Beiträge von Antimon

    Es sei denn, ich lese zu viel aus dieser Aussage heraus.

    Tust du. Meine Replik bezog sich auf das "müssen". Nein, muss man nicht, es geht auch anders. Genauso wenig muss man natürlich den Maturaufsatz auf dem Laptop schreiben. Tatsächlich bringt das aber einige Vorteile mit sich, so dass wir an meiner Schule beschlossen haben, dass das ab sofort immer so sein wird. Wir sind aber das einzige Gymnasium im Kanton, das den freien Einsatz von digitalen Hilfsmitteln bei einer Abschlussprüfung zulässt. Genauso sind wir in der Mathe aber auch die einzigen, die einen Teil der Prüfung ausschliesslich mit einem Bleistift und einem Geodreieck schreiben lassen.

    Kannst du bitte eine beispielhafte Aufgabenstellung geben?

    Zum Maturaufsatz? Ich unterrichte kein Deutsch. Aber das kann z. B. eine Erörterung zu irgendeinem aktuellen Thema sein. Dann wird erwartet, dass die Quellen aus dem Netz korrekt zitiert werden. Wie das mit ChatGPT dann funktioniert, erinner mich im Mai noch mal dran, es wird sicher eine Lösung geben. Und die Lösung wird nicht heissen "Internet aus", dafür kenne ich meine Deutschkollegen zu gut ;)

    Zitat

    Man muss _unbedingt_ weiter üben, mit der Hand zu schreiben

    Das sicher. Es ging um den Maturaufsatz. Das hat letztes Jahr zum ersten Mal so stattgefunden und wurde von allen Beteiligten als sehr gut gelobt. Unsere Jugendlichen schreiben vor allem im Deutschunterricht praktisch nur noch auf der Tastatur. In den Naturwissenschaften schreiben wir ganz viel von Hand. Halt aufs Display des Convertibles ;)

    dass die älteren Kollegen eben noch nicht so digital aufgewachsen sind und sich logischerweise mit den Neuerungen schwerer tun

    Hast du noch mehr Klischees parat? Woher kommt immer dieser Quatsch, man müsste mit irgendwas "aufgewachsen" sein um es zu können? Überleg dir einfach, was du sonst so im Erwachsenenalter alles gelernt hast. Ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, was du diskutieren willst. Du wirftst ein paar unüberprüfbare Behauptungen in den Raum, von wegen KuK würden nur (noch) dies, das und jenes so oder so machen. Woher weisst du das so genau? Hast du bei all denen schon im Unterricht gesessen? Also ich habe junge Kollegen, die mit dem Laptop in den Unterricht gehen und beim Zimmerwechsel die Tafel wischen. Irgendwas scheint während der 45 min passiert zu sein, das nichts mit dem Laptop zu tun hat. Ich wische nur ausgesprochen selten die Tafel. Über meine Ergebnissicherung weisst du mit dieser Information genau... Nichts.

    Och ja, ich habe eine ganz passable Fangemeinde. Mindestens einer meiner Physik-Kollegen hat aber ein ähnlich ausgeprägtes Showmastertalent, davon habe ich mich selbst schon in so manch hospitierter Stunde überzeugt und habe mich nie gelangweilt. Schade halt, wenn man nur sich selbst lustig findet, gell? :P

    Hängt vom Zielpublikum und meiner Tagesform ab, aber ich schaffe das durchaus auch. Wobei das natürlich kein 60minütiger (bzw. 45minütiger) Monolog ist. Im Zentrum einer solchen Stunde steht üblicherweise ein grösseres Experiment, über das es entsprechend viel zu erzählen gibt. Häufig gehören dazu dann noch irgendwelche historischen Hintergründe und Anekdoten, die ich immer recht spontan parat habe. Ein paar dreckige Sprüche tragen in der Oberstufe eigentlich auch immer zur allgemeinen Erheiterung bei. Eine meiner Glanzstunden der letzten Zeit war die Sache mit dem pneumatischen Feuerzeug und der toxischen Männlichkeit ... Seither ist einer meiner Schüler im ganzen Schulhaus berühmt. Aber das ist Situationskomik, die ergibt sich einfach so und ich habe ein recht grosses Talent dafür, solche Situationen herbeizuführen ;)

    Oh Gott. Ja, sorry, ich hätte es wohl als Ironie kennzeichnen müssen. Relativität und Photoelektrischer Effekt, ja das behandelt man schon in einer aussergewöhnlichen Tiefe und vor allem prägt das den gymnasialen Physikunterricht wesentlich. Das rechtfertigt in jedem Fall über Jahre hinweg die Unterrichtsmethodik.

    Und jetzt mal im Ernst, obwohl es völlig OT ist: Vielleicht bin ich als Chemikerin nicht "normal" aber ich habe den grössten Teil des Studiums damit zugebracht, selbständig Syntheseansätze zu planen und diese durchzuführen bzw mich selbständig durch Lesen im Buch oder Lösen von Übungsaufgaben auf die nächste Prüfung vorzubereiten. Diese Art von Arbeit versuche ich grundsätzlich auch bei meinen Schülerinnen und Schüler zu implementieren und mindestens im Schwerpunktfach Chemie gelingt das selbstverständlich auch. Im Grundlagenfach Physik scheitert es daran, dass die Jugendlichen mit primitiven Dreisatzrechnungen überfordert sind*. Das hat mit Einsteins Relativität herzlich wenig zu tun, deren Grundzüge kann ein halbwegs intelligenter Gymnasiast durchaus nachvollziehen. Es geht in selbständigen Arbeitsphasen an der Schule nicht darum, sich so eine Theorie selbst auszudenken sondern lediglich darum, den Weg der Erkenntnis selber nachzuvollziehen. Musste ich das jetzt wirklich schreiben?

    *Sorry, ich will wirklich nicht schon wieder damit anfangen, aber leider ist das der Hauptgrund für meine Methodenwahl im Physikunterricht.

    ich habe es immer gesagt: 255 Euro sind ein Schnäppchen gewesen.
    Darfst du die deutsche Staatsbürgerschaft behalten?

    Also gell... Ich habe für den Kanton ja schon 850 CHF bezahlt, 140 CHF für das Zivilstandsamt und ganze 20 € an die deutschen Behörden. Die 950 CHF sind jetzt für die Stadt Basel. Am Ende zahle ich noch 200 CHF an den Bund und die Gebühren für den Pass. Sofern ich ihn denn bekomme, das Geld ist in je Fall weg. Aber ja, den deutschen Pass darf ich behalten. Man verliert nur das Stimmrecht, sobald man sich politisch engagiert.

    Kann man sich darüber freuen 950 CHF ärmer geworden zu sein? Das kantonale Migrationsamt hat mein Einbürgerungsgesuch an die Bürgergemeinde der Stadt Basel weitergereicht. Die erste Hürde ist also genommen, jetzt warte ich wieder. 4 - 6 Monate heisst es, aber die erste Runde ging kürzer als angekündigt.

Werbung