Alles anzeigenNatürlich ist die Aussage pauschal, weil wir ja auch über eine große recht heterogene Gruppe reden.
Handfeste Probleme bei Hörschädigung:
- Geeigneter Klassenraum mit verringerter Nachhallzeit (eigentlich müsste das in jedem Unterrichtsraum der Fall sein!)
- Richtiger und nicht-missbräuchlicher Einsatz der Hilfsmittel (Lehrermikrofon + Schülermikrofone) durch Lehrer UND Schüler.
- Beschluss eines passenden Nachteilsausgleichs und seine Durchführung. Insbesondere in den Fremdsprachen ist das ein Problem.
Ich wüsste da ganz oft, welchen Nachteilsausgleich ein Schützling bräuchte bzw. wie ich das bei uns an der Förderschule umsetzen würde. Das ist dann häufig aber praktisch nicht umsetzbar. So müsste der Hörverstehenstext bei einer hochgradigen Schwerhörigkeit von einem vertrauten Sprecher vorgesprochen werden. Oder man müsste die Möglichkeit haben, selbstständig zurückzuspulen oder es häufiger als der Rest zu hören. Wer soll das wo (und evt. auch wann) machen, während die Klasse in einem anderen Raum sitzt? Beim Abspielen einer Audiodatei steht kein Mundbild zur Verfügung. Eine Lehrerin zeigt ganz oft Filme zum Sprachverständnis, aber die Untertitel fehlen.
Ein Hörgeschädigtenpädagoge könnte Diktate zweitkorrigieren, um Hörfehler zu identifizieren, die dann aus der Wertung genommen werden. Dafür muss ich aber auch Rückfragen können, ob das nicht genau irgendwann mal Lerninhalt war. Das habe ich erst einmal getan, aber auch nur, weil ich zufällig nach einem Diktat im Lehrerzimmer dieser Schule saß.
Ich könnte noch ein bisschen weiterschreiben, was die verschiedensten Spezialfälle mit ihrer jeweiligen Hörschädigung gut gebrauchen könnten. Das sollen alles keine Vorwürfe sein, dass nicht richtig gearbeitet wird. Verschiedene Menschen haben auch verschiedene Talente und auch Belastungen, so dass sie priorisieren müssen. De facto läuft es dann meistens auf eine Mischung aus "Friss oder stirb" und Auge zudrücken hinaus. Ich kann's verstehen und würde es vermutlich auch nicht anders machen.
Danke, dann verstehe ich, wie du das meinst. Aber letztendlich tatsächlich auch irgendwie mangelnde Ressourcen dann.
Ich arbeite in einer Maßnahme mit einer Förderschulkollegin zusammen, und immer wieder bewundere ich ihr Fachwissen. Da denke ich dann immer: wenn unsere speziellen Kinder nicht nur in dieser zeitlich begrenzten Maßnahme, sondern dauerhaft diese Unterstützung hätten, und wenn eine solche Unterstützung nicht nur unsere besonderen Kinder, sondern alle (Grund)Schüler bekommen könnten, dann könnten wir auch die basalen Kompetenzen wie gefordert auf- und ausbauen. Aber das bleibt Wunschdenken - genauso wie der Weg zurück zu Förderzentren mit Klassen für die SuS, die davon tatsächlich mehr profitieren würden als von der Inklusion…