Beiträge von Kirschpflaume

    Hallo RayondeSoleil,

    bin gerade über deinen Beitrag gestolpert. Ich bin ebenfalls Referendarin im ersten Jahr und konnte mit Einigem, das du beschreibst, gut mitfühlen. Die Perspektive von "Quittengelee" halte ich für sehr gesund und hilfreich. Auch wenn das oft als "Normalzustand" deklariert wird: Angstzustände, anhalte körperliche Stressreaktionen o.ä. sollten eben NICHT normalisiert werden. Zu dem Hinweis bzgl. Therapie und Beratungsstelle möchte ich noch den Impuls geben, dass die Bundesländer auch Supervisionsstellen haben, an die man sich richten kann. In Bayern ist das z. B. "LehrKraftStärken", etwas Vergleichbares gibt es bestimmt auch in NRW.

    Ansonsten: Auch ich habe das Gefühl, dass die Hauptarbeit zu Beginn dieses Berufes ist, sich abzugrenzen. Sei es von Erwartungen und/oder Perfektionismus anderer, vom Vergleich mit Mitrefis, von den eigenen Zweifeln und Gedankenkreisen usw. Die Anforderungen sind enorm und es muss nicht ohne Hilfe gehen!
    Ein letzter Gedanke, der mir manchmal hilft, ist, dass es Zeit braucht, in eine Rolle/Aufgabe hineinzuwachsen. Eine Lehrerin hat es mal mit einem Mantel verglichen, den man jeden Morgen überzieht. Er hat viele Taschen und Fächer, die zunächst wenig gefüllt sind. Am Anfang ist er noch ungetragen und daher fühlt er sich steif, unflexibel und schwer an. Sich darin zu bewegen, ist vielleicht zunächst schwerfällig und möglicherweise zwingt er einen auch erstmal in die Knie. Mit der Zeit passt sich das Material jedoch immer mehr dem eigenen Körper und den eigenen Bewegungen an. Die Taschen füllen sich mit Werkzeugen, die man mit der Zeit auch immer schneller am richtigen Ort findet, austauscht, verwirft, wieder aufnimmt etc. Und wenn er an manchen Tagen zu schwer wird, lässt man ihn morgens hängen und bleibt zuhause, um sich auszuruhen. So versuche ich, das Lehren und pädagogische Handeln als Handwerk zu internalisieren. Den EINEN Weg gibt es oft nicht, das ist für mich auch oft schwer auszuhalten, da auch ich mich viel hinterfrage und überreflektiere. Aber wie jedes Handwerk ist auch dieses erlernbar! Es braucht Zeit.

    Ich hoffe, das war noch ein wenig hilfreich. Ich wünsche dir alles Gute!

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