Beiträge von Quittengelee

    Zu anekdotischer Evidenz hätte ich noch beizutragen, dass ich an einer Erziehungshilfeschule eine Klasse kennengelernt habe, deren Lehrerin konsequent mit Wochenplänen und Freiarbeit arbeitet. Es war die angenehmste Klasse von allen, weil die SuS auf den Stoff und ihre Pläne konzentriert waren und nicht als erstes in Konfrontation mit der jeweiligen Lehrkraft gegangen sind. Also was ich definitiv sagen kann, ist, dass natürlich auch psychisch Kranke, Unkonzentrierte und Milieuschwache in der Lage sind, den eigenen Lernstoff in den Griff zu kriegen, wenn die Lehrkraft ihn gut aufbereitet und strukturiert. Es macht aber eine Menge Arbeit.

    "Selbstlernen" ist ja nun kein definierter Begriff. Es gibt aber durchaus konkret umrissene Konzepte, deren Effektivität von Psycholog*innen nachgewiesen wurde.

    Zu Hattie, der hat halt auf umstrittene Weise Effektstärken miteinander verrechnet. Aber er wurde auch falsch wiedergegeben und der eine oder andere selbsternannte Bildungspapst hat sich einfach Aspekte rausgepickt, die seinen schon vorhandenen Vorstellungen entsprachen. Den Fehler begehen aber auch andere Menschen, haben wir ja erst kürzlich im anderen Thread bezüglich Naturwissenschaften gehabt. Nur weil jemand eine Erkenntnis gewinnt, muss er/sie nicht automatisch richtig zitiert und verstanden werden.

    Der Ausgangspost dient ja dazu, eine Diskussion anzuregen. ;)

    Und deswegen darf man plakativ sein?

    Bezogen auf Hattie: Wenn man nur auf die "Zahlen" aus seiner Studie schaut, würde die Klassengröße keine große Auswirkung auf den Lernerfolg der Kinder haben.

    Ganz so einfach ist es nicht, aber ja, ob 25 oder 30 Kinder da sitzen, macht keinen Unterschied für den Lernerfolg. Es macht aber einen Unterschied für die Arbeit der Lehrkräfte und die sollten auch nicht ganz vergessen werden.

    Ich finde, dass wir uns gerade auch mit der "Boulevardpresse" beschäftigen müssen. Die gängigen Meinungen im öffentlichen Diskurs sollte man nicht ignorieren, nur weil sie einem nicht wissenschaftlich genug erscheinen.

    Wisenschaftlich genug erscheinen? Das schreibt ein*e Kolleg*in mit Universitätsabschluss?

    Mich nervt es, wenn nicht mal unter pädagogischen Fachleuten Interesse daran besteht, Pädagogik als Wissenschaft zu betrachten und ein 'diese Selbstlernerei macht Egoisten' als Diskussionsgrundlage in den Raum zu stellen. Unterricht und sein Erfolg ist sehr individuell, weil er mit Menschen und von Menschen gemacht wird. Er ist aber nicht beliebig.

    Edit: und natürlich hat immer die Grundschule Schuld.

    Guten Morgen,

    als Konrektorin an einer Grundschule unterrichtest du mir vollem Deputat (28 Std.) aber immer noch zwischen 25 und im günstigsten Fall 22 Stunden.

    Zudem sollst du als Konrektorin, respektive Schulleitung auch dazu in der Lage sein Unterricht zu bewerten und weiterzuentwickeln. Und man hat auch eine Vorbildfunktion, wenn es um Implementierung zB. neuer digitaler Methoden etc. geht. Ich (und auch die Schulrätin bzw. die Dozentinnen auf meiner O.-Fobi) fanden da die eigene Unterrichtsqualität durchaus wichtig.

    Die ganzen Kompetenzen, die ich als SL zusätzlich brauche, muss ich mir jetzt durch "über die Schulter schauen" aneignen und in der SLQ sind die natürlich auch vorrangiges Thema.

    Gruß Lamy

    Jaja, schon klar, aber ist dir klar, dass du den Schulleiter vdrtrittst, wenn er krank ist? Unterrichten und Unterricht bewerten scheint mir doch das kleinste Problem zu sein und der Schwerpunkt des Verfahrens scheint trotzdem wie eine kleine Refprüfung zu sein. Wahrscheinlich nehmen auch noch ehemalige Lehrer diese ab, die seit 20 Jahren im Amt arbeiten?

    Du bist dafür ja überhaupt nicht verantwortlich, aber mir erklärt sich gerade einiges.

    Also, ich finde den Vergleich zwischen Akten in Behörden und Klausuren weniger peinlich als die Dramatisierung unserer Arbeit, indem hier von sterbenden Kindern gesprochen wird.

    Nein, da hast du mich falsch verstanden oder ich mich unglücklich ausgedrückt. Mir ging es um den Vergleich der Arbeitsbedingungen (auch Zeit) im Verhältnis zum Gehalt. Wenn du deine Arbeit mit einem Behördenmitarbeiter vergleichst, dann bitte für E9. Dann sind alle Aufgaben schlicht, in absehbarer Zeit geschafft und der Urlaub ist Urlaub, genau 30 Tage.

    Mitarbeiter im Jugendamt verdienen ebenfalls schlechter als wir und haben Garantenpflicht, also mehr Verantwortung. Der Vergleich hinkt also ebenso.

    Und zur 17. Klausur, was bringt es denn dem Deutschkollegen, wenn er erst Montag weiterkorrigiert, wenn dann die nächste Klausur ansteht? Es wird doch nicht weniger Arbeit. Vielleicht müssten Korrekturfachlehrkräfte weniger Unterrichtsstunden haben, das kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist m.E. niemandem geholfen, wenn zur Arbeit noch die Zeit der Dokumentation der Arbeitszeit kommt. Es kann doch keine Überraschung mehr sein, wie lange unsere Arbeitsprozesse zu dauern haben.

    Ich will mich eben gerade nicht rechtfertigen müssen. Warum andere das wünschen, verstehe ich immer noch nicht.

    Meine Schulzeit lief nach diesen Büchern (und den zugehörigen Lehrplänen). Da lebe ich heute noch davon.

    Nimms mir nicht übel, aber gerade deine Rechtschreibung ist sehr individuell. Außerdem will ich nicht nur den ideologischen DDR-Ballast aus den damaligen Schulbüchern nicht mehr, sondern auch die ganze Mentalität von Gewalt und Drill. Da können die Leistungen noch so super gewesen sein.

    ...und habe ebenfalls das Gefühl, dass insbesondere "Selbstlernkonzepte" für leistungsschwache und unorganisierte Kinder genau das Falsche sind, da sie dadurch überfordert werden oder sich eher dem Ganzen entziehen können.

    Definiere 'Selbstlernkonzept' und ob dein 'Gefühl' auf lediglich einem Focusartikel beruht? Du bist ja frei, mit deinen Schülern frontal zu arbeiten und mehr zu üben, wenn das eher deiner Vorstellung von gutem Unterricht entspricht.

    Formative Assessment zum Beispiel ist ganz hervorragend wirksam und beruht auf konkreter, individueller Rückmeldung und nicht auf stark gelenktem Gleichschritt.

    Die Diskussion wäre interessant, wenn sie auf empirischen Belegen fußen würde.

    Dann wäre sie ja kein Aufhänger für die Boulevardpresse :prost:

    Ich finde die Vergleiche mit anderen Berufen ja immer eher peinlich. Vor allem, wenn man sich mit Leuten vergleicht, die in Behörden arbeiten oder beim Frisör. Lasst unser hartes Leben doch mal mit Ärzt*innen vergleichen, die auf der Kinderstation regelmäßig 12 Stunden am Stück arbeiten und zwar auch deswegen, weil Kinder sterben können, wenn sie es nicht tun oder einen Fehler machen.

    Zitat

    "Dauerkrank" bedeutet, dass die Kollegin über einen langen Zeitraum von einem Arzt krankgeschrieben wurde. Der wird das wohl nicht nur basierend auf "Ich will aber Klasse X nicht unterrichten! *wütend aufstampf*" gemacht haben. Sollte es da also tatsächlich einen kausalen Zusammenhang gegeben haben zwischen der Deputatsplanung und der Erkrankung und nicht nur einen zufälligen zeitlichen Zusammenhang, dann würde ich über psychische Belastungen bzw. Überlastungen nachdenken, wie Burnout. Eventuell war die Deputatsverteiltung nur der Tropfen, der das innere Fass zum Überlaufen gebracht hat..

    Dass gerade du, Susannea, diesen Beitrag verwirrend findest, wo du laufend schreibst, wie du dir deine Stundenpläne zusammenwünschst einforderst, wundert mich wiederum.

    Hashimoto interessiert beim Amtsarzt wohl kaum, man ist ja irgendwann eingestellt und dann beeinträchtigt einen die Erkrankung nicht sonderlich. Bei derlei Erkrankungen sind eher die privaten Krankenkassen hellhörig, weil Folgekosten durch Komorbiditäten nicht ganz unwahrscheinlich werden, davon gibt es eine ganze Reihe.

    Ich habe mir die "Nur-Anstellung" ja immerhin ausgesucht...

    Kann man ja auch machen, aber in 10 oder 20 Jahren, wenn man erkrankt ist und nach 6 Wochen nur noch Krankengeld bekommt oder wenn man sich den Rest des Lebens ärgert, weil der Nachbar mehr verdient, wäre es keine gute Lösung. Eine Kollegin, die nie mit dem Angestelltenstatus gehadert hatte, wird fast krank davon, dass es plötzlich allen Kollegen ermöglicht wurde und sie 2 Jahre 'zu alt' dafür war. Der direkte Vergleich kann einen verbittern lassen.

    Klingt irgendwie etwas plan- und hilflos. Wer wertet das Ganze Verfahren eigentlich nach welchen Kriterien aus?

    Wenn ich sehe, was unsere Schulleitung leisten muss, dann ist eigener Unterricht sowieso zweitrangig und auch deswegen nebensächlich, weil man das Können schon x Dienstjahren vorher mit dem 2. StEx bewiesen hat. Und Konferenzen abzuhalten kann man sich nun wirklich selbst aneignen.

    Aber wie behält man den ganzen Laden im Blick? Wie organisiert man effektiv? Wie gibt man Geld vernünftig aus? Wie spricht man mit Kolleg*innen? Wie berät man? Wie löst man Konflikte? Wie geht man mit Kollegen um, die einen nerven? Und wie mit solchen, die große Probleme in den Klassen haben? Wie reagiert man auf Druck von Vorgesetzten? Wie schafft man den Spagat zwischen allen Konflikten, die an einen herangetragen werden? Wie schläft man trotz allem ruhig?

    Es ist wirklich enttäuschend für dich, dass du abgeordnet werden sollst, gerade wenn du viel für deinen Arbeitsort gemacht hast. Deine Arbeit muss sich gerade beliebig anfühlen, denn du kannst offenbar einfach so ersetzt werden. Ob du dich anstrengst oder nicht, die Besoldung bleibt gleich. Dein Arbeitgeber kann dich beliebig versetzen, wie einen Soldaten in eine andere Einheit, 0815 sozusagen. Oder?

    Oder ist es vielmehr so, dass an der anderen Schule großer Mangel herrscht und man froh um deine Mitarbeit dort ist? Werden sich deine Schülerinnen und Schüler noch in 30 Jahren an deine AG erinnern, in der du etwas Interessantes vermittelt, ein neues Hobby bei dem einen oder anderen wachgerufen, etwas von dir persönlich mit eingebracht hast? Bist du wichtig für deine Schüler*innen gewesen?

    Und mit 10 Jahren Berufserfahrung kannst du bestens unterscheiden, wann und wie man mit Lehrbuch guten Unterricht macht und welche Aspekte wirklich wichtig sind, auch dass bisherige Projektwochen oder laminierte Stationen nicht umsonst waren.

    Ich glaube, wer Anerkennung in diesem Beruf sucht, geht irgendwann krachen. Kaum Schulleitungen und schon gar nicht Behörden werden deine Stärken je benennen oder sich gar bedanken für das, was du leistest. Einmal im Jahr kommt vielleicht noch ein Rundschreiben mit Weihnachtsgruß vom Kultusminister, aber da fühlt sich wohl kaum einer persönlich angesprochen...

    Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich mache, wozu ich Lust habe bzw. Lust auf das habe, was ich machen muss. Dann macht es mir Spaß und ich weiß auch, dass es meinen Anvertrauten etwas bringt und zwar genau in dem Moment für diese Menschen, mit denen ich zu tun habe und nicht für einen Fresskorb zum 25. Dienstjubiläum. Und am Ende werde ich ja auch gut bezahlt für die Arbeit, auch fürs Biokabinettaufräumen und zwar durchgängig, auch wenn ich länger krank bin oder wegen einer Pandemie oder Inflation andere um ihre Stelle bangen.

    Übersehe ich da was?

    Ja und ich denke, wenn die Enttäuschung verfliegt, siehst du es auch wieder :)

    Wenn eh klar ist, dass 120 min zu viel sind, braucht doch niemand mehr Zeit erfassen. Wo ist der Sinn? Nur um sich zu beweisen, dass man ineffizient ist? Oder der eigenen Schulleitung nachzuweisen, dass man schon ganz viel macht?

    Umgekehrt wird doch ein Schuh draus. Ich hatte mal Streit um zu verfassende Fachtexte im Arbeitskontext. Da war ich froh, dass festgelegt war, wie viele Zeitstunden das zu dauern hat, weil ich dann sagen konnte, dass ich nicht nochmal und nochmal und nochmal etwas daran zu ändern bereit bin, nur weil jemandem persönlich etwas nicht gefiel. Das war mein Schutz vor den sonderbaren Ansprüchen anderer. Hätte ich nur erfasst, dass ich 30 statt 20 Stunden gebraucht habe, weil die Formatierung 6x geändert werden sollte, dann hätte ich das Problem selbst gehabt, die 10 Stunden kann man ja mit den Ferien verrechnen usw. usf.

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