Die Anzahl der Wochenstunden in Mathe kann ein Vor- und Nachteil sein. Kommt man mit einer Klasse gut zurecht, möchte man so viele Stunden wie möglich darin unterrichten. Gibt es Schwierigkeiten mit der Klasse, wäre man froh, wenn man darin nicht vier Stunden über ein Schuljahr, sondern nur zwei Stunden für ein Halbjahr hätte.
Außerdem kann man in Langfächern nicht so schnell alle Stufen kennenlernen wie in Kurzfächern. Wenn man nach 8 Jahren zum ersten Mal in der 7. Klasse eingesetzt wird, muss man sich dort wie ein Anfänger einarbeiten. Kann in Mathe schneller als in Bio passieren.
Dennoch würde ich eher zum Kurzfach noch ein Langfach nehmen, denn dadurch hat man die Möglichkeit, Klassenlehrer mit zwei Fächern und dadurch mehr Stunden zu werden. Außerdem hat ein Langfach oft auf dem Zeugnis bei der Versetzung eine höhere Stellung (Hauptfach vs. Nebenfach), so dass dieses Fach von den Schülern eher noch ernstgenommen wird.
Ich verstehe aber nicht, woher die Annahme kommt, dass die Korrekturbelastung in Mathe geringer sein soll als in anderen Fächern (in der Oberstufe). Liegt es daran, dass Schüler dort weniger Text schreiben? Dem stimme ich zwar zu, aber auch nur, weil die Schüler eine Zeichensprache anwenden sollen, die Sprache auf das Nötigste reduziert. Was Schüler nicht davon abhält, alle Zeichen schön durcheinanderzubringen oder Argumentations- und Rechenfehler in jeder zweiten Zeile einzubauen. Und dann sitzt man eben an einer Aufgabe, deren Lösung vielleicht eine halbe Seite einnimmt, genausolange, als hätte man zwei Seiten Fließtext vor sich. Dazu sind die Abiaufgaben so kleingehäkselt, dass man sich gar nicht richtig in eine Schülerlösung reinlesen kann:
Ein niedersächsisches Abitur in Französisch sieht üblicherweise so aus:
Text 1, Aufgabe 1.1, Aufgabe 1.2, Aufgabe 1.3
Text 2, Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2, Aufgabe 2.3
Der Schüler wählt zwischen Text 1 und 2 aus und bearbeitet alle drei Aufgaben dazu.
In Mathe sieht es dagegen so aus:
Hilfsmittelfreier Teil Aufgabe 1a, 1b, Aufgabe 2a, 2b, Aufgabe 3a, 3b, 3c, Aufgabe 4a, 4b, Aufgabe 5
Aufgabe 1 (Analysis):
Aufgabe 1A: 1A.a1, 1A.a2, 1A.a3, 1A.b1, 1A.b2, 1A.c1, 1A.c2
Aufgabe 1B: 1B.a1, 1B.a2, 1B.a3, 1B.a4, 1B.b1, 1B.b2, 1B.c
Aufgabe 2 (Stochastik/Statistik)
Aufgabe 2A: 2A.a1, 2A.a2, 2A.a3, 2A.b1, 2A.b2
Aufgabe 2B: 2B.a1, 2B.a2, 2B.b1, 2B.b2, 2B.c
Aufgabe 3 (Lineare Algebra/Analytische Geometrie)
Aufgabe 3A: 3A.a1, 3A.a2, 3A.a3, 3A.b1, 3A.b2
Aufgabe 3B: 3B.a1, 3B.a2, 3B.b, 3B.c1, 3B.c2
Der Hilfsmittelfreie Teil ist für alle verpflichtend, anschließend wählt jeder Schüler zwischen 1A und 1B und bearbeitet alle Teilaufgaben dazu, dann zwischen 2A und 2B, dann zwischen 3A und 3B. Und als Lehrer darf man dann alle Aufgaben korrigieren. Jede Teilaufgabe hängt natürlich nur im Sachzusammenhang (oder selbst damit nicht) mit der vorhergehenden zusammen. Ein richtiger Flow kann darin nicht entstehen. Schön, wenn man so ein Fach mit richtigem Fließtext hätte, um mal etwas zusammenhängender zu lesen. (Ich kenne die Französischkorrektur im Abi. Die ist durch die zusätzliche und gehäufte Korrektur der Orthographie-, Wortschatz- und Grammatikfehler genauso aufwändig. Jedoch wechselt der Sachzusammenhang nicht andauernd.)
Ich kenne mich mit dem Biologie- und Chemie-Abitur nicht aus, genauso wie Firelilly und wollsocken sich nicht mit dem Mathe-Abitur auskennen. Ich möchte nur davor warnen, die Korrekturen in Mathe zu unterschätzen. Die Korrekturen sind in Oberstufe in jedem Fach aufwändig.
Mich persönlich würde eher der ständige Auf- und Abbau von Experimenten mit dem anschließenden Reinigen verrückt machen. Da korrigiere ich lieber einen Vokabel- oder Kopfrechentest mehr! 
À+