Beiträge von putzmunter

    Zitat

    Und wie ist das mit den 90 Minuten?

    Nun ja, mein eigener Unterrichtstag ist wesentlich entstresst, da ich nur noch für maximal drei Lerngruppen vorbereite statt wie früher für 6 oder 7. Das Unterrichtsklima ist auch wesentlich entspannter.

    Aber für meine Fächer (Englisch, Französisch) hat es leider den großen Nachteil, dass ich die Schüler halt weniger oft in der Woche sehe. Wir haben Woche A und Woche B. Meine Neuner beispielsweise habe ich in Woche A zweimal, in Woche B nur einmal. Das heißt, in der A-Woche sehe ich sie Montag und Freitag, und in der B-Woche erst wieder am Freitag darauf. Du glaubst gar nicht, was ich nach einer ganzen Woche ohne Englisch bei denen an Zeit aufwenden muss, um Verschüttetes wieder freizulegen. Ich komme daher langsamer im Stoff vorwärts als früher. Zugleich muss ich längere Vokabelpakete als Hausaufgabe geben als früher, und da wird gemeckert, aber was hilft's.
    Nun hat auch noch unsere Ministerin geäußert, die Hausaufgaben sollten wegen G8 auf ein Minimum reduziert werden und speziell in den Fremdsprachen wolle sie"die Schüler beim häuslichen Üben entlasten".
    Dabei weiß man doch, dass bei Sprachen häufiges Trainieren in kleinen Portionen besseren Lerneffekt hat als seltenes Trainieren in Großportionen.

    Bei so viel Unverstand schüttelt's mich!!

    knurrt
    putzi

    Heute morgen las ich in der Tageszeitung, dass in NRW die Kopfnoten schon für das kommende Halbjahreszeugnis abgeschafft werden.
    In der Schule überreichte mir dann einer der Oberstufenkoordinatoren einen Stapel Kopfnotenformulare für die 13er, deren Halbjahr ja bekanntlich schon im Dezember endet. Die soll ich jetzt bis MORGEN ausfüllen!
    Er sagte, aus Düsseldorf läge bis heute noch keine Anweisung vor, derzufolge die Kopfnoten jetzt schon entfallen, und die Tagespresse sei kein Maßstab.

    Ich finde auf der Schulmini-Seite absolut nichts dazu. Weiß einer von euch Genaueres?
    Danke schon mal,

    putzi

    Ich habe Englisch und Französisch mit voller Stelle und also auch schon seit Jahren keinen Weihnachtsmarkt mehr gesehen. Für mich fängt die Vorweihnachtszeit am 23. Dezember an.
    Da gibt's keine Arbeitszeitgerechtigkeit, man muss sich da irgendwie durchbeissen. Du machst aber schon das Richtige - soviel wie möglich Unterstützung von anderen erbitten und entsprechende Angebote annehmen, viel zusammenarbeiten - und wenn es Dir über den Kopf wächst und Du es zeitlich nicht schaffst mit dem Korrigieren, dann musst Du halt mal hier und da einen Tag krank sein. Die Welt bricht deshalb nicht zusammen.

    Schau Dir auch unter Lehrerforen-allgemein ganz oben das zweite Thema noch mal an, mit den Tipps zur Reduktion der Arbeitsbelastung.
    Nachschreiber? Frage Kollegen nach fertigen Klausuren komplett mit Bewertungsbogen. Korrigiere während der Konferenzen, beim Warten in der Autowerkstatt, im Arzt-Wartezimmer--- ich mach das gnadenlos. Nix Kollegen-Adventstreffen. Nix Weihnachts-Schulkonzert. Nix Mitarbeit in irgendwelchen Gremien und Ausschüssen. Wenn deine Arbeitszeit zu mehr als hundert Prozent ausgefüllt ist, heißt die Parole: NEIN. Ich hab zu korrigieren.
    (Kollege: "Aber wenn Du fertig bist, kannst Du doch beim Soundso-Ausschuss..." Ich: "Nein, dann kommt der nächste Satz Korrekturen".). Ja. so issas.
    Sysiphus und sein Felsklotz. Man muss (wie bei Camus) das annehmen , dann verliert es seine Schreckensherrschaft, und dann freut man sich jedesmal, wenn man wieder eine Gelegenheit nutzen konnte, ein bisschen vom Arbeitsberg abzutragen. "Und wieder hab ich fünf Hefte geschafft. Ich bin toll, und es geht vorwärts."
    Sag den Schülern gleich, Du seist ein besonders korrekturbelasteter Lehrer und sie sollten sich auf zwei Wochen Wartezeit einstellen. dann fragen sie auch nicht jeden Tag nach, wann denn die Klausuren fertig sind.

    Lieben Gruß,

    putzi

    Zitat

    Original von Jurastudentin

    Ziel der Arbeit ist es, die Ursachen für die Begehung solcher Taten festzustellen und sinnvolle Präventionsmaßnahmen zu finden.

    Das ist aber ein sehr hochgestecktes Ziel! Da braucht es mehr als eine motivierte Studentin und soundsoviele Lehrerfragebögen.
    Was machen Sie mit dem Umstand, dass wahrscheinlich dieselben Risikofaktoren auch bei Personen anzutreffen sind, die KEINEN Amoklauf begehen, so dass die Ursachenzuordnung nicht zuverlässig möglich ist?

    Präventive Maßnahmen werden von Hoffnung getragen - sonst nichts. Was machen Sie mit dem Umstand, dass es keinen Nachweis gibt, dass präventive Maßnahmen jemals einen Amoklauf verhindert haben? Außer vielleicht verschärften Sicherheitsvorkehrungen, aber ich nehme an, diese meinen Sie nicht?
    Fragt sich

    putzi

    Bei uns wurde das Lehrerraumprinzip nicht eingeführt, weil nicht genug Räume da sind (hieß es vom entsprechenden Kollegenausschuss). Wenn z. B. eine Klasse in der Turnhalle ist, bleibt deren Raum ja nicht immer garantiert leer, sondern eine andere Klasse hat währenddessen dort Französisch oder Religion oder sonstwas. In den Klassenräumen hängt ein für den jeweiligen Raum gültiger Belegplan, so dass man sehen kann, wann ein bestimmter Raum mal frei ist.
    Dann gibt es die Fachräume - wir haben aber z. B. mehr Physikkollegen als Physikräume.
    Es war also nicht möglich, einzelnen Kollegen einen Raum für sich allein zuzuteilen - sie hätten sich den zumindest mit einem oder zwei Kollegen teilen müssen. Aber auch dieser Plan wurde nicht verwirklicht.
    Kennst Du die Raumsituation und die Raumbedarfslage an Deiner Schule wirklich gut? Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Lehrer einen Unterrichtsraum hat, den niemand anders mitbenutzt.

    Gruß,

    putzi

    Hier hast Du ein Gedicht von Loriot, das kannst Du umschreiben lassen ein einen Polizeibericht, einen Beichtbrief oder Tagebucheintrag, in einen Zeitungsartikel... Viel Spaß mit Loriot.
    Gruß, putzi


    Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken
    Schneeflöcklein leis' herniedersinken.
    Auf Edeltännleins grünem Wipfel
    häuft sich ein kleiner, weißer Zipfel.
    Und dort, vom Fenster her, durchbricht
    den tunklen Tann ein warmes Licht.

    Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
    die Försterin im Herrenzimmer.
    In dieser wunderschönen Nacht
    hat sie den Förster umgebracht.
    Er war ihr bei des Heimes Pflege
    seit langer Zeit schon sehr im Wege.
    Drum kam sie mit sich überein:
    Am Niklasabend muß es sein.

    Und als das Rehlein ging zur Ruh'
    das Häslein tat die Augen zu,
    erlegte sie - direkt von vorn -
    den Gatten über Kimm' und Korn.
    Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
    zwei, drei, viermal die Schnuppernase
    und ruhet weiter süß im Dunkeln
    derweil die Sterne traulich funkeln.

    Und in der guten Stube drinnen,
    da läuft des Försters Blut von hinnen.
    Nun muß die Försterin sich eilen,
    den Gatten sauber zu zerteilen.
    Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
    nach Waidmannssitte aufgebrochen.
    Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,
    was der Gemahl bisher vermied,
    behält ein Teil Filet zurück
    als festtägliches Bratenstück
    und packt darauf - es geht auf vier -
    die Reste in Geschenkpapier.

    Da tönt's von fern wie Silberschellen,
    im Dorfe hört man Hunde bellen.
    Wer ist's, der in so später Nacht
    im Schnee noch seine Runden macht?
    Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
    auf einem Hirsch herangeritten.
    "He, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,
    die armen Menschen Freude machen?"

    Des Försters Haus ist tief verschneit,
    doch seine Frau ist schon bereit:
    "Die sechs Pakete, heilger Mann,
    's ist alles, was ich geben kann."

    Die Silberschellen klingen leise,
    Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
    Im Försterhaus die Kerze brennt,
    ein Sternlein blinkt - es ist Advent!

    Verfasser: LORIOT

    Tja, also ich hab' zu korrigieren, das mach ich in täglichen Portionen. Außerdem Gartenarbeit, das ist nämlich überfällig und schafft außerdem deutlichen seelischen Abstand und Befriedigung. Ja, bisschen putzen und Keller aufräumen, weil man da kaum noch einen Fuß vor den anderen kriegt. Hört sich nicht an wie tolle Erholung. Ist es aber, weil man nämlich im Gegensatz zur schulischen Arbeit SICHTBAR WAS GESCHAFFT kriegt und das löst Befriedigung aus, und die regeneriert mich!
    Kostet alles nichts, sieht als Erfolg nach was aus - und ich fühl mich besser!

    putzi

    Das Feedback allein fördert ja noch nicht die Schreibkompetenz, sondern zeigt nur an, ob den Zuhörern das Ende der Geschichte gefällt. (Schüler bauen da gern viel Blut und Leichenteile ein. Sie denken an inhaltliche Elemente, die schaurig sind und häufen davon viele an). Ich nehme an, Du möchtest bei Schreibkompetenz aber doch auf etwas anderes hinaus, oder?

    Die Schüler sollten auch die sprachliche Gestaltung (in Ddf modisch "Darstellungsleistung" genannt) beurteilen. Dazu müssen sie aber trainiert werden, denn von sich aus kommen sie nicht auf die Idee. Man muss vorher "Schreibqualität" im Unterricht thematisieren. Du müsstest sie darauf bringen, dass Qualitat des Inhalts und Qualität des Ausdrucks separat festgestellt werden können.
    Leitfragen, auf Schüler zugeschnitten:
    Ist die Geschichte so ausgedrückt, dass man interessiert zuhört? Werden unerwartete Wendungen in der Handlung auch so dargestellt, z. B. mit "But suddenly there was/came..." " Then something totally unexpected/ horrifying/ shocking happened..." " You cannot imagine what happened then..." " "But he never got there...."
    Werden sprachliche Mittel, z. B. Adjektiv-Adverkombinationen benutzt, die den dramatischen Effekt steigern? (incredibly tired, terribly cold, completely black...) Gibt es beeindruckende Bilder ("His mind seemed to burst with panic", etc. )

    Ich finde, man könnte doch genau das zum Thema machen mit einem spannenden Modelltext.
    Nimm einen schaurigen Geschichtenanfang, an dem man herausarbeiten kann, was da die gute Schreibqualität (nicht die inhaltliche) ausmacht). Wenn da Ergebnisse gesammelt worden sind, kann man die selbst anwenden, indem man entweder diese Geschichte oder eben einen schaurigen Clip weiterspinnen lässt.

    Eins solltest Du allerdings bedenken: Den Clip weiterspinnen läuft eigentlich eher auf Drehbuchschreiben hinaus, wieder eine ganz andere Sache...

    Sind nur so'n paar Gedanken, ich hab gerade nicht so viel Zeit...

    putzi

    "Corporate Identity" - igitt!!! ich bin froh, dass diese Vokabel von seiten des Chefs bei uns noch nicht gefallen ist.
    Vielleicht bin ich ja zu voreilig mit meiner Ablehnung, aber das hört sich für mich gefährlich nach totaler menschlicher Vereinnahmung an. Leibeigenschaft...
    ja, ich weiß, das es das nicht heißt, aber es beschleicht mich trotzdem so ein ungutes Gefühl.
    Ein bisschen neben der Spur geschrieben, tut mir leid - aber wie ist das bei anderen, habt ihr offizielle "Corporate Identity" an der Schule?

    putzi

    Auf der Ministeriumswebseite sind auch keine Ministeriumsmitarbeiter bei der Arbeit zu sehen. Meine Autowerkstatt zeigt auf ihrer Webseite Bilder von Kunden und Mitarbeitern klitzeklein im Schauraum-Hintergrund, wo die AUTOS als wichtigster Bildinhalt groß im Vordergrund stehen. Auch mein Zahnarzt hat lächelnde 08-15Gesichter mit tollen Zähnen (wahrscheinlich aus einem Fotopool), und ein Foto von der Rezeption mit der Assistentin in Rückenansicht.

    Ich sehe Schulen nicht als zu vermarktende Betriebe, sondern als SCHONRÄUME, in denen Kinder und Jugendliche vertrauensvoll und in geschützter Atmosphäre lernen können. Ansprüche, wie sie für kommerzielle Webseiten gelten, muss man ja nicht in vorauseilendem Gehorsam im Flug auffangen und umsetzen. Wenn jemand eine Schule nach ihrer Webseite beurteilt, macht er was falsch, denn er misst die Arbeit, die ein freiwilliger, autodidaktisch gebildeter Lehrer in die Internetpräsenz investiert, an dem Produkt der professionall geschulten PR-Abteilung von Betrieben.

    Nee, lasst uns abschirmen, solange wir noch abschirmen dürfen.

    Gruß,
    putzi

    "Moon Palace" und "American Beauty" (hab ich beides schon hinter mir) lassen sich natürlich beide gut mit American Dream verbinden.
    Das hat mich aber andererseits auch gestört: die Inhalte sind so überwiegend USA-lastig.
    Ich musste regelrecht gegensteuern mit einem ergänzenden Angebot weiterer Filme und Romanauszüge. Wenn man auch den Bereich "Genetic Engineering" und Utopia/Dystopia" zusätzlich fiktional abdecken will, ist weder "Moon Palace" noch "American Beauty" nutzbar.
    Da fand ich frühere von Düsseldorf vorgegebene Film/Romanbeispiele vielseitiger.
    Naja, es bleibt einem ja unbelassen, über die festgelegten Filme/Romane hinaus den Horizont für weitere Themen freizuhalten.

    Gruß,

    putzi

    Also nix für ungut, aber irgendwie hab ich beim Lesen des Beitrags von stranger das Gefühl, dass hier etwas schlechtgeredet wird, weil man sich von solchen Überzeugungen so sehr runterziehen lassen kann. Man aalt sich in seinem Ekel, sozusagen...
    Was soll das denn Positives bringen?
    Fragt sich

    putzi

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