Wie hat der Psychologe die Diagnose erstellt?
In NRW wird ein Kind mit Rechenschwierigkeiten (auch mit festgestellter Legasthenie) benotet, allerdings habe ich viele Möglichkeiten, Noten individuell zu geben....
Typisch ist, wie du sagst, dass es im zweiten Schuljahr auffällt, dass ein Kind Schwierigkeiten bei Zahlvorstellungen hat. Denn da kommt es in Bereiche, in denen man mit Zählstrategie nicht weiter kommt. Da ich erst in der zweiten Klasse meine eigene Klasse in Mathe übernommen habe, gibt es Eltern, die sagen: Nur bei Ihnen hat mein Kind Probleme mit Mathe, dabei ist es in der ersten Klasse so gut mitgekommen. Da muss ich erst einmal Elternarbeit machen und die Schwächen aufzeigen, die deutlich im Stoff der ersten Klasse liegen.
Es gibt verschiedene Tests, um auf Rechenschwierigkeiten zu kommen.Wenn ich Kinder habe, die mir auffallen, dass sie noch lange zählen, Probleme haben, operativ zu rechnen, versuche ich, Teile aus diesen Tests abzuprüfen und den Eltern Hilfen zu geben.
Warum den Eltern? Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es Kinder (fast) nur mit Elternhilfe schaffen, mit ihren (Rechen)schwierigkeiten klar zu kommen. Denn Kinder sind meist auch bequem, und wer nimmt da schon gerne die unbequemen Plättchen, Rechenketten, Stäbchen...., oft hilft nur eine Einzeltherapie. Kinder mit Rechenschwierikgeiten gleiten mir oft in Gesprächen, in denen es um Strategien gibt ab, weil sie nur schlecht folgen können (deswegen brauchen sie Arbeit in Kleingruppen, was aber u.U. der Klassengröße von 30 Kinder entgegen steht. Deswegen arbeite ich oft in den Pausen mit solchen Kindern, wobei mir viele entgegensetzen, dass die Kinder auch ein Anrecht auf Pause haben).
Übrigens ergibt die "Dyskalkulie" kein einheitliches Bild. Ich glaube, dass viele Probleme ausgeschaltet werden würden, wenn in der ersten Klasse gründlicher gearbeitet würde.
Es hört sich so an, als dass dein Kind mit dem Zahlenbuch gearbeitet hat?
Ich glaube nicht, dass der Zug schon abgefahren ist, gezielte Förderung ist angesagt. Was schläft der Psychologe vor????
Ich würde zuerst schauen, ob dein Kind die Konstanz der Menge verinnerlicht hat - eine Grundvoraussetzung:
Lege ihm Muggelsteine auf den Tisch. 8 STück in blau, 8 Stück in rot. Wo sind mehr? (wie kommt das Kind zum Ergebnis?)
Dann ziehst du die roten Muggelsteine vor den Augen des Kindes auseinander. Wo sind jetzt mehr (es kommt auf Begründungen an, nicht aufs Zählen). Kann es das noch nicht, auf alle Fälle viele Umschüttversuche starten a la Piaget (versch. Gefäße, überall soll gleich viel hinein, Wasserstand sagt nichts aus....).
Dann würde ich mir das Buch oder das Video von Dürre besorgen und danach jeden Tag 15 Minuten rechnen üben - du wirst schnelle Erfolge sehen. Ich finde es für Eltern gut erklärt.
Außerdem würde ich abtesten, warum die Rechenschwäche vorliegt. Mein Kind hat eben meiner Meinung nach ein gutes Rechenverständnis, wenn es aber um Richtungswechsel geht (z.B. Operatoraufgaben) hat er große Schwierigkeiten. Deswegen geht er jetzt in eine krankengymnastische Therapie, da die Schwierigkeiten auf darunter liegenden Gebieten (Teilleistungen) liegen.
flip