Beiträge von Quittengelee

    Zitat

    Anscheinend reichte es ja schon, eine Abordnung an eine Förderschule als "Zumutung" zu beschreiben.

    Die Unmöglichkeit, ein passendes Äquivalent für eine andere Schulform zu schreiben zeigt, wie menschenfeindlich diese Aussage ist.

    'Es ist eine Zumutung für Jugendliche verantwortlich zu sein, die das Abitur anstreben.' Echt jetzt?

    Erstens gibt es allein in Sachsen 7 verschiedene Forderschultypen, von 'der Förderschule' zu reden zeugt einfach nur von einer diffusen Angst, ohne Bereitschaft dazu, sich 5 min damit auseinanderzusetzen, was genau man meint, wenn man "Behinderte sind mir nicht zuzumuten" quakt .

    Und zum zweiten waren wir vor ein paar Jahren tatsächlich an einem Punkt, dass nicht weniger als die United Nations den Begriff der 'Inklusion' salonfähig gemacht hatten. Und bitte an dieser Stelle keine Diskussion über die Bedingungen der Inklusion, das wurde tausendfach durchgekaut. Was entscheidend ist: wagte man das Gedankenexperiment, dass das Förderschulsystem abgeschafft würde, säße tatsächlich in allen Klassen der Querschnitt der Bevölkerung und der ist nunmal männlich, weiblich, divers, dunkelhäutig, hellhäutig, dick, dünn, asozial, teamfähig und auch mit funktionierendem Hörnerv oder ohne.

    Allein die Tatsache, dass Kinder in Deutschland mit Sehbeinträchtigungen in einer Schule unterrichtet werden und welche mit Sprach- und Sprechstörungen in einer anderen ist kein Anlass dafür, dass man es einer Lehrkraft nicht zumuten kann, dort zu unterrichten. Kinder sind wie sie sind und der Umstand, sie nach Einschränkungen aufzuteilen hat rein praktische Erwägungen. Es bedeutet nicht, dass andere Leute ein Recht darauf hätten, nichts mit ihnen zu tun zu haben.

    Und ja, ich finde die oben genannte Sichtweise (Wortwahl ist ja nur ein Medium für die Sichtweise) menschenverachtend.

    Ich kann den Frust gut nachvollziehen und ich bitte mal die ganzen Kolleg:Innen die sofort „behindertenfeindlich“ rufen, von ihrem hohen Ross herunterzukommen.

    Wenn du den Strang verfolgt hast, hast du sicher festgestellt, dass nicht "sofort" irgendwer irgendwas gerufen hat, sondern dass es um bestimmte Aussagen ging. Also bitte etwas differenzierter, oder findest du folgende Aussage angemessen?: Ich bitte die Kollegen, die sofort "Cancel culture!" rufen, von ihrem pikierten Pfau runterzusteigen:gruss:

    Amtsangemessenheit kann sich doch nicht ausschließlich an der Gehaltsstufe festmachen und Qualifikation vollkommen ignorieren. Sorry, aber das finde ich absurd. Dann fände ich eine A13er Stelle in der Verwaltung ebenso amtsangemessen - dafür fehlt mir ggf. zwar auch die Qualifikation, aber macht ja scheinbar nichts.

    Macht ja wirklich nichts, sind doch immer wieder Stellen ausgeschrieben bzw. Abordnungen zu vergeben. Woher sollen Lehrkräfte dafür die Qualifikation haben?

    Ich kann gerne den ganzen Text zitieren, wenn es dir etwas gibt.

    Es geht dir nicht darum, ob eine Kollegin irgendwas falsches unterrichtet haben mag und welche Gründe es dafür gab. Zum Beispiel ob sie vielleicht fachfremd unterrichtet hat oder was auch immer. Du hast behauptet, an einer anderen Schulart zu unterrichten wäre generell fatal, weil Realschulkollegen Blödsinn erzählen würden.

    Und zum Thema Selbständigkeit, natürlich versucht man die an allen Schularten zu erreichen. Ich habe einen Kollegen vom Gymnasium an einer Grundschule unterrichten sehen und es war katastrophal. Aber nicht, weil alle Gymnasialkollegen nicht in der Lage wären, in einen Grundschullehrplan zu schauen, sondern weil er keinen Bock auf die Abordnung hatte.

    Ob Abordnungen an andere Schularten besser sind als Unterrichtsausfall, weiß ich nicht. Mich ärgert diese Arroganz, Leute, die ihr Fach im Realschullehramt studiert haben, als Volldeppen hinzustellen.

    Die Didaktik ist völlig verschieden.

    Nein, das ist sie nicht. Ich habe mit Referendar*innen gearbeitet und die Didaktik unterscheidet sich nicht grundlegend. Was du meinst, ist vielleicht der pädagogische Umgang.

    Im übrigen mag man sich nach ein paar Jahren an der Realschule an ein anderes Niveau gewöhnen, zu behaupten, Realschulkolleg*innen würden prinzipiell etwas fachlich Falsches unterrichten finde ich an Arroganz kaum zu überbieten. Wäre aber nicht das erste Mal, dass du so etwas von dir gibst. Aber wehe, jemand sagt dir, dass du einen Fehler machst8_o_)

    Nein Quittengelee, es ist auch eine vernünftige Begründung zu sagen, dass man keine Lust darauf hat. Das habe ich nicht studiert und es würde mich totunglücklich machen.

    Wenn du mir sagen könntest, was "das" meint, könnten ich und andere dich sicher verstehen. Muss natürlich nicht sein, aber es scheint dir irgendwie wichtig zu sein.

    Ich sehe gerade, CDL hat alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt.

    Frohen vierten Advent :weihnachtsmann:

    Es ist schriftlich an die SL gegangen von der Bezirksregierung, dass die kurzfristigen Abordnungen zum 1.2. das Ziel haben, sie um 1.8. in Versetzungen übergehen zu lassen.

    Das ist allerdings krass, ich dachte, es geht um Abordnungen. In dem Fall würde ich schauen, ob die Rechtslage nicht eine andere ist als zur Abordnung. Was sagt deine Gewerkschaft?

    2) Zu den Kriterien schrieb ich im anderen Thread schon was (Lohnt sich Anstrengung…): ich zB war in den letzten Jahren nie krank, habe diverse Sonderaufgaben übernommen, war immer zu Aufsichten, Konferenzen etc. da, hatte keine Ansprüche an den Stundenplan, bin für die Schule zu Facharbeitskreisen und Ringsitzungen gefahren und danach zum Unterricht...

    Du hast meines Erachtens ein verzerrtes Bild der Situation. Es ist normal, Unterricht und Aufsichten zu machen und ob man krank oder gesund ist, bedarf keiner Belohnungen, das ist halt einfach wie es ist. Und Sonderaufgaben übernimmt man freiwillig, du hättest es theoretisch auch lassen können. Es gibt, wie mehrfach geschrieben, keine Belohnung für Einsatz und nur in seltenen Fällen Beförderung.

    Dass das enttäuschend ist, verstehe ich durchaus, schrieb ich auch in dem anderen Thread. Allein deine Sichtweise darauf und dein Umgang damit ändern deine Zufriedenheit, denn die Umstände änderst du nicht.

    Und wenn es so sein sollte, dass persönliche Gründe diese Versetzung begünstigt haben sollten (dich der Schulleiter offenbar loswerden will, weil 5 andere Kollegen ebenso infrage gekommen wären) würde ich mir sowieso überlegen, ob ich noch Bock auf diese Schule hätte.

    Man sieht es doch ganz eindeutig, die Kollegen, die jetzt in der Grund-und Förderschule arbeiten finden das alles ganz toll und sehen kein Problem in der Abordnung.

    Demgegenüber stehen vorrangig Kollegen aus dem BK/WBK oder der Sek2 am Gymnasium, die mit Recht kein Interesse an der Förderschule haben.

    Um das Wort auch zu verwenden, ich finde es ist eine Sauerei, dass man das nicht so sagen darf.

    1. Nö, hier findet niemand irgendwas ganz toll. Präzisiere einfach deine Aussagen so, dass sie nicht missverstanden werden, sollte doch als Mensch mit Uniabschluss möglich sein.

    2. Kein Interesse an einer bestimmten Schulart mit einer vernünftigen Begründung für eine individuelle Einschätzung ist etwas anderes als das, was du hier mehrfach geschrieben hast.

    Zu 3. muss man nichts sagen und ich denke, du weißt das auch.

    Natürlich nicht. Wie viele Zahnärzte machen das wohl? Wie viele Ärzte engagieren sich bei "Ärzte ohne Grenzen"? Sind alle, die das nicht tun, automatisch menschenfeindlich oder wenigstens arrogante Arschlöcher?

    Wenn mir ein Zahnarzt sagen würde, es sei eine Zumutung, Menschen mit Behinderung zu behandeln, dann ist das natürlich menschenfeindlich, wie würdest du das nennen?

    Tatsächlich sind nur KuK zur Abordnung ausgewählt worden, die keinen GdB haben, dafür aber volles Deputat, Eingangslehramt haben und nicht im Lehrerrat sind.

    Was würdest du denn vorschlagen, wer abgeordnet werden soll? Die Kriterien scheinen mir schon vernünftig zu sein und durchaus objektiv.

    Ich hab keine Ahnung, ob die Abordnerei Sinn ergibt, weil jedes Jahr an einer anderen Schule ein Loch ist, das gestopft werden muss. Aber da dieses Prinzip existiert, tut das Land doch gut daran, es so sozial vertraglich wie möglich zu machen. Solange einer jung, gesund und ohne Familie ist, kann man ihm zumuten, ein oder zwei Jahre an einer anderen Dienststelle zu arbeiten. Dass das individuell doof sein mag kann sein, das ist aber der Deal des Beamtentums.

    Ich möchte Informatik und Englisch unterrichten, auch gerne im Leistungskurs (da es bei uns außer mir nur eine andere Person gibt, die Informatik unterrichtet, hatte ich auch schon zwei Informatik Leistungskurse gleichzeitig). Im Fach Englisch macht mir Grammatik- und Lektüreunterricht besonderen Spaß.

    Das gibt es an einer Förderschule, egal mit welchem Förderschwerpunkt, aber alles nicht.

    Das ist schon mal falsch. Natürlich gibt es Förderschulen, an denen SuS unterrichtet werden, die das Abitur anstreben. Aber prinzipiell ist die Aussage 'ich möchte meine Fächer auf einem bestimmten Niveau unterrichten etwas ganz anderes als die Aussage "mit Kindern zu arbeiten, die eine Behinderung haben, ist eine Zumutung."

    Nein, das meine ich nicht. Ich meine, dass ich eine solche Ausbildung schon gar nicht hätte machen wollen. Ich hätte auch nicht Medizin studieren wollen, mich graust bei dem Gedanken an anderen Leuten rumdrücken oder gar irgendwelche Körperöffnungen inspizieren zu müssen. Ich glaube kaum, dass mir deswegen jetzt jemand eine grundsätzliche Menschenfeindlichkeit unterstellen würde. Aber wehe, es geht um Kinder mit Förderbedarf, dann ist es ganz hässlich zu artikulieren, man möchte mit denen nicht arbeiten.

    Komische Vergleiche, aber dann bitte so: Wenn du Zahnärztin wärst und würdest sagen, es sei eine Zumutung, Menschen in einer Wohngruppe die Zähne zu behandeln, wäre das genauso unreflektiert, natürlich.

    Darin besteht per se keine Abwertung, außer eben in unglücklicher Formulierung und vielleicht darin, dass die Verfasser solcher Aussagen nicht sprachsensibel genug waren, um einzusehen, dass man über Altersgruppen anders schreiben kann als über Menschen, die seit sehr langer Zeit mit Ausgrenzung und Diskrimnierung zu kämpfen haben.

    Eben, unreflektiert halt. Zunächst. Aber nun ist es ja erklärt worden und offenbar auch kein Interesse da, daran etwas zu ändern und das ist dann eben schon gruppenbezogen menschenfeindlich.

    Als ich mich fürs Studium für Gymnasiallehramt entschieden habe, habe ich beschlossen, dass ich nicht mit kleinen Kindern oder Behinderten arbeiten möchte.

    Der Satz ist einfach unreflektiert. Dass du lieber mit Kindern ab 10 als mit Kindern ab 6 arbeiten wolltest, kann ja sein. Aber dass du es für unzumutbar hältst, mit Menschen zu arbeiten, die eine Behinderung haben ist leider tatsächlich menschenfeindlich. Mit fällt auch kein Beruf ein, indem man von vorneherein ausschließen könnte, mit Behinderung in Kontakt zu kommen und das ist auch gut so. Davon abgesehen finde ich es auch schade, dass du über rudimentäre Berührungsängste nicht hinausgekommen bist, aber damit stehst du leider nicht allein.

Werbung