Lehrerkinder...
Da kann ich nur Bastian Bielendorfers "Lehrerkind"-Programme empfehlen (Buch oder Bühne) Es ist so unglaublich zutreffend. 
All das, das ich schreibe, ist übrigens meine Wahrnehmung (als Kind oder auch als Erwachsene) und kein Dogma.
Ich bin doppeltes Lehrerkind.
Und ich muss sagen, dass ich immer noch dabei bin, die Muster von früher abzulegen, die ich durch diese Konstellation erlangt habe.
Vorerst: ich habe meine Eltern lieb und sie mich. Ich bekomme schon immer jegliche Unterstützung, die ich mir wünschen kann und meine Geschwister ebenso. Wir können auf ein sicheres Zuhause zurückblicken und darauf, dass meine Eltern IMMER für uns da waren. Immer. Dafür sind wir alle sehr dankbar.
Leider hat das "Lehrer-Gen" halt ordentlich in der Erziehung zugeschlagen.
Für meine Eltern hat Leistung sehr stark gezählt, zudem galt das, was sie für uns als richtig erdachten, als Gesetz. Kein Rauskommen, kein Durchkommen. Nicht immer einfach.
Wir sind drei Kinder und haben das jedes auf seine Weise erlebt, aber alle drei gleich negativ, trotz liebevoller Umgebung, trotz sicherem Zuhause.
Näher möchte ich da nicht drauf eingehen.
Ein kleines Beispiel: ich kam aus der vierten Klasse mit dem ersten Halbjahreszeugnis nach Hause. Ich war Einserschülerin, aber irgendwo gab es immer EINE Zwei. Irgendwo schlich sie sich immer rein - immer woanders. Ich kam heim, meine Mutter nahm das Zeugnis entgegen und fragte mich: "Und? Wo ist die Zwei diesmal?" - für sie ein "harmloser Witz", für mich brach damals die Welt zusammen, dass ich trotz guter Leistungen immer noch nicht genügte und diese eine Zwei mehr im Fokus stand als die restlichen Einser, wie die letzten Zeugnisse auch. Kinder nehmen einfach anders wahr - und darauf muss man wirklich achten, egal, ob man Lehrkraft in der Schule ist oder privat daheim.
Wenn man das Gefühl hat, nur dann wirklich geliebt und akzeptiert zu sein, wenn man überall die Beste ist, dann ist das sehr anstrengend. Mittlerweile haben wir da oft drüber geredet und auch vieles geklärt. Meine Eltern waren sehr gute Lehrkräfte, beide waren beliebt und respektiert und vor allem sehr geduldig und wertschätzend mit ihren Schüler*innen. In unserer kindlichen Wahrnehmung haben sie das aber leider in der Schule gelassen. "Was andere denken" war enorm wichtig - wir waren insgesamt stark reglementiert und auf Außenwirkung getrimmt. Und wenn ich in Mathe wieder einmal geträumt hatte und mein Vater (Mathelehrer) mir das hinterher erklären musste, kam meine Mutter nach 5 Minuten rein: "Nun schrei doch das Kind nicht so an!"
Mein Dad verstand einfach nicht, warum seine eigene Brut seine Gedankengänge nicht sofort verstand. Etwas, bei dem seine Klassen seine komplette Geduld geschenkt bekamen.
Ich habe meine Eltern wirklich sehr lieb, wir sind uns mittlerweile wieder sehr nah, nachdem ich in der Pubertät still und leise alles geschluckt habe, um ein "gutes Kind zu sein" und erst danach, als ich auszog, mehrere Wochen "Elternpause" gemacht habe, was ihnen sehr weh getan hat - und ich bin auf einem langen Weg der Reflexion und Vergebung, weil sie wirklich nur das Beste wollten. Aber es ist immer und immer wieder auch jetzt noch zu erkennen, dass Muster noch nicht ganz repariert sind. Dauert eben.
Kommt natürlich auch stark auf die Kinderseele an. Ich war immer hochsensibel, habe immer gleich die Fehler bei mir gesucht etc - meinen Selbstwert habe ich erst im Erwachsenenalter ausbauen können. Andere Kinder, die da nicht so empfindlich sind, fühlen das vielleicht anders, keine Ahnung.
Lehrerskinder, Pfarrers Vieh...man kennt den Spruch ja - und SO falsch isser nicht, meiner Wahrnehmung nach, auch wenn es wunderbare Ausnahmen gibt, wie ich bei einer Kollegin und ihrer Familie sehen kann.