Zumindest für NRW wundert mich das nicht - denn man vergleicht u.a. Äpfel mit Birnen :
Bei uns in NRW wurde sukzessive das Einschulungsalter heruntergesetzt- nun muss jedes bis zum 30. September geborene Kind eingeschult werden - früher war Stichtag der 30.06. , somit sind die Kinder um 1/4 Jahr jünger geworden - und eine erste Klasse besteht nicht selten aus einem Teill Fünfjähriger. In der Uni habe ich damals gelernt, dass für das Matheverständnis mit 7 Jahren eine wichtige Entwicklungsstufe stattfindet - das kann ich aus der Praxis nur bestätigen.
Dann kommt noch die Abschaffung der Schulkindergärten ins Spiel - entwicklungsverzögerte Kinder, z.B. Frühgeborene, langfristig erkrankte Kinder müssen aufgrund ihres Alters eingeschult werden - die Möglichkeit der Rückstellung kommt so gut wie gar nicht mehr vor. Alle Kinder werden nun während der Schuleingangsphase, die bis zu 3 Jahren dauern kann, im normalen Unterricht auf Fähigkeiten vorbereitet, die sie für die Schule eigentlich schon entwickelt haben sollten. Vergessen wird, dass diese Kinder oft auch einfach Zeit zum Spiel und zusätzliche Bewegung an der Luft benötigen - die kann ich aber den anderen Kindern nicht vermitteln - "warum darf Anna spielen und ich muss das Alphabet lernen?" , Klettern auf dem Schulhof geht nicht, also müssen auch die entwicklungsverzögerten Kinder schon 6 Stunden Unterricht täglich durchstehen.
Denn zu dieser Veränderung passt nicht,dass z.B. meine Erstklässler aufgrund der Veränderung von Rahmenbedingungen vom zweiten Schultag an 6 Stunden Unterricht am Stück hatten - (durch Englischunterricht, Jahrgangsmischung, JEKI Unterricht, Sportunterricht, der durch Fachlehrer erteilt werden soll, ... ). Quantität heißt aber nicht unbedingt Qualität. Früher haben wir die Kinder jeden Tag drei Stunden bis zu den Herbstferien beschult, damit sich die Kinder langsam an die Schule gewöhnen konnten. Die Klasse wurde in den Randstunden geteilt, heute darf keine Stunde ausfallen ..... und auf die Kinder prasselt alles ein - 6 Lehrer, alle Fächer vom ersten Tag an. Für fitte Kinder natürlich kein Problem, aber die lernen überall unter allen Bedingungen....
Ich glaube, dass man Kinder wieder mehr Zeit für ihre Entwicklung geben muss - und es muss wieder individuelle Lösungen geben. Wenn ein Kind Zeit braucht, bevor es in die Schule kommt, warum soll es die nicht bekommen? Außerdem denke ich, "back to the roots". Natürlich ist es schön, wenn Aufsatzerziehung, Entwicklung von Methodenkompetenz , Verbraucherschutz in die Eingangsstufe gepackt wird. Aber immer mehr Aufgaben in ein festes Zeitfenster zu legen, bedeutet automatisch, dass Zeit für das Legen von Grundlagen immer enger wird. Zumal ja noch Sonderaufgaben wie Inklusion , Jahrgangsmischung und DAZ in die Schule kommen. ...
All das , was nicht richtig grundgelegt wird, wirkt sich dann auf die dritten /vierten Schuljahre aus - so dass mich diese Ergebnisse nicht verwundern.
flippi
flip