Beiträge von Antimon

    Joa, da hast du recht. Bei uns ist es genau anders rum, es zählt am Ende allein die Anzahl an SuS, die wir an der ETH unterbekommen. Wie viel Tee die bis dahin getrunken haben, interessiert niemanden. Schade eigentlich.

    Merkt ihr eigentlich, dass wir es vom gegenseitigen Augenauskratzen tatsächlich noch zu einer halbwegs sinnvollen Diskussion geschafft haben? :kuss:

    Wegen der Gymis an meiner Schule: Die Regierung schreit nicht danach bzw kommt nicht auf den Gedanken. Lernbehinderte kann wohl eine schnell fortgebildetr Gymlehrkraft integrieren, Förderschullehrkraft wohl aber nur und nimmer Gymis. Das zeigt wohl die Wertschätzung für meine Arbeit.

    Ich glaube nicht, dass das was mit Wertschätzung zu tun hat, eher mit Tatsachen. Du müsstest in der Lage sein einem Gymnasiasten das chemische Gleichgewicht oder die Bedeutung der Differentialrechnung zu erklären. Kannst du das? Ich glaube nicht, dass deine Ausbildung das hergibt. Ich behaupte um Himmels Willen nicht, dass dein Intellekt das nicht hergibt, aber du bist dafür nicht ausgebildet. Ich kann Chemie tatsächlich auch ausgesprochen niveaulos erklären. Nach unten geht theoretisch immer, nach oben erfordert eine zusätzliche Ausbildung im Fachbereich. Selbstverständlich kannst du die nachholen aber das müsstest du eben auch.

    Abgesehen davon wird Inklusion in diese Richtung allein schon deswegen niemals passieren, weil es von uns in den meisten Fächern sowieso zu viele gibt. In Mathe, Physik und Französisch haben wir es bei uns im Schulhaus wahrhaftig schon erlebt, dass ausgebildete Sek I Lehrpersonen ranmussten und sie sind kläglich gescheitert. Die Fachausbildung ist wirklich unzureichend.

    Ich trinke Tee mit meinen Jugendlichen und fülle sie mit Brownies ab, wenn ich sie nach ner Prüfung erschlagen auf dem Fussboden vor meinem Schulzimmer finde. Das ändert nichts daran, dass am Ende der 4 Jahre die allgemeine Hochschulreife bzw. die Fachmaturität wartet, für die es gewisse intellektuelle Ansprüche zu erfüllen gilt. Wir sind am Gymnasium nicht die empathiebefreiten Arschlöcher, für die wir hier offenbar gehalten werden. Gerade meine Schule legt besonders viel Wert auf kulturelle Anlässe und Beziehungsarbeit. Unsere Schülerinnen und Schüler sind aber nachweislich nicht besser als an allen anderen Schulen im Kanton. Immerhin sind sie auch nicht schlechter trotz des ebenso nachweislich schlechtestem Einzugsgebiet im Bezug auf den Sozialstatus der Eltern.

    Danke dir. Vorschlag 1, 3 und 4 kann ich mit der Schülerin noch einmal besprechen, alles andere würde als Bevorteilung gegenüber dem Rest der Klasse gesehen. Vermutlich auch schon Vorschlag 3, aber da kann ich mich bei der Schulleitung mal erkundigen. Mich ärgert das schon lange, ich denke ich muss da echt mal ein Fass aufmachen.

    Bei uns gibt es keinen "zentral" organisierten Prüfungsplan. Ich setze meine Prüfungstermine selbst. Wenn also jemand 15 min mehr Zeit haben soll, muss ich selbst eine Aufsicht in einem separaten Raum organisieren. Ich habe in der aktuell fraglichen Klasse nämlich exakt 45 min Zeit und danach exakt 5 min um den Raum und das Unterrichtsfach zu wechseln. Die betroffene Schülerin kennt das Spiel bereits aus der alten Schule (sie wiederholt bei uns das Schuljahr und durfte auf Antrag das Schulhaus wechseln) und hat darunter nach eigenen Angaben mehr gelitten als davon profitiert.

    Schreiben auf Laptop und Ausdruck in Grossbuchstaben hatte ich auch schon, das ist einfach. Das spezielle Problem bei den ADSLern ist, dass die nach 15 min Prüfungszeit das Hirn abstellen und dann oft gar nichts mehr aufs Blatt schreiben. Mehr Zeit bringt's da also genau gar nicht. Kennt da jemand von euch alternative Massnahmen?

    Was mich übrigens richtig ankekst ist der "Einfallsreichtum" unseres schulpsychologischen Dienstes, wenn es um Nachteilsausgleiche geht. Wie sieht das denn bei euch so aus? Würde mich wirklich interessieren. Der SPD Baselland kennt nur einen Standard für jegliche Diagnose: Mehr Zeit bei Prüfungen. Ob und wie das überhaupt umgesetzt werden kann, interessiert keine Sau. Ich hatte als Klassenlehrperson mal ein Abklärungsgespräch für eine Schülerin, da bin ich echt sauer geworden als die anfingen mir zu erklären, wie meine Arbeit wohl aussieht. Die haben keinen Blassen und es interessiert sie auch nicht. Ob den Jugendlichen schlussendlich also geholfen ist, ist auch egal. Ich habe jetzt guerillamässig mit einer ADS-Schülerin für meinen Fachunterricht eine eigene Vereinbarung getroffen. Mal schauen, wie weit wir damit kommen und ob ihr das mehr bringt, was wir überlegt haben.

    Ich tippe bei meiner Kollegin auf irgendwas im emotional-sozialen Bereich, keineswegs eine Lernbehinderung, die ist irgendwas kurz vor der Hochbegabung. Ich habe sie nie gefragt, es ist mir ziemlich egal. Ich habe in meinen Klassen auch immer mal wieder SuS ehemals aus Kleinklassen, auch das erfährt man so beiläufig und es ist mir egal. Deswegen verstehe ich auch den ganzen Aufriss hier nicht. Es geht einzig um SuS mit kognitiven Einschränkungen deren Beschulung am Gymnasium vollkommen sinnbefreit ist.

    Zu deiner Frage: Natürlich ist das kantonal unterschiedlich. In Basel-Stadt gibt es das Konzept Kleinklasse gar nicht mehr, im Baselland werden SuS in der Mittelstufe nur noch im Leistungszug A in einer Kleinklasse beschult:

    https://www.baselland.ch/politik-und-be…nr%C3%BCckstand.

    Sprich Kleinklasse bedeutet automatisch, dass nach dem intellektuell schwächstem Niveau unterrichtet wird. Die Schlauen dürfen nicht neben der Spur unterwegs sein und wenn doch, werden sie neben 20 "normalen" Pubertieren einfach mitgeschleift. Vielleicht mit heilpädagogischer Unterstüzung, vielleicht steht aber auch nur eine ausgebildete Coiffeuse zur Verfügung, die auch mal was mit Kindern machen wollte.

    Ich kann nur weitergegeben, was ich von den KuK aus der Gewerkschaft höre: Die wollen alle das alte Kleinklassensystem zurück. Es profitiert niemand davon, jeden Förderbedarf auf Biegen und Brechen in Regelklassen zu beschulen.

    Viel Spass beim Lesen, Roger schreibt immer sehr unterhaltsam:

    https://lvb.ch/lvbinform/2022…sen-initiative/

    (Das Heft bietet noch einige Artikel zum Lehrpersonenmangel in der Region, die greifen das Thema der gescheiterten Inklusion auch noch mal sehr hübsch auf. Es ist wirklich unfassbar, was die KuK der Volksschulen jeweils an den KV-Sitzungen der Gewerkschaft erzählen. Ich sitze da mit meinen Luxusproblemen immer etwas kläglich daneben.)

    Sorry, dass ich da jetzt echt mal lachen muss. In den vergleichenden Bildungsstudien, du meinst vermutlich PISA, schneiden zuverlässig Länder wie China und Singapur am besten ab. Diese Länder sind ja international bekannt für ihre inklusiven Systeme und auch für ihr freundliches und integratives Menschenbild, gell? Ich frage mich bei PISA ja schon lange, warum ausgerechnet die Schweiz im Bereich Mathe immer so weit vorne liegt. Spricht nicht für den Standard, der da abgefragt wird. :rofl:

    hier wird nach wie vor die Haltung vertreten, Behinderte einfach an andere Schulformen abzuschieben und damit zu exkludieren

    Es ist übrigens interessant, dass die Befürworter*innen der Inklusion es regelmässig nicht schaffen die Begrifflichkeit zu differenzieren. Die Gymnasien exkludieren lediglich alldiejenigen von denen auszugehen ist, dass sie die allgemeine Hochschulreife nicht erreichen.

    Wie? Abschaffung der Profile? Bei uns hat jeder Schüler ab Klasse 5 einen anderen Stundenplan, andere Kollegen

    Das organisatorische Problem sind hier nicht die Profile. Ihr habt alles von der 5. bis zur 13. Klasse im Schulhaus. Wenn man nach Stufen trennt, hat man grössere Kohorten mit dem gleichen Profil un die Organisation wird sehr viel einfacher. Wirklich mühsam für unseren Stundenplaner wird es nur wenn es am Gymnasium nur eine Klasse mit Immersion gibt, dann sitzen da nämlich 5 verschiedene Profile drin. Das hatten wir bisher aber nur 2 x, dieses Jahr haben wir sogar eine Immersionsklasse sortenrein mit Profil B. Ich unterrichte übrigens in einer meiner Klassen im nächsten Semester 8 Wochenlektionen und bin nicht mal Klassenlehrperson. Gymnasium geht also auch ganz anders ;)

    h hatte neben den fachlichen Fehlern meiner Realschulkollegen das als das größte Problem bemerkt (eine nannte es geführt). Konkretes Beispiel, ich übernahm eine 9. Klasse Chemie. Ich erklärte chemisches Rechnen (Stöchiometrie) an einem Beispiel, gab Tipps zur allgemeinen Vorgehensweise und wollte, dass die Schüler an einem weiteren Beispiel (nur ähnlich) es selbst versuchten. Sie weigerten sich, die Aufgabe sei anders (stimmt), die Kollegin hätte es an der Tafel vorgerechnet, ich solle auch diese erklären, sie würden abschreiben und zuhause es lernen. Es kam regelrecht zum Aufstand. Aber so funktionieren "Textaufgaben" nicht.

    Auch meine FMS-Schülerinnen rechnen selbst. Sie üben häufiger den gleichen Aufgabentypus und besrimmte Transferausgaben machen wir gar nicht. Aber ich hample ihnen sicher nicht jede Aufgabe an der Tafel vor. Die Klassen sind viel heterogener als am Gymnasium. Es hat immer gute Schülerinnen, die anderen helfen können und ich kann mir die Zeit nehmen, bei den Schwächsten zu sitzen. Im Labor ist FMS Berufsfeld Gesundheit zuverlässig sehr viel selbständigiger und geschickter als Gymnasium Grundlagenfach. Das ist schon so wenn die aus der Mittelstufe zu uns kommen, der Leistungszug E hat nämlich hauptsächlich praktisch gearbeitet und hatte so gut wie gar keinen Theorieunterricht. Die kommen wenigstens nicht mit Falschinformationen, dafür können sie alle einen Bunsenbrenner bedienen.

    Was du schilderst ist nicht fachlich niveauloser Unterricht, das ist insgesamt schlechter Unterricht und offensichtlich nicht adäquat ans Zielpublikum angepasst. Die Arbeitsaufträge müssen so kleinschrittig und einfach formuliert sein, dass sie für die SuS ohne meine Hilfe lösbar sind.

    Gibt auch an den weiterführenden Schulen andere Konzepte. In Basel gibt es ein staatliches Gymnasium mit Blockunterricht. Muss halt organisiert werden. Es ginge vieles, wenn man wollte. Was für mich aber nicht diskutabel ist, ist die allgemeine Hochschulreife. Und ja, da stehen intellektuelle Kompetenzen absolut im Vordergrund.

    Nein, was ich zitiert habe ist eine erneute Bestätigung des Missverständnisses, nämlich dass du die russische Gesellschaft als moralisch verkommen bezeichnest und dass es 'gute' Individuen geben möge.

    Es fällt mir übrigens jetzt erst auf, dass du das Zitat mit Absicht um genau einen Satz gekürzt hast um mich noch mal angehen zu können. Das ist an Frechheit schon nicht zu überbieten. In diesem Sinne biste dann jetzt stumm gestellt.

    Der Verweis auf das StGB ist hier schon ziemlich drüber. Was eine strafbare Beleidigung genau ist entscheidet am Ende immer noch ein Richter und nicht das Lehrerforum. Wir diskutieren hier lediglich über Befindlichkeiten und explizite Schimpfwörter gegen andere User zu richten finde ich schon arg frech. Dass ein Gericht das überhaupt nur interessiert halte ich darüber hinaus für ausgesprochen unwahrscheinlich. Da hätten wir im laufenden Schulbetrieb aber arg viel zu tun.

    Ich’s geben weil viele von uns Gymlehrern auf sowas so gar keinen Bock haben

    Das glaube ich nicht. Ich schrieb bereits, dass an meiner Schule auch die Interessen der Lehrpersonen berücksichtigt werden und wir genügend KuK haben, die beide Schulniveaus unterrichten. Ich habe auch schon Berufsschule unterrichtet, dort von allen Ausbildungsberufen in der Chemie das tiefste Niveau mit SuS aus dem Niveau A, das entspricht der deutschen Hauptschule. Ich würde es absolut befürworten alle Mittelschulen unter einem Dach zu führen, sprich Berufsschule, kaufmännische Berufsschule, Berufsmaturität, Fach-/Informatik-/Wirtschaftsmittelschule und Gymnasium. Wir bekommen irgendwann in 5 - 6 Jahren einen neuen Schulcampus, auf dem zumindest alle diese Schulformen örtlich zusammen sind*. Leider wird es kein gemeinsames Kollegium und keine gemeinsame Schulleitung geben. Aber ein Schritt in die richtige Richtung ist es. Was ich ganz sicher nicht haben will ist alle SuS aus allen Niveaus in den gleichen Klassen. Davon profitiert niemand.

    Leider hat unsere ausbildende PH diesbezüglich einen grossen Schritt rückwärts getan, neuerdings *darf* ein Lehramtsanwärter nämlich nur noch 1 Praktikum an der FMS machen, der Rest *muss* am Gymnasium absolviert werden. Das ist eine ganz offensichtliche Geringschätzung der FMS und widerspricht zudem dem Ausbildungsziel, auf meinem Papierli steht nämlich "Eidgenössisches Lehrdiplom für Mittelschulen". Das meint ALLE Mittelschulen und nicht exklusiv das Gymnasium. Bösen Zungen zufolge liegt das daran, dass an der FHNW zu viele Deutsche rumstümpern, die das Schweizer Schulsystem nicht kennen.

    Ich persönlich bin also absolut für alle gemeinsam unter einem Dach. Allerdings differenziert, sinnvoll organisiert und mit entsprechenden personellen Ressourcen. Ferner finde ich die Trennung der Schulstufen, also Primar, Sekundar I und II sehr sympathisch. Die Pädagogik ändert sich vor allem mit dem Alter des Publikums und nicht so sehr mit dem Schulniveau. Ich hätte schlichtweg keine Lust auf Pausenaufsicht und all diesen Kram, der bei den Kindern einfach noch sein muss.

    *Ergänzung: Ich habe das ZBA vergessen, das sind die "Übriggeblieben" und die Integrationsklassen. Das wird der Traum der Inklusion :P

    Oder noch besser: weil es zu wenige Lehrer für Grundschulen gibt, werden einfach ein paar Grundschüler in eurer BK Klassen gesteckt

    Bei dem was manch einer hier so von sich gibt hoffe ich im Sinne der 6jährigen, dass das niemals passiert. Es heisst, die heulen wenn die Lehrperson an der Tafel einen Satz mit grüner Kreide unterstreicht und sie selbst keinen grünen Stift haben...

    (Ich bin mir sicher, ich würde selbst auch Kinder zum heulen bringen. Manchmal haben wir 14jährige in der 10. Klasse, die verstehen zuverlässig meinen Humor nicht.)

    Natürlich sind Aussagen wie "Ich will nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten." und "Ich will nicht mit Menschen mit Krebs arbeiten." problematisch

    Nein. Daran ist gar nichts problematich. Es ist auch nicht problematich zu äussern man möchte nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, man möchte nicht mit alten oder kranken Menschen arbeiten oder man möchte keine Brote backen. Es wäre problematisch zu äussern man findet Menschen mit Behinderung widerlich. Oder man möchte nicht mit Menschen mit Behinderung Bus fahren.

    Als Lehrperson arbeite ich übrigens sehr gerne mit Jugendlichen und ich arbeite auch mit körperlich behinderten Jugendlichen. Ich möchte aber nicht mit Kindern arbeiten und ich möchte nicht mit kognitiv eingeschränkten Jugendlichen arbeiten. Lasst das doch bitte einfach so stehen.

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