Beiträge von Antimon

    Man muss so lange gar nicht dabei sein um zu sehen, in welche Richtung es geht. In den insgesamt 11 Schuljahren, die ich jetzt unterrichte, wurde die Altersermässigung im Kanton Baselland gestrichen und im Nachbarkanton wurde die Pflichtlektionenzahl am Gymnasium um +2 erhöht. Als ich anfing im Baselland zu unterrichten, lag die Richtzahl zur Klassenbildung noch bei 18, unterdessen liegt sie bei 23. Der Klassenteiler hat sich nicht verändert, kaum jemand ausserhalb der Schulleitung weiss überhaupt, was es mit dieser "Richtzahl" auf sich hat. Schlussendlich heisst es, wir unterrichten im Durschnitt grössere Klassen. Jetzt geht es um die Revision des Berufsauftrags. Da hiess es mal, als im Baselland das Volldeputat von 21 auf 22 Wochenlektionen angehoben wurde, dafür muss man neben dem Unterricht weniger leisten. Das wird in Prozentzahlen festgehalten. Nun versuchen sie, diese Prozentzahl für den neuen Berufsauftrag wieder zu erhöhen und meinen, keiner merkt's. Will heissen, wir haben dann halt weniger Zeit zur Unterrichtsvorbereitung. Naja, ganz so blöd sind wir in der Gewerkschaft dann schon auch nicht. Wir arbeiten gerade an der grössten Schulreform seit über 20 Jahren und stellen nebenbei den ganzen Laden sukzessiv auf digital um, da ist nicht ganz einzusehen, dass an den Arbeitszeiten zu unseren Ungunsten irgendwas verändert werden sollte. Die sollen sich hüten. Laut Prognose rechnen wir in den nächsten 5 Jahren mit etwa 20 Klassen mehr verteilt auf die 5 Gymnasien im Kanton und irgendjemand muss die unterrichten. Der Lehrpersonenmangel auf Stufe Sek I ist evident und es wird auch an den Gymnasien immer schwieriger noch ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Haben wir bei Frau Gschwind so auch mal platziert. Es kann dann immerhin keiner behaupten, von nichts gewusst zu haben.

    Es wird irgendeinen Grund geben, warum der Spruch da sein muss. Mutmasslich irgendein EU-Ding. Hab ich noch nie drüber nachgedacht und so sehr stört es mich dann auch nicht, dass ich Lust hätte, das jetzt zu tun. Den doofen Cookie-Hinweis muss man seit einiger Zeit ja auch auf Schweizer Websiten wegklicken. Der nervt mich tatsächlich mehr.

    Fachkräfte für was? Die MPA in der Praxis ist natürlich auch eine Fachkraft. Zu deren Ausbildung gehört übrigens, dass sie weiss, in welchen Fällen sie dir Auskunft geben kann und wann sie dich besser an die Ärztin oder den Arzt verweist. Hat jetzt alles nichts mit Berufsbezeichnungen und Gender zu tun. Du konstruierst dir schon grade ein Problem zusammen, wo gar keins ist.

    Selbst, wenn ich keine voll ausgearbeitete Alternative habe, so bedeutet Technikausfall im mindesten eines: Extrem hohes Stresslevel.

    Du bist echt so ein Pflänzchen? So gibst du dich hier aber nicht ;)

    Du vergleichst dich doch so gerne mit Ärzten. Im Gegensatz zu denen weisst du genau, dass in der 2. Lektion am Montag die 8a bei dir Chemie hat und du weisst genau, was du mit denen zuletzt thematisch gemacht hast. Der Arzt hingegen weiss nie so genau, welche Hysterie als nächstes über ihn hereinbricht. Ich lag mal 4 h lang im Unispital in der Notaufnahme und habe mich in Ermangelung an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten im Stillen darüber amüsiert, welche irrsinnigen Gestalten da im Fünfminutentakt aufschlagen. Und du bekommst schon Pickel wenn nur mal der Beamer ausfällt? Oh je.

    Überlegt doch mal, wäre das Beamtensystem zum Vorteil der Arbeitnehmer, dann wäre es schon längst abgeschafft worden!

    Es wird nicht abgeschafft, weil der Beruf der Lehrperson in Deutschland dann so unattraktiv wäre, dass ihn endgültiger keiner mehr machen würde. In einem Angestelltenverhältnis kann der Arbeitgeber unter anderem ernsthaft Leistung von dir fordern. Wir führen lohnrelevante Mitarbeitergespräche und mit deiner Haltung "ich mache nichts ausser Unterricht" würdest du früher oder später eine Verwarnung kassieren und als nächstes wird dir der Stufenanstieg ausgesetzt. Es steht dir natürlich frei, dich aus dem Beamtenstatus entlassen zu lassen. Mach mal.

    Stöchiometrie. Das ist so hirnverbrannt, dass es dich genau Null Vorbereitungszeit kostet und die SuS können es in der Regel so wenig, dass du mit nur 2 Aufgaben 45 min Unterrichtszeit gefüllt hast. In meiner Schreibtischschublade liegt ausserdem ein Stapel mit Karteikarten auf denen Fachbegriffe stehen. Montagsmaler. Musst du auch nicht vorbereiten, kannste dir spontan ausdenken.

    Moment, als Lehrer immer ein Alternativprogramm vorbereitet zu haben kostet keine zuätzliche Arbeitszeit?

    Hast du das? Glaube ich dir nicht. Im Zweifel fällt bei einem Totalausfall der Technik auch der Unterricht aus und das geht nicht zu deinen Lasten sondern zu Lasten der Schülerinnen und Schüler. Wenn mir sowas passiert, fange ich in der Regel wirklich sehr spontan an über irgendwas zu erzählen, was ich grade im Kopf habe. In der Mittelstufe ziehst du halt ein Blatt Papier und lässt Reaktionsgleichungen schreiben. Das erfordert genau gar keine "zusätzliche Arbeitszeit".

    Ich habe zwei fast komplette Diplomstudiengänge, fehlendes hätte ich teilweise direkt anerkennen lassen können oder in einem Semester nachholen können. Ich wollte aber Lehrer werden und natürlich ist längst keine Änderung mehr möglich. Lehramtstudiengänge gab es an meiner Uni nicht, wir waren viel zu wenige.

    Das mag irgendwann mal so gewesen sein, aber zu meiner Zeit in Heidelberg haben die Lehrämtler schon sehr viel weniger gemacht als die Diplomer. Von daher ist die unterschiedliche Bezahlung am Ende auch absolut angemessen. Wie viel so ein Lehrämtler mit sehr guten Zeugnissen am Ende dann tatsächlich kann, sehe ich jetzt live vor Ort. Der hat sich erst mal vor uns aufgebläht und erklärt, er könnte das gleiche wie wir. Ich musste mich wirklich mit ihm hinsetzen und ihm erklären, hör zu, ich habe deine Zeugnisse gesehen. Dass du uns hier irgendeinen Bullshit erzählst ist übrigens ein noch viel grösseres Problem als alles andere. Und ja, es es ist definitiv auch ein Problem, dass ihm Fachinhalte fehlen. Das Niveau seines Unterrichts ist für die gymnasiale Oberstufe nicht angemessen, zugleich schafft er es aber auch nicht nach unten zu differenzieren. Wir unterrichten nun mal auch Fachmittelschule und da sind eben die dabei, die sich nicht vorstellen können, was ein Mol sein soll. Und so einer fragt mich, wann er bei uns ein fünfstelliges Monatsgehalt verdient.

    Das sind alles Kompetenzen, die ich bei einem studierten Mathematiker in jedem Fall erwarten würde. Grade Philosophie ist in der Denkweise praktisch identisch zu dem, was man in der Mathe lernt. Es ist ja nun kein Zufall, dass die die alten Säcke aus Griechenland (Platon etc) irgendwie immer beides waren.

    Ach Leute... Wir haben hier wirklich schon mal ganz konkret Prüfungsaufgaben angeschaut und festgestellt, dass ich das Mathe-LK-Abi aus NRW aus dem Stand bestehen würde. Ich beschäftige mich aber seit mehr als 10 Jahren gar nicht mehr mit der Art von Mathe, die ich auf Niveau Leistungskurs erwarten würde. Noch mal: Von Niveau Uni (und das war der Ausgangspunkt der Diskussion!) sind wir da noch weit entfernt. Die nun schon x mal zitieren 15 Punkte im Mathe LK, die angeblich belegen sollen, dass Deutsch aber soooo viel schwieriger ist, sind überhaupt kein Indikator für irgendwas. Ich würde unsere Profil-A-Matura ohne Vorbereitung definitiv *nicht* bestehen. Und da sind wir immer noch nicht bei dem, was an der Uni in der Mathe gefragt ist.

    Mich wundert, dass dich das immer wieder wundert. War das nicht vorher klar? Aber typisch, dass die Schule zu träge ist, darauf zu reagieren. Antimon hat das Thema schon vor mindestens einem Jahr hier eingebracht, als es gerade in allen Medien Thema wurde.

    Bei uns an der Schule hat KI einen mehr oder weniger festen Platz im Unterricht bekommen. Das ging wirklich schnell. Viele Lehrpersonen, vor allem Deutsch, Fremdsprachen und Informatik üben den systematischen und zielführenden Umgang mit ChatGPT. Ich bin da zugegen etwas faul, weil die Antworten auf die meisten Fragen, die ich in meinen Fächern stelle, einfach immer noch schlecht sind. Meine Jugendlichen sind schlau genug, dass sie selber erkennen, sie haben schneller in ihren eigenen Unterlagen gesucht als überlegt, ob ChatGPT gerade halluziniert oder nicht.

    Edit: Ich muss das vielleicht präzisieren. Meine Drittklässler lösen grade Aufgaben, für die sie rechnen und anhand der Ergebnisse argumentieren müssen. Das ist ein Aufgabenformat, das ChatGPT definitiv nicht kann. Da müssen sie zwangsläufig die Unterlagen durchsuchen, die Antworten sind sehr offensichtlich sehr falsch. Erfreulicherweise ist keiner so doof, das nicht zu erkennen. Das letzte Mal hatte ich z. B. danach gefragt, wie sie Kohlendioxid im Experiment nachweisen könnten und ob das wohl ein spezifischer Nachweis wäre. Für sowas taugt er und dafür haben sie ihn auch genutzt.

    Um bei deinem Beispiel zu bleiben, als studierte Informatiker an eine Schule zu gehen ist geradezu lächerlich absurd

    Nö, gar nicht. Das Einstiegsgehalt lieg für Lehrpersonen Sek II im Kanton Baselland unterdessen bei 117k CHF Jahresbrutto. Also ja, ich kenne wie erwähnt jemanden, der bei der Bank mehr als 200k CHF verdient, aber natürlich entsprechend Verantwortung trägt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist an der Schule auch für einen Inforamtiker mehr als anständig.

    Hab ihr auch schon bemerkt?

    ChatGPT wird faul

    Viele haben hier ja ein ZON-Abo und können den Artikel lesen. Kurz zusammengefasst: ChatGPT hat so eine Art Winterdepression und verweigert immer öfter den Dienst. Er taugt eigentlich recht gut zum Programmieren aber gestern hatte ich auch mal "Streit" mit ihm. Ich wollte wissen, woher denn mein Compiler beim Aufruf einer Methode, die ich selbst gar nicht implementiert hatte, wisse, was zu tun sei. Mir war das nicht klar, woher, der das grade holt. Auch nach 3 x Nachfragen und Verlauf löschen spuckt mir Fauli immer die gleiche nicht-Antwort aus. Dabei war es so kompliziert dann schlussendlich nicht, ich stand nur einfach auf dem Schlauch. Immerhin hat er mir nicht empfohlen, doch einfach mal selber zu denken, das scheint in letzter Zeit öfter zu passieren. Er entwickelt ein groteskes Eigenleben! :D

    Was habe ich dir getan?

    Du hast eine persönliche Frage gestellt. Da wird Frau Meier, die sonst bei allen anderen hier immer fleissig Anstand anmahnt, immer ganz ungehalten. Du darfst Frau Meier auch nie nach Quellen für ihre Behauptungen fragen. Die fordert sie rumgedreht immer sehr energisch von allen anderen ein, selbst bleibt sie diese in aller Regel aber schuldig. Darum lese ich ja schon lange nicht mehr, was sie überhaupt schreibt. Ausser in Zitaten halt.

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