Beiträge von Denkfabrik

    Hi, vielen Dank für die vielen Nachrichten. Das hat mich wirklich sehr aufgebaut. Ich denke, ihr habt recht, dass auch meine hohe Verfügbarkeit ein Teil des Problems ist. Leider hat uns die Schulleitung mitgeteilt, dass wir verpflichtet sind, einmal pro Tag, und zwar morgens, unsere E-Mails zu überprüfen. Dennoch habe ich für mich beschlossen, künftig nicht mehr direkt auf alle Mails zu antworten, sondern bewusst etwas Zeit verstreichen zu lassen.

    Ich glaube außerdem, dass ein zentrales Problem an meiner Schule darin liegt, dass vor allem die Schulleitung den Eltern immer alles recht machen möchte. Wenn eine Schule insgesamt so auftritt, spiegelt sich das letztlich auch in der Haltung und Resonanz bei den Lehrkräften wider.

    Gleichzeitig merke ich, dass ich mir wohl ein dickeres Fell zulegen muss, um die ganze sinnfreie Kritik nicht so sehr an mich heranzulassen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ich denke, das braucht einfach noch etwas Zeit. Ihr habt mir mit euren Nachrichten sehr geholfen :)

    Hallo Kolleginnen und Kollegen,

    es ist mal wieder so weit. Elternmails landen in meinem Postfach. Dieses Mal wird offenbar mein pädagogisches Handeln hinterfragt. Worum es genau geht, ist nicht ganz klar, vermutlich um die neue Sitzordnung in der Klasse.

    Dabei geht es mir weniger um einzelne Themen, sondern um die ständige Kritik. Sei es bei Noten, bei pädagogischen Entscheidungen oder bei organisatorischen Fragen.

    Statt das Wochenende zu genießen sitze ich wieder da und ärgere mich, weil erneut Probleme an mich herangetragen werden. Häufig wirkt es wie Meckern auf hohem Niveau. Eine Klassenarbeit ist schlecht ausgefallen, Person X möchte nicht neben Person Y sitzen oder es gibt andere Einwände. Das kostet Kraft. Man kann es nicht allen recht machen, und oft entsteht der Eindruck, dass Eltern ihr Kind um jeden Preis verteidigen.

    Ich bin erst seit zwei bis drei Jahren im Beruf und kann mittlerweile nachvollziehen, warum viele Kolleginnen und Kollegen berichten, wie belastend der Umgang mit permanenter Kritik sein kann. Man bemüht sich, guten Unterricht zu gestalten, und trotzdem wird jede Entscheidung sofort hinterfragt. Kritik kann berechtigt sein, keine Frage, aber der Ton spielt dabei eine große Rolle. Auch wir sind nur Menschen.

    Oft wird aus meiner Sicht zu schnell reagiert. In Elterngruppen schaukeln sich Situationen hoch, ohne zu berücksichtigen, dass Schwierigkeiten auch beim Kind selbst liegen können. Kaum ist eine Sitzordnung eingeführt, werden bereits Sonderwünsche geäußert. Dabei wurden die Plätze nicht ohne Grund verändert. Wenn darauf eingegangen wird, entsteht schnell der nächste Konflikt, weil sich dann wieder alle umsetzen möchten.

    Auffällig ist, dass Probleme häufig außerhalb des eigenen Kindes verortet werden. Andere Kinder lenken ab, die Situation ist ungünstig oder das Kind sitzt unglücklich. Selten wird abgewartet oder zunächst ein sachliches Gespräch gesucht. Stattdessen entsteht schnell eine vorwurfsvolle Stimmung. Es wird gefragt, wie das sein kann, warum etwas so läuft und was man sich dabei gedacht hat. Zwischen den Zeilen steht dabei oft der Vorwurf mangelnder Kompetenz.

    Diese Entwicklung belastet mich zunehmend. Inzwischen ist mir, obwohl mir die Klasse lange sehr am Herzen lag, der Spaß am Unterrichten, besonders in dieser Klasse, weitgehend verloren gegangen. Ich unterrichte mit dem Gefühl, jederzeit mit der nächsten Beschwerde rechnen zu müssen, unabhängig davon, welche Entscheidung getroffen wird. Das hat dazu geführt, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, ob ich diesen Beruf langfristig weiter ausüben möchte oder kurzfristig die Reißleine ziehe und bereits am Montag das Gespräch mit der Schulleitung suche, um über eine Kündigung zu sprechen.

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