat hier ja jemand gute Gedanken dazu.

    Ich schrieb ja, es ist mir rausgerutscht, aber die Kinder wachsen ja jetzt so auf. Unsere Nachmittagsbetreuung in der Schule war froh, als eine digitale Tafel in die Küche kam, wo das Mittagessen stattfindet. So können die Kinder beim Essen einen Film schauen und Ruhe ist im Karton. Schaue ich mit egal welcher Klasse einen Lehrfilm an, kommt sofort die Frage: Dürfen wir essen? Essen scheint mit Glotze in Verbindung zu stehen. Jeder wie er mag. Ich sage dazu auch nichts mehr.

    Ich habe mich schon dabei erwischt, dass ich wildfremden Menschen auf der Straße die Handybenutzung verbieten wollte. Ja einmal Lehrer immer Lehrer.

    Ist mir auch mal rausgerutscht. In der S-Bahn hat eine junge Mutter ihr Kind gestillt. Das Baby hat die ganze Zeit den Augenkontakt mit ihr gesucht (machen Babys beim Füttern und ich fand es immer sehr innig), aber sie hat nur auf ihrem smartphone rumgedaddelt und ihr Kind gar nicht beachtet... Sie meinte, das wäre ihre Sache.

    Worüber wir uns als Schülerinnen im Gymnasium mit 32 Mädchen in der Klasse amüsiert haben war, wenn die Mathelehrerin mal wieder einen Pulli auf links mit dem Schild unterm Hals trug oder wie immer keine gewaschenen Haare hatte. Also solche Äußerlichkeiten, die als ungepflegt gelten.

    Eine meiner besten Freundinnen ist Lehrerin in einer Gemeinschaftsschule, hat Adipositas, sie kann deshalb kaum 1 km auf einmal laufen, aber sie hat in der Schule überhaupt keine Probleme. Ihr Hauptfach ist Kunst, sie unterrichtet auch andere Fächer, aber sie ist in der Schule DIE Künstlerin und von allen geliebt und geachtet. Die Schüler holen sie am Auto ab und tragen ihre Sachen in die Schule...

    Hallo zusammen,

    mir geht es momentan sehr schlecht. Ich bin Lehrerin im ersten Jahr an einem ländlichen Gymnasium. Mein Referendariat lief sehr gut. Ich bin super durchgekommen, auch wenn es schon sehr stressig und anstrengend war. Ich habe immer sehr gute Rückmeldungen von Kollegen und von meinen Fachleiterinnnen bekommen. Mir wurde immer gesagt, dass ich eine ganz tolle Lehrerin sei und und dass es ein Geschenk wäre, mich im Unterricht zu haben. Ich habe mit sehr guten Noten bestanden. Als besondere Stärke wurde immer meine sehr gute Lehrer-Schüler-Beziehung hervorgehoben.

    Nun arbeite ich seit etwas mehr als einem halben Jahr als Vollzeitlehrkraft. Ich habe mich total darauf gefreut. Allerdings läuft es überhaupt nicht gut. Ich habe sehr mit Unterrichtsstörungen und Disziplinproblemen zu kämpfen. Diese treten durchweg in allen Jahrgangsstufen von 5 bis 11 auf. In manchen Klassen ist es jedoch viel schlimmer als in anderen Klassen. In manchen Klasse ist es nur das permanente Gequatsche mit den Sitznachbarn. In anderen Klassen kommt es zusätzlich zum Reinrufen, zum Abgeben von Kommentaren, zu motorischer Unruhe und einer extremen allgemeinen Unruhe, sodass ich manchmal Schwierigkeiten habe, die Klasse wieder einzufangen. Leises Arbeiten ist manchmal ebenfalls schwierig. Ich habe schon alles probiert an verschiedenen Methoden (Zusatzaufgaben, Belohnungssysteme, neue Sitzordnung…) Ich habe auch schon häufig die Situation in der Klasse thematisiert und gefragt, was ich anders machen kann, damit sie störungsfreier arbeiten. Es hat nichts gebracht, außer kurzfristige Verbesserungen. Ich weiß echt nicht mehr weiter. Das Ganze nimmt mich wirklich sehr stark mit. Ich fühle mich häufig ausgelaugt, erschöpft und traurig. Ich überlege ernsthaft einen anderen Beruf zu wählen, obwohl ich das eigentlich gar nicht will, weil mir der Beruf viel Freude bereitet. Ich glaube auch, dass ich wirklich guten Unterricht machen kann und ich bekomme auch so alles ganz gut organisiert und geplant. Meine Schulleitung war neulich zum ersten Mal in meinem Unterricht und sie war begeistert. Ich gebe mir auch wirklich sehr viele Mühe. Meine Schüler mögen mich auch und ich würde auch sagen, dass ich auch an meiner neuen Schule eine gute Beziehung zu meinen Schülern habe. Ich hatte im ersten Halbjahr eine sechste Klasse. Danach musste ich sie abgeben. Die Kinder haben mir eine Karte geschrieben und Schokolade mitgebracht, um sich bei mir zu bedanken. Sie haben in unserer letzten Stunde sogar das Klassenzimmer für mich dekoriert. Wenn ich meine Schüler um Feedback zu meinem Unterricht frage, fällt dieses sehr positiv aus. Es kommen sogar Aussagen, wie z. B., dass der Unterricht so gut ist, dass ihnen keine Verbesserungsvorschläge einfallen würden. Meine Kollegen berichten auch von einigen Störenfrieden in verschiedenen Klassen, aber nicht in diesem Maße. Ich habe das Gefühl, dass ich damit alleine bin. Ich weiß echt nicht mehr weiter. Ich bin ja noch länger und vielleicht auch für immer an der Schule und ich habe echt Angst, dass es dann noch schlimmer wird, weil die Schüler mich ja nun fast alle kennen. Ich habe das Gefühl, dass ich als Berufseinsteigerin alles falsch gemacht habe und jetzt alles verloren ist und ich keine angesehene Lehrerin mehr werden kann. Habt ihr Tipps oder ähnlich Erfahrungen gemacht? Ich würde mich über eure Hilfe freuen!

    Das was du schreibst bin genau ich in jung. Was soll ich sagen/raten? Bei mir wurde es mit der Erfahrung und dem Alter immer besser. Ich bin noch nie so gerne in die Schule gegangen wie in den letzten Jahren. Ich arbeite mit Belohnungssystemen gepaart mit Strenge und ich fange nie an, bevor alle aufpassen, aber ich weiß, dass es sehr schwer ist. Bei anderen sieht es immer so leicht aus.

    Dein Nachbar ist privat Kanadier? Oder ist im nur privat kalt, dienstlich aber arg heiß berufsbedingt? Oder rennt er nur privat in kurzer Hose und T-Shirt rum, dienstlich dafür nackt?

    Er trägt immer kurze Hose, T-Shirt und ist barfuß, wenn er zu Hause ist und ich ihn draußen sehe. 365 Tage im Jahr. Beruf: Lehrer, Mathe, Physik, Sport

    Beruflich zieht er sich der Jahreszeit angemessen an.

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