Das ist natürlich jetzt auch nur anekdotisch, aber vielleicht ist es für den ein oder anderen hier interessant: Ich arbeite an einem beruflichen Gymnasium und seit der Pandemie hat sich die Situation merklich verändert.
Die SuS kommen immer noch mit guten bis sehr guten Noten aus der Realschule und in der Eingangsklasse läuft es in der Regel noch gut. Klar, der Niveauanstieg ist da und viele merken das auch, was in den ersten Monaten zu ein paar Notenabfällen führt – aber in der Eingangsklasse ist das noch völlig normal und nicht weiter problematisch, da viele sich erst an das Gymnasium gewöhnen müssen.
Das eigentliche Problem zeigt sich erst in den Jahrgangsstufen. Da kommen dann plötzlich die ganzen Lücken richtig zum Vorschein und wir verlieren fast die Hälfte eines Jahrgangs. Von vier Klassen, die wir zu Beginn hatten, sind zum Ende hin nur noch zwei übrig.
Die Gründe dafür sind vielseitig, aber meiner Beobachtung nach hat das wenig mit der Intelligenz der Schüler zu tun. Vielmehr kommen viele mit dem Druck nicht klar. Sei es aufgrund von Lücken (die teilweise pandemiebedingt sind), psychischen Belastungen, fehlender Motivation, Prokrastination oder einfach, weil sie das Abitur nur anstreben, weil sie nicht wussten, was sie sonst machen sollen, aber nicht wirklich dahinterstehen.
Ich sage nicht, dass alle meine Schüler super schlau sind, aber auf den Kopf gefallen sind sie auch nicht. Die, die scheitern, tun dies aber meist aus den genannten Gründen und nicht, weil sie grundsätzlich weniger fähig wären. Viele interessieren sich auch einfach nicht für die Inhalte der Oberstufe, auch wenn sie prinzipiell fähig wären, zumindest eine befriedigende Note zu schreiben, wenn sie denn lernen würden. Es ist diese Orientierungslosigkeit, die dazu führt, dass sie scheitern. Verschenkte Noten gibt es bei uns an der Schule (zum Glück) keine. Wer sich nicht anstrengt, schafft es in der Regel auch nicht.