Beiträge von Grundschullehrer Max

    Hallo,

    ein sehr schönes Geschenk sind bemalte Steine (z.B. mit dem Namen des Kindes oder Motive (Käfer, Bienen, Autos, etc.).

    Das geht an einem bis zwei Nachmittagen, macht Spaß und ist eine schöne Erinnerung, die dann einen Platz auf dem Schreibtisch findet etc.

    Es ist besonders schön, wenn man die Übergabe etwas personalisiert und vielleicht sagt, was man an dem Kind besonders mag und warum das Motiv gewählt wurde.

    Die Frage ist, warum fragst du im Fall der Kollegin? Hat sie dich beauftragt?


    Wenn Eltern das einem vorwerfen, kann man kurz darüber reflektieren, ob das wirklich der Fall ist. Mir wurde in jungen Jahren einmal von einem Elternpaar vorgeworfen, ich hätte etwas gegen Ausländer (so nannte man das früher, das Wort Migrationshintergrund war noch unbekannt), weil ich für das verhaltensauffällige Kind Maßnahmen vorgeschlagen habe, die den Eltern nicht einsichtig waren. Da war ich sicher noch nicht so diplomatisch wie ich heute bin. Aber das hatte damals nichts mit Ausländern zu tun, sondern mit dem Verhalten des Kindes. Das war auch schnell Masche, hatte ich das Gefühl.

    Die Kollegin hat mich angesprochen und wollte das im kollegialen Austausch reflektieren. In dem Zusammenhang habe ich mich gefragt, wie Schule generell mit dem Thema umgehen sollte.

    Bei dem Kollegen uns seinen Sprüchen scheint es ja recht eindeutig (danke für eure Einschätzungen dazu), aber wir haben uns darüber hinaus gefragt, ob wir Lehrer nicht oft auch nach den oben schon erwähnten "unconscious bias" (unbewussten Vorurteilen) handeln.

    Mein Studium ist noch nicht so lange her, aber darüber habe ich an der Uni nichts gelernt und auch in der Praxis scheint es nicht Thema im Lehrerzimmer zu sein.

    Eine Kollegin hat mir noch diese Kontakte/ Links geschickt. Vielleicht ist das ja auch für andere von euch in ähnlichen Situationen interessant:


    ADAS Berlin (Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen): https://adas-berlin.de/


    Ein Coach für Lehrer und Schulleiter (deutschlandweit) zum Umgang mit Diskriminierung an Schulen: https://www.diskriminierung-loesen.de/


    Veröffentlichung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Diskriminierung an Schulen erkennen und vermeiden: http://www.antidiskriminierung…_blob=publicationFile&v=2

    Vielleicht wäre der aktuelle Vorwurf auch ein Grund, um das Thema zu Beginn des neuen Schuljahrs in eine GLK einzubringen und gemeinsam Leitlinien zu finden und zu entwickeln (kann auch Teil eiens pädagogischen Tags sein), wie solche unbewussten Vorurteile zu Diskriminierungserfahrungen beitragen, wie sie sich vermeiden lassen, welche Stereotype dahinter stecken und wie man diese gezielt aufdecken und hinterfragen kann etc. und wie gerade Sprache einen ganz massiven Beitrag zu Diskriminierungserfahrungen leistet (wie die "Witze" des Kollegen, hinter denen auch eine bestimmte Haltung steckt, die solche Sprüche ziemlich unwitzig machen für die davon Betroffenen).

    Ja, das ist eine gute Idee, ich schaue mich mal nach Kollegen um, die das ähnlich sehen, und dann könnten wir ja der Schulleitung den Vorschlag machen.

    Ich finde, dass das im Kollegium viel zu wenig thematisiert wird. Es ist nahezu ein Tabu, so empfinde ich das.

    Geht es euch da ähnlich? Wie kann man das am besten ansprechen? Gibt es da Erfahrungen bei euch?

    Danke für euer Feedback und eure Einschätzungen,

    nein, die Kollegin hat solche Vorwürfe vorher noch nicht erhalten. Sie meinte, dass sie vielleicht bei manchen Schülern (eher mit türkischem oder arabischen Hintergrund) denkt, dass eine "freundliche" Ansprache nicht funktioniert und dann gleich etwas strenger reagiert. Aber vielleicht sind das ja auch Vorurteile bzw. falsche Einschätzungen.

    Sie hat sich schon vorgenommen, ihr Verhalten dahingehend immer wieder zu reflektieren und sie möchte sich auch mit dem Thema

    "unconscious bias" (unbewusste Vorurteile) beschäftigen.


    Wegen des Verhalten des Kollegen habe ich noch nichts unternommen, da ich mir unsicher war, wie/ ob ich das angehen könnte.

    Hallo in die Runde,

    meine Kollegin hat von Eltern (mit Migrationshintergrund) einer 4. Klasse den Vorwurf erhalten, "deutschen" Kindern bei gleichen Leistungen bessere Noten zu erteilen (bzw. deren Kindern schlechtere). Die Kollegin meinte, sie sei sich keiner Ungleichbehandlung bei der Benotung bewusst. Sie hat aber nach einer Selbstreflektion gesagt, dass sie manche Kinder vielleicht etwas strenger auf Vergehen hinweise als andere.


    Gleichzeitig gibt es in der Parallelklasse einen Lehrer, der manchen Kindern zu ihrer Herkunft doch mal den einen oder anderen markigen Spruch reindrückt (So z.B. nach dem Motto: "Wenn du solche Texte schreibst, hättest du ja auch im Kosovo bleiben können!" etc.) . Er meint es wohl witzig, aber ich weiß nicht, wie das bei den Kindern ankommt. Bin mir unsicher ob/wie ich reagieren sollte...


    Habt ihr ähnliche Situationen erlebt? Was sind gute Handlungsstrategien bzw. eure Erfahrungen?

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