Meine Gedanken dazu:
Ich glaube, der Unterschied von „früher“ und „heute“ ist, dass - zumindest bei meinen Eltern, die noch im Krieg geboren waren - Schulbildung noch elitärer war. Meine Mutter z.B. durfte für ihre Kriegswitwenmutter nach Klasse 9 (oder 8?) nicht weiter zur Schule gehen, obwohl ihre Lehrerin das empfohlen hatte. Abitur zu machen war noch etwas Besonderes, der Standard war die Volksschule. Die Menschen waren damals aber ja nicht „dümmer“, oder lebensunfähig, sie hatten eben nur weniger Schulbildung. Damit waren sie durchaus in der Lage, ihren Kindern Stabilität, geregelte Tagesabläufe vorzuleben. Die Generation Mütter der 60er war im Westen eben häufig die Hausfrauenmuttergeneration, die Mittags zu Hause war, ordentliches Essen kochte, Werte vermittelte usw. Höhere Schulbildung war häufig ein Bonus, den viele Frauen nicht genossen, weil ihre Familien das nicht als sinnvoll erachteten, nicht weil die eigene Intelligenz nicht reichte. Und Männer wählten häufig einen Handwerksberuf, das war was Solides und man lag den Eltern finanziell nicht auf der Tasche, wie die, die studieren gingen. Damals war ein Ausbildungsberuf aber auch etwas Wert, man konnte eine Familie dacon ernähren und man war angesehen.
Heute ist das Abitur trotz allem schon leichter zugänglich, wenn auch immer noch zu sehr abhängig vom Elternhaus, und die Quote ist ja auch viel höher, und das wohl nicht, weil die Menschen alle so viel intelligenter geworden sind. Nur die Schere geht immer weiter auseinander. Diejenigen, die keine Unterstützung haben ( und zwar nicht was das Fachliche angeht, sondern was die Basics der Erziehung angeht, und die haben eigentlich nicht unbedingt primär etwas mit dem Schulabschluss zu tun sondern sind eine Frage der eigenen Sozialisierung), die befinden sich eben generationenmäßig in einer sozialen Abstiegsspirale. Denen fehlt es an Bildung, und sie geben das und ihre negativen Erfahrungen mit Schule und Gesellschaft an die Kinder weiter usw.
Und da muss natürlich eigentlich Schule/Kita ansetzten und das an Erziehung auffangen und das an sozialen Basics aufarbeiten, was nötig ist, um die benachteiligten Kinder unserer Gesellschaft abzuholen.
Nur: Wie soll das möglich sein, bei dem Mangel an Personal und der großen Zahl derer, die eben diese Basics nicht haben?
Das dramatische ist ja, dass es sich noch weiter verstärken wird, je länger es dauert, bis Personal vorhanden ist - eine Spirale nach unten…