Auffällig ist speziell auch der Umgang mit dem Thema Rassismus, bei dem N4T eben diesen reproduziert und statt ihre Leserschaft zum gemeisnamen Kampf gegen Rassismus zu beschwören, aktiv an der Spaltung derselben arbeitet:
Die Redaktion ignoriert, nein negiert alltägliche und im Gros aller möglichen Wissenschaftsdisziplinen akzeptierte Definitionen von Rassismus per se, bspw. die diesbzgl. exemplarische Definition der American Psychological Association (APA), die Rassismus als "a system of structuring opportunity and assigning value based on phenotypic properties" definiert, "which ranges from daily interpersonal interactions shaped by race to racialized opportunities for good [...] resources", also "a form of prejudice" ist, ergo ein Phänomen, "that generally includes negative emotional reactions to members of the group, acceptance of negative stereotypes, and racial discrimination against individuals" etc.
N4T vertritt demggü. eine Rassismusdefinition, die ausschl. strukturellen Rassismus (eigtl. eine Subkategorie von Rassismus allgemein) überhaupt(!) als Rassismus behauptet. Begründungen für diese vermeintl. arbiträre, aber in einigen einschlägigen Filterblasen (aus ideologischen Gründen) verbreitete Einschränkung bietet die Redaktion, die den Rassismusbegriff zudem ostentativ nicht definieren will, nicht.
Alles an Phänomenen, welche bspw. die Definition der APA zweifelsfrei erfüllen, sei allenfalls (und nichtmal unbedingt rassistische) Diskriminierung, N4T unternimmt also mind. eine objektiv kriterienlose Dichotomisierung in einerseits (strukturellen) Rassismus, den sie als einzige Rassismusform behauptet, und andererseits (rassistische) Diskriminierung, die sie als Nichtrassismus verklärt. Rassismus sei immer Diskriminierung plus Macht (ohne das Proponenten dieser Formel, z.B. N4T, den Machtbegriff irgendwie elaborieren, geschweige denn reflektieren würden), Opfer von Rassismus könnten ausschl. "bestimmte Bevölkerungsgruppen" sein, wie sie ominös formuliert.
D.h. Opfer von (strukturellem) Rassismus könnten laut N4T keine Menschen werden, welche die Redaktion homogenisierend als "Weiße" (was auch immer diese konkret sein mögen, kontemporären ideologischen Diskursen folgend 'liest' sie bisweilen auch Menschen 'nichtweißer' Hautfarbe etc. als "Weiße" etc.) bezeichnet: Die Redaktion verneint dabei so kategorisch wie realitätsfern, dass "Weiße" irgendwie, irgendwo, irgendwann Opfer von (strukturellem) Rassismus sein könnten, selbst wo sie de facto auch aktuell und auch in 'weißen' Mehrheitsgesellschaften in Situationen, wo ein situatives Machtungleichgewicht zu ihren Ungunsten herrscht, strukturell rassistisch diskriminiert werden können (bspw. wo Ihnen wegen ihres 'Weißseins' Gewalt angetan wird o.ä.); die Redaktion behauptet: "Selbstverständlich können Weiße in Deutschland individuell benachteiligt, beleidigt oder gemobbt werden. Sie können aber nicht Opfer von Rassismus werden – sie haben aufgrund ihrer Erscheinung keine Nachteile bei der Wohnungssuche, noch bei der Kreditvergabe, noch bei der Arbeitsplatzsuche. Rassismus ist etwas anderes als Mobbing." Damit relativiert N4T Rassismus (was sie kurioserweise ihren Gegenrednern vorwirft).
N4T betreibt i.d.S. ausdrücklich auch sog. positiven Rassismus, indem Sie Menschen, die sie aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe essenzialisiert (was per definitionem rassistisch ist), infolge ihrer Herkunft ("Migranten") bzw. phenotypischen Merkmale u.ä., d.h. alle "[n]ichtweißen" Menschen, von bestimmtem Fehlverhalten kategorisch(!) ausnimmt: Rassistisch könnten sich immer nur "Weiße" ggü. "Nichtweißen" verhalten, selbst Rassismus der einen gegenüber den anderen "Nichtweißen" sei unmöglich.
Entsprechend negiert die Redaktion die Existenz eines Rassismus gegen "Weiße" kategorisch und bemüht das framing, entsprechende Feststellungen, die diesem Unsinn widersprechen, als rechtsradikale bzw. -extreme Narrative (insb. derjenigen der AfD) zu verklären: Wer Rassismus nicht ausschließlich(!) als strukturellen Rassismus definiere und korrekterweise feststelle, dass Menschen jeder Hautfarbe, also auch "Weiße" bpsw., Opfer von Rassimus werden können, mache "damit Rassismus 'nur' zu einem Allerweltsproblem – ganz im Sinne der AfD. Alle strukturellen Benachteiligungen, die Migranten in Deutschland erleben – und die Rassismus im Wesentlichen ausmachen -, werden damit negiert." Gleichzeitig bemüht N4T auch hier Strohmänner, macht aus der nüchternen Feststellung, dass de facto jeder Opfer von Rassismus werden kann, die Behauptung, dass Rassismus qualitativ und quantitativ "alle gleichermaßen" beträfe. Auch hier werden Kommentare, die Stimmen von Wissenschaftlern zitieren, die erläutern, dass "Weiße" natürlich Opfer von Rassimus sein können und oftmals auch sind, Stimmen aber, die garantiert unverdächtig sind, rechtsradikale bzw. -extreme Narrative zu verbreiten oder AfD-Sympathisanten zu sein, z.B. von Pierre-André Taguieff, Pooja Sawrikar, Ilan Katz, Laurent Bouvet oder Daniel Sabbagh, erst gar nicht veröffentlicht.
Statt entsprechendem Widerspruch argumentativ zu begegnen, übt sich die Redaktion also in unlogischen Schwurbeleien (insb. ad hominem), so sei die vorgenannte Feststellung etwa "Täter-Opfer-Umkehr, weil Migranten damit ja auch zu rassistischen Tätern erklärt werden" (was die Redaktion kategorisch ausschließt), "Unsinn", würde "Rassimus wegdefinier[en]", "Rassismus-Opfer lächerlich mach[en]", "denn wenn jeder Opfer von Rassismus werden kann […], muss das dann wohl bedeuten, dass sich diskriminierte Bevölkerungsgruppen, nämlich vor allem Schwarze und Muslime, das Phänomen wohl einbilden oder, schlimmer noch, selbst Schuld sind." Letztlich versucht sich die Redaktion damit, ihren Rassismus in Antirassismus und tatsächlichen, ubiquitären und konsequenten Antirassismus zum Rassismus umzudeuten.
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