Beiträge von Kokosnuss26

    Hallo zusammen,

    ich plane einen Unterrichtsbesuch im Fach Geschichte (Gym, Sek I) zur Einführung in die „Goldenen Zwanziger“ der Weimarer Republik und würde mich über eine kurze (fach-)didaktische Einschätzung freuen.

    Die Stunde ist in eine Reihe eingebettet, die zuvor das Krisenjahr 1923 sowie die anschließende Stabilisierung (u. a. Dawes-Plan, Verbesserung des Lebensstandards) behandelt hat. Der UB soll die „Goldenen Zwanziger“ nicht abschließend bewerten, sondern als problemorientierten Einstieg dienen, an den anschließend vertiefende Stunden zu Themen wie „Neue Frau“, Jugend, Kino oder Bauhaus anschließen.

    Im Zentrum der Stunde steht die Frage: Wie „golden“ war das Großstadtleben der 1920er Jahre wirklich?
    Als Einstieg nutze ich Otto Dix’ „Großstadt“: Zunächst sehen die SuS nur den Mittelteil (Tanz, Vergnügen, Großstadtglanz), wodurch ein positives Bild entsteht, das an die Stabilisierung nach 1923 anschließt. Im Anschluss wird das gesamte Triptychon gezeigt, wodurch durch die Randfiguren (u. a. soziale Schattenseiten) eine Irritation entstehen soll und die Leitfrage entwickelt wird.

    In der Erarbeitungsphase arbeiten die SuS mit zwei kontrastiven zeitgenössischen Textquellen:
    Hannes Meyer (1926) beschreibt die Großstadt als dynamische „Neue Welt“ voller Technik, Tempo und Aufbruch, während Franz Hessel (1929) die Schattenseiten der Stadt, insbesondere Armut und Mietskasernen, thematisiert. Textquellen aus der Perspektive der marginalisierten Gruppen habe ich leider nur aus ländlichen Gebieten, nicht jedoch aus der Großstadt Berlin gefunden; daher auch die literarische Quelle von Hessel, die jedoch einen authentischen Bericht liefert. Die SuS erschließen arbeitsteilig die jeweilige Darstellung der Großstadt und formulieren anschließend ein gemeinsames Zwischenurteil zur Leitfrage.

    In der Sicherung werden die beiden Perspektiven gegenübergestellt („Aufbruch“ vs. „Schattenseiten“). In der Vertiefung erfolgt der Rückbezug auf Dix: Die SuS prüfen, inwiefern das Bild diese Gegensätze verdichtet und beurteilen dabei die Ambiguität in der Bezeichnung "Goldene Zwanziger".

    Ich freue mich über eure Kommentare, insbesondere auch zur didaktischen Stringenz und zur Quellenwahl.

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