Zu anekdotischer Evidenz hätte ich noch beizutragen, dass ich an einer Erziehungshilfeschule eine Klasse kennengelernt habe, deren Lehrerin konsequent mit Wochenplänen und Freiarbeit arbeitet. Es war die angenehmste Klasse von allen, weil die SuS auf den Stoff und ihre Pläne konzentriert waren und nicht als erstes in Konfrontation mit der jeweiligen Lehrkraft gegangen sind. Also was ich definitiv sagen kann, ist, dass natürlich auch psychisch Kranke, Unkonzentrierte und Milieuschwache in der Lage sind, den eigenen Lernstoff in den Griff zu kriegen, wenn die Lehrkraft ihn gut aufbereitet und strukturiert. Es macht aber eine Menge Arbeit.
"Selbstlernen" ist ja nun kein definierter Begriff. Es gibt aber durchaus konkret umrissene Konzepte, deren Effektivität von Psycholog*innen nachgewiesen wurde.
Zu Hattie, der hat halt auf umstrittene Weise Effektstärken miteinander verrechnet. Aber er wurde auch falsch wiedergegeben und der eine oder andere selbsternannte Bildungspapst hat sich einfach Aspekte rausgepickt, die seinen schon vorhandenen Vorstellungen entsprachen. Den Fehler begehen aber auch andere Menschen, haben wir ja erst kürzlich im anderen Thread bezüglich Naturwissenschaften gehabt. Nur weil jemand eine Erkenntnis gewinnt, muss er/sie nicht automatisch richtig zitiert und verstanden werden.