Beiträge von brauche123

    Hallo zusammen,

    ich hoffe, dass ich hier vielleicht auf Menschen treffe, die selbst Zweifel am Lehramt hatten, den Schuldienst verlassen haben oder sich nach dem Lehramtsstudium beruflich neu orientiert haben.

    Ich habe im vergangenen Jahr meinen Bachelor of Education in Englisch und Geschichte für Gymnasien und Gesamtschulen mit der Note 1,9 abgeschlossen. Das Studium und insbesondere meine beiden Fächer haben mir grundsätzlich viel Freude bereitet. Gleichzeitig war das Studium sehr theoretisch und bot mir nur wenige Möglichkeiten, den tatsächlichen Schulalltag kennenzulernen.

    Mein einziges längeres Schulpraktikum fand bereits im zweiten Semester während der Coronazeit an einem Berufskolleg statt. Aufgrund der besonderen Bedingungen und der teilweise recht erwachsenen Schülerschaft hatte ich damals nicht das Gefühl, einen realistischen Eindruck vom späteren Berufsalltag an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule zu erhalten.

    Bereits während des Studiums hatte ich immer wieder Zweifel, ob der Lehrerberuf tatsächlich der richtige Weg für mich ist. Da mir die fachlichen Inhalte Spaß gemacht haben und ich mein Studium unbedingt erfolgreich abschließen wollte, habe ich diese Gedanken lange verdrängt.

    Nach dem Bachelor habe ich ein Jahr Work and Travel gemacht. Durch den Abstand konnte ich mich erstmals ehrlich mit der Frage beschäftigen, wie ich mein späteres Berufsleben gestalten möchte. Dabei musste ich mir eingestehen, dass ich keine Lehrerin werden möchte.

    Diese Erkenntnis fällt mir nicht leicht. Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt und befinde mich derzeit in einer schwierigen Orientierungsphase. Während viele meiner Freundinnen und Freunde bereits fest im Berufsleben stehen, habe ich das Gefühl, beruflich noch einmal von vorne beginnen zu müssen.

    Das belastet mich sehr, da ich bisher immer zielstrebig war und einen klaren Plan hatte. Gleichzeitig halte ich es für besser, mich jetzt neu zu orientieren, als den Master und das Referendariat nur deshalb zu absolvieren, weil ich bereits so viel Zeit in diesen Weg investiert habe. Einen Beruf zu ergreifen, von dem ich schon jetzt weiß, dass ich ihn langfristig nicht ausüben möchte, erscheint mir ebenfalls nicht sinnvoll.

    Die häufig genannten Alternativen für Lehramtsabsolventinnen und -absolventen, beispielsweise Verlagsarbeit, Erwachsenenbildung, Bildungsverwaltung oder Schulbucharbeit, sprechen mich bisher weder inhaltlich noch hinsichtlich der langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten besonders an.

    Stärker interessieren mich Tätigkeiten in der freien Wirtschaft, insbesondere in Bereichen wie Personalwesen, Recruiting, Projektmanagement sowie andere organisatorische und kommunikative Aufgabenfelder.

    Für meinen zukünftigen Beruf wünsche ich mir langfristig:

    • abwechslungsreiche und möglichst sinnvolle Aufgaben,
    • eine klare Trennung zwischen Beruf und Freizeit,
    • ein eher ruhiges Arbeitsumfeld,
    • Möglichkeiten für Homeoffice und flexibles Arbeiten,
    • gute Entwicklungs- und Aufstiegschancen,
    • langfristig ein mit dem Lehramt vergleichbares Einkommen,
    • eventuell die Möglichkeit, zeitweise ortsunabhängig oder aus dem Ausland zu arbeiten,
    • ein Tätigkeitsfeld, das durch künstliche Intelligenz eher unterstützt als vollständig ersetzt wird.

    Mir ist bewusst, dass kein Einstiegsjob alle diese Kriterien sofort erfüllen wird. Die Punkte sollen eher verdeutlichen, welche langfristige berufliche Richtung ich mir vorstellen könnte.

    Mein derzeit größtes Problem ist, dass ich weder einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss noch praktische Erfahrung in diesen Bereichen vorweisen kann. Daher frage ich mich, welche Möglichkeiten für mich realistisch wären.

    Könnte ein Einstieg über Traineeprogramme, Juniorstellen, Praktika oder beispielsweise eine Tätigkeit im Recruiting gelingen? Welche Kompetenzen aus dem Lehramtsstudium lassen sich aus Ihrer beziehungsweise eurer Erfahrung sinnvoll auf die freie Wirtschaft übertragen?

    Außerdem überlege ich, ob gezielte Weiterbildungen oder Zertifikate hilfreich wären. Gleichzeitig möchte ich vermeiden, viel Geld in Kurse zu investieren, die bei Arbeitgebern letztlich kaum anerkannt werden.

    Ich habe auch nicht konsekutive wirtschaftliche Masterstudiengänge gefunden. Allerdings bin ich unsicher, ob ein solcher Master ohne wirtschaftlichen Bachelor und ohne entsprechende Berufserfahrung meine Chancen tatsächlich verbessern würde. Wäre praktische Erfahrung wichtiger als ein weiterer akademischer Abschluss? Oder wäre für bestimmte Tätigkeitsfelder sogar ein komplett neuer Bachelor sinnvoll?

    Mich würden insbesondere folgende Erfahrungen interessieren:

    Wie ist euch der Wechsel aus dem Lehramt oder dem Lehramtsstudium gelungen? In welchen Bereichen arbeitet ihr heute? Musstet ihr noch einmal studieren oder konntet ihr direkt quer einsteigen? Musstet ihr beim Gehalt zunächst deutliche Abstriche machen? Und würdet ihr den Wechsel rückblickend wieder so vollziehen?

    Auch Erfahrungen mit dem Gefühl, Ende 20 noch einmal beruflich neu anfangen zu müssen, würden mir sehr helfen.

    Vielen Dank für das Lesen und für jede ehrliche Einschätzung.

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