Beiträge von Standrechtlich

    Ich habe mich nach dem Lesen des Beitrages direkt hier neu angemeldet, weil du ja nach beruflichen Alternativen fragst, was hier geflissentlich ignoriert wird, da man offenbar nicht über den Horizont des eigenen Berufsstandes hinaus sieht. Ich kann zumindest von beiden Seiten berichten, da ich einen langjährigen Kollegen hatte, der, ebenfalls auf einen Assistenzhund angewiesen, es schließlich geschafft hat, sich aus der schulischen Bubble zu befreien.


    Zunächst mal muss ich dem Zustimmen, was hier schon zwischen den Zeilen anklang: Wenn du einen Hund in der Schule führen oder er dich führen soll, verlangt es den anderen Beteiligten einiges ab. Von Zustimmung der Eltern in jedem Einzelfall bis zu Sonderreglungen und Rücksichtnahme von allen. Das kannst du nicht voraussetzen in der Realität. Wenn du das mit „Diskriminierungsverbot“ und Sonderreglungen für Schwerbehinderte durchdrücken möchtest: Viel Glück! Wie ich dich verstanden habe, bist du psychisch labil? No chance! Deine Autorität vor der Klasse gewinnst du nicht über den Hund, und die Schüler merken schnell, wenn er deine mentale Seelenkrücke ist. Im Gegenteil: Immer mehr Schüler und Eltern/Innen werden gegen das Tier aufgebracht, wenn es nicht klappt. Das ging bei meinem Kollegen so weit, dass ganze Elterngruppen bei der Schulleitung rebellierten („Der Köter muss weg“), auch wenn sie gar nicht direkt betroffen waren. Das war teilweise religiös motiviert („Im Islam ist der Hund ein unreines Tier“), teilweise auch aus Tierhass oder von Veganern („Keine artgerechte Tierhaltung, Tierquälerei“). Ein Schüler aus der entsprechenden Klientel lud sich dann mal eine Handyapp runter, die Ultraschalltöne ausgibt, die nur von Tieren wahrgenommen werden können, „Tiervertreiber“ genannt. Hat zwar nicht so richtig funktioniert, aber es war Stress für das Tier jeden Tag. Der Tiervertreiber war dann auch Tagesgespräch im Kollegium, weil die Schüler in den Klassen darüber offen diskutiert haben, und nach meinem Eindruck durchaus mit einem Augenzwinkern der Kollegen. So weit zum Diskriminierungsverbot.

    Wenn ich hier lese „Wo ein Wille ist…“ kann ich mich nur wundern und denke ich bin im Paralleluniversum, jenseits vom rosaroten Ponyhof, wo die Klasse auf den geliebten Schulhund wartet und sich die Lernleistungen verbessern, wann immer er in der Klasse ist. In der Realität hebe ich genau das Gegenteil erlebt: Dem Kollegen wurde in einer anonymen Mail angedroht „den Köter zu vergiften“ und ihm wurden Videos von Schächtungen zugeschickt. Seine Anzeige bei der Polizei verlief ins Leere, brachte ihm aber weiteren Ärger mit der Schulleitung wegen „Rufschädigenden Verhalten“. Ich will nichts verallgemeinern, aber bitte denke daran, dass auch solche Fälle Realität sind, damit nicht eines Tages deine rosarote Bubble platzt. In der Schule kannst du nichts verheimlichen und auf PN ausweichen, sondern musst dich den Problemen offen stellen. Der Lehrberuf verlangt von uns heute, dass wir auch in Brennpunktklassen unterrichten können. Dem Kollegen wurde gesagt: Wenn du das nicht kannst, müssen wir ja die Arbeit für dich mitmachen.


    Nun aber zu den Berufalternativen, mit Hund versteht sich: Der Kollege fand einen Job in der Sicherheitsbranche als Nachtwächter. Dort war der Hund äußerst willkommen und konnte sogar voll in der Beruf integriert werden. Die Verdienstmöglichkeiten sind nicht schlecht, da es Nachtschichtzulagen gibt, zudem ist es ruhig und in der Regel stressfrei. Es bietet sich eine Weiterbildung zum Gebäudemanager an als Zusatzqualifikation zum Beruf. Bitte erkundige dich, die Verdienstmöglichkeiten übersteigen teilweise das Lehrergehalt.


    Etwas schwieriger aber mit Möglichkeit der Verbeamtung: Forstbeamter im Staatsdienst. Dafür müsstest du dein Studium umorientieren möglichst bald. Der Hund als Jagdbegleiter ist dort ebenfalls absolute Notwendigkeit. Wenn du auf das Tier angewiesen bist, biete ihm eine artgerecht Haltung, die es in der Schulklasse nicht haben kann.

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