Beiträge von Quittengelee

    Ich möchte die SL nicht vor den Kopf stoßen.

    Ich finde den Weg, sich zu bewerben und nichts zu sagen definitiv den größten Stoß vor den Kopf. Geht m.E. überhaupt nicht. Vor allem, wenn du den Posten nicht bekommst, würde ich an dieser Schule auf nichts mehr hoffen.

    Edit: die Wahrscheinlichkeit, dass "die" sich alle kennen, bzw. das erste Telefonat sich nach deinem Bewerbungseingang an deine Schulleitung richtet, halte ich übrigens für äußerst groß.

    Ob du dich auf dem Dienstweg bewerben musst, weiß ich nicht. Das dürfte aber in der Stellenbeschreibung stehen.

    Mancher hier bewertet vielleicht auch seine Erfahrungen in der großen weiten Berufswelt etwas über.

    Und ganz pragmatisch: Als Lehrkraft mit 25 Pubertierenden vorwiegend aus der sozialen Unterschicht, muss man aller paar Minuten eine disziplinarische Entscheidung treffen. Wenn eine Regel lautet "Mützen ab", diskutiert man diese selbstredend nicht jeden Tag neu. Insofern ist auch ein 'Kopftücher bei Muslima ja, alles andere nein' eine zumutbare Sichtweise. Ich habe an einer Erziehungshilfeschule gearbeitet, da mussten die SuS ihre Kappen schon im Treppenhaus abnehmen. Kann man archaisch finden, denen tat vor allem gut, dass überhaupt jemand jeden Tag dasselbe gefordert hat.

    Vieles ist möglich und es darf gerne reflektiert werden. Das gilt aber für jeden. Man ist tatsächlich noch lange kein pullundertragender Antiquitätensammler, weil man seinen Schülern sagt, was man von ihnen erwartet.

    Mal was anderes: Meine Mutter musste in der Grundschule noch ein sauberes Taschentuch vorzeigen und mancherorts musste man die sauberen Fingernägel in der Schule präsentieren. Vielleicht sollte man das eher wieder einführen, ungepflegt zur Arbeit erscheinen, kommt auch nicht gut:grimmig:

    Aber im Ernst, sozioökonomisch oder auch psychisch bedingt sind unsere Jugendlichen manchmal so unhygienisch oder einfach fehlangezogen, dass ich mich frage, ob es uns als Lehrkräften zusteht, was dazu zu sagen oder eben nicht.

    Wir haben ja auch einen Erziehungsauftrag und wenn man über Verhütung und gesunde Ernährung spricht, darf man dann auch einer 14-Jährigen sagen, dass Strumpfhose ohne Rock mit sichtbarer Unterhose drunter nicht so vorteilhaft wirkt? Oder einem 15-Jährigen, dass 6 Monate lang nicht geschnittene Fingernägel mit abgebrochenen Rändern und Dreckansammlungen darunter manche Menschen anwidern? Und wie ist es mit Leopardendruck, bauchfrei und offensichtlich aus dem Waschkorb für Schmutzwäsche gezogen? Manchen kann ich wirklich nicht guten Gewissens zum Praktikum mit Kundenkontakt schicken. Andererseits, ist es meine Baustelle?

    Würde mich ehrlich interessieren, wie andere 'im Brennpunkt' das handhaben.

    Ich finde den Tip mit den Büchern zum ersten Semester sinnvoll. Bücher aus dem Einführungsseminar 'Algorithmentheorie' ausleihen und gucken, ob man mehr als Bahnhof versteht und auch Lust hat, sich durch mehr als das Inhaltsverzeichnis zu quälen.

    Es gibt für Mathe solche Tests, ob man verstandesmäßig eher geeignet ist oder eher nicht. Vielleicht gibt's sowas auch für Info?

    https://www.mathematik.uni-muenchen.de/studium/fachst…ttest/index.php

    Meint ihr die Einstellungschancen mit der Fächer-Kombi Französisch + Informatik sind einigermaßen solide.

    Ja, meine ich. Lehrer werden überall gesucht, mit Informatik sowieso, in B/Brandenburg schon dreimal. Und wenn du von Arbeitslehre sprichst, geht es um Sekundarschulen? Dann wirst du dir wahrscheinlich die Schule aussuchen können...

    Ob du Informatik schaffen kannst, kann ich nicht beurteilen. Ich denke aber, wer ernsthaft darüber nachdenkt, hat sich damit schon so weit auseinander gesetzt, dass es nicht ganz utopisch scheint.

    Arbeitslehre ist ja sehr praxisnah und die SuS machen das meist recht gerne. Es wird allerdings oft genug fachfremd unterrichtet und hat meiner Erfahrung nach nicht so den Stellenwert des ernstzunehmenden Faches. Wenn dir das wurscht ist, kann es definitiv auch Spaß machen und eine gute Nische in einer Schule sein, in der man sich einrichtet.

    Die Kindersprechstunde sieht so aus, dass mit den Kindern über deren Verhalten / Leistung gesprochen wird; deshalb wird sie tatsächlich dem Bereich "Sprechen und Zuhören" zugeordnet. Aber jeder Schüler ist pro Schuljahr nur 3x15 min anwesend.

    Mir scheinen alle 3 Monate 15 min individuelles Gespräch über den Lernstand recht effektiv zu sein. Für die Kinder. Für die Lehrkräfte scheint es mir recht entspannt zu sein, vor allem, wenn mehr Unterrichtszeit ausfällt als Einzelgespräche stattfinden. Ich würde also, wenn ich das monieren wollte, zumindest bedenken, dass du dir ins eigene Fleisch schneiden könntest, wenn du die Vorgehensweise anprangerst. Vielleicht fällt dem Schulleiter ein, dass die bewährte Kindersprechstunde beibehalten wird und in den Nachmittagsbereich zu verlegen ist, um den Stundenplan zusätzlich wieder komplett mit 7 Stunden Deutsch zu befüllen?

    Ich habe eben die unicef-Fotos des Jahres gesehen...

    https://www.spiegel.de/ausland/unicef…03-7d253c22c4cc

    Ich habe im Laufe des Jahres immer wieder Artikel dazu gesammelt, ballspielende Kinder mit ihren Lehrern in U-Bahnschächten in Kiew, geflohene Kinder mit Schulbüchern auf Liegen in überfüllten Turnhallen, Mädchen in Afghanistan, die heimlich beschult werden. Ich finde das sehr bewegend, kann gerade keine passenden Worten finden.

    Jedenfalls wollte ich euch teilhaben lassen, liebe Kolleg*innen. Es wird in Industrienationen manchmal vergessen, wie bedeutsam ist, was ihr tut.

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