Beiträge von Kairos

    Das ist natürlich jetzt auch nur anekdotisch, aber vielleicht ist es für den ein oder anderen hier interessant: Ich arbeite an einem beruflichen Gymnasium und seit der Pandemie hat sich die Situation merklich verändert.

    Die SuS kommen immer noch mit guten bis sehr guten Noten aus der Realschule und in der Eingangsklasse läuft es in der Regel noch gut. Klar, der Niveauanstieg ist da und viele merken das auch, was in den ersten Monaten zu ein paar Notenabfällen führt – aber in der Eingangsklasse ist das noch völlig normal und nicht weiter problematisch, da viele sich erst an das Gymnasium gewöhnen müssen.

    Das eigentliche Problem zeigt sich erst in den Jahrgangsstufen. Da kommen dann plötzlich die ganzen Lücken richtig zum Vorschein und wir verlieren fast die Hälfte eines Jahrgangs. Von vier Klassen, die wir zu Beginn hatten, sind zum Ende hin nur noch zwei übrig.

    Die Gründe dafür sind vielseitig, aber meiner Beobachtung nach hat das wenig mit der Intelligenz der Schüler zu tun. Vielmehr kommen viele mit dem Druck nicht klar. Sei es aufgrund von Lücken (die teilweise pandemiebedingt sind), psychischen Belastungen, fehlender Motivation, Prokrastination oder einfach, weil sie das Abitur nur anstreben, weil sie nicht wussten, was sie sonst machen sollen, aber nicht wirklich dahinterstehen.

    Ich sage nicht, dass alle meine Schüler super schlau sind, aber auf den Kopf gefallen sind sie auch nicht. Die, die scheitern, tun dies aber meist aus den genannten Gründen und nicht, weil sie grundsätzlich weniger fähig wären. Viele interessieren sich auch einfach nicht für die Inhalte der Oberstufe, auch wenn sie prinzipiell fähig wären, zumindest eine befriedigende Note zu schreiben, wenn sie denn lernen würden. Es ist diese Orientierungslosigkeit, die dazu führt, dass sie scheitern. Verschenkte Noten gibt es bei uns an der Schule (zum Glück) keine. Wer sich nicht anstrengt, schafft es in der Regel auch nicht.

    Mein Lehrerdasein ist mein Job, um Geld zu verdienen. Mein eigentliches Leben findet aber abseits dieses Jobs statt und der Fokus liegt auch ganz klar darauf, alles, was den Job betrifft, möglichst effizient zu gestalten, so dass ich Zeit für wichtigere Dinge habe.

    Eben. Ich dachte eigentlich auch, dass das selbstverständlich sei, aber viele KuK sehen das anders, was für mich ok ist, wenn ich nicht dafür verurteilt werde, dass ich das anders sehe. Ich wurde einmal von einer Kollegin schräg angeguckt, weil ich gesagt habe, dass die Arbeit zweitrangig ist für mich. Wenn ich irgendwann auf dem Sterbebett liege, werde ich nicht bereuen, dass ich nicht mehr Zeit in die Unterrichtsvorbereitung meines Abikurses gesteckt habe.

    Im Vergleich finde ich den Beruf schon ok, aber wenn ich nie wieder 30 Abiturprüfungen mit einer sehr knappen Deadline korrigieren müsste (so wie dieses Jahr), dann wäre ich nicht traurig. Es ist halt meine Arbeit, die ich (gut) mache, weil ich Geld brauche. Natürlich freut es mich auch, wenn meine SuS durch mich etwas lernen und erfolgreich sind. Aber die Arbeit kann auch sehr frustrierend sein, vor allem diese elendige Korrektur, die gar keinen Spaß macht, führt häufig dazu, dass ich meine Berufswahl hinterfrage. Aber ich komme am Ende trotzdem immer zum Ergebnis, dass das Lehramt von allen Optionen, die ich (realistischerweise) habe, die beste für mich ist.

    Hallo zusammen,

    ich bin normalerweise eher ein stiller Mitleser, aber jetzt habe ich eine Frage, zu der mich eure Meinungen und Erfahrungen interessieren.

    Ich unterrichte an einer beruflichen Schule in Baden-Württemberg, an der unter anderem der Ausbildungsgang zur Erzieherin/zum Erzieher angeboten wird. In diesem Bildungsgang ist das Fach "Religionslehre/Religionspädagogik" ein Pflichtfach, ohne die Möglichkeit, auf ein Ersatzfach auszuweichen.

    In den letzten Jahren habe ich zunehmend mitbekommen, dass sich unter den Schülerinnen und Schülern Frustration breitmacht. Während einige den Religionsunterricht durchaus schätzen, würden viele lieber das Ersatzfach "Ethik und Moralerziehung" belegen. Ethik ist in BW für diesen Ausbildungsgang jedoch nicht vorgesehen. Allerdings gibt es an unserer Schule Ethik in anderen Bildungsgängen (z. B. am Beruflichen Gymnasium), aber eben nicht für die angehenden Erzieherinnen und Erzieher. In Bayern hingegen gibt es das Ersatzfach Moralerziehung/Ethik.

    Meine Schülerinnen und Schüler haben mich gefragt, ob und wie man sich für eine Änderung einsetzen könnte. Ich bin mir aber unsicher, ob das realistisch ist. Deshalb meine Frage an euch: Wie würdet ihr vorgehen, um die SuS zu unterstützen?

    Dieser Thread soll übrigens kein Angriff auf den Religionsunterricht sein. Ich denke nur, dass meine SuS ein Recht auf eine Alternative haben.

    Ps: Mir ist bewusst, dass das Thema Religion hier im Forum immer wieder zu heißen Diskussionen geführt hat. Ich würde mich aber freuen, wenn ich für mein konkretes Anliegen eure Ansichten bekommen könnte.

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