1) zu Sommer-STumpenhorst:
Wir arbeiten auch an der Schule mit diesem Rechtschreibkonzept. In einer Fortbildung hat der große Meister selbst erklärt, dass das Konzept auf 6 Jahre ausgelegt ist, so dass es anscheinend kein Wunder ist, wenn die Kinder noch so viele Fehler machen.
Ich versuche nun auf unserer Schule die Diskussion anzuregen, wie man das Konzept verändern kann - denn ich in NRW habe nun mal keine 6 jährige Grundschulzeit.
2) Dahinter steht ja das Problem, dass Kinder immer schlechter Rechtschreiben können - meines Erachtens ist es ein Problem des Stellenwertes und des Zeitkontingentes, das in der Schule zur Verfügung steht. Wenn z.B. in den neuen Richtlinien ein großer Anteil am mündlichen Sprachgebrauch gefordert wird - ist es kein Wunder, dass die Kinder immer schlechter Rechtschreiben.
3) Das ortsansässige Gymnasium hat einen Info-Abend zum Thema Rechtschreibung durchgeführt. Das beschäftigt mich immer noch.
In Zusammenarbeit mit einem ortsansässigen, überregional aktiven Institut, das auch an Erhebungen deutschlandweit beteiligt war, wurde das Ganze veranstaltet. Zuerst stellte die Dame fest, das Rechtschreibung die Kernkompetenz für das aktuelle Jahrhundert sei, denn z.B. bei google finde man Informationen nicht, wenn man Wörter unkorrekt eingeben würden. - Sehe ich erst mal so nicht, naja!!!
Rechtschreibung wäre ein Entwicklungsprozess, der aus 2 Teilbereichen besteht, Rechtschreibwissen , Grammatikwissen. Die Grundlagen werden in der Grundschule gelegt - müssen sie auch, weil im Gymn. keine Zeit ist, zu viele Kinder in einer Klasse sitzen und Lehrer nicht kompetent genug sind für richtig ausgeprägte Lernschwächen. Rechtschreibung sei im Unterricht nur in untergeordneter Rolle vorgesehen (1/22 oder so des Gesamtstoffes). Rechtschreibung sei aber Aufgabe aller anderer Fächer, so dass in jedem Bereich 1 Note abgesenkt wird bei schlechten Leistungen. (heißt Aufgabe nur das Anstreichen????)
Man zeigte eine umfangreiche Tabelle, was alles beherrscht werden müsse, was Thema in der GS ist.Stimmt wahrscheinlich so, aber nicht alles, was ich berühre, wird auch immer beherrscht.
Alle schimpften nun auf die Inkompetenz der Grundschullehrer, die natürlich die Kinder so schlecht vorbereiten. Dass bei uns in NRW Rechtschreibung auch eher eine untergeordnete Rolle spielt im Zeitrahmen, dass ich auch 26 Kinder in meiner Klasse habe (allerdings noch gemischt aus 1/2. Klasse mit ganz anderen Schwierigkeiten) wurde nicht erwähnt. Dass ich nur 6 Semester studiert habe, inzwischen Leute ausgebildet werden, die noch nicht einmal Deutsch als Fach studiert haben, wurde gar nicht ierangesprochen. Das ich etwas mehr weiß über Rechtschreibung liegt an meinem selbstfinanzierten Fernstudium.
Das Gymnasium löst sein Problem nun so:
In Klasse 5 wird flächendeckend eine Erhebung durch das Institut durchgeführt, wer es finanziert, weiß ich nicht (angeblich 50 Euro pro Klasse, andere Info 1 Euro pro Schüler).
Eltern und Lehrer erhalten Ampel-Auswertung der Bereiche, grün o.k, , gelb leichte Entwicklungsrückstände, rot erheblich. Bei gelb können Eltern mit Schule aufarbeiten (allerdings sind die Ressourcen begrenzt, also eher die Eltern), bei rot sollte man das institut um Hilfe bitten, was sehr viel kostet.
Das Institut ist wirklich seriös und leistet meiner Erfahrung gute Arbeit. Ich habe aber immer noch den Traum von Changengleichheit.
Nun bin ich auf den Elternabend als Kollegin und Mutter gegangen.
Als Mutter rollen sich mir ebenso die Fußnägel hoch.
Es ist ein Systemfehler.Wenn Rechtschreibung so einen hohen Stellenwert bekommt, dann muss es sein, dass es auch in der Unterrichtszeit so einen hohen Stellenwert bekommt. Den hat er definitiv nicht. Mein Sohn hat eine Lehrerin , die sich konsequent an die Richtlinien hält, er hat in der 4. Klasse sieben Lehrer, so dass bei 9 Stunden Deutsch und Mathe als Klassenraum kein Raum für irgendetwas besteht. Wir zu Hause müssen Hausaufgaben kontrollieren, es wird nur abgezeichnet, ob sie gemacht werden - Systemfehler fallen nie auf!!!! Aufsätze werden nur mündlich korrigiert, nie wurde ein Aufsatz mal probeweise von der LEhrerin nachgeschaut (um an ihre Korrekturhinweise zu gewöhnen). Üben findet nicht statt, das müssen wir Eltern machen. Kinder, die einen klassenlehrer mit mehr Stunden vom alten Schlag haben, haben eindeutig einen Vorteil. Er nützt auch die anderen Fächer, macht vielleicht nicht so einen guten Kunst- und Religionsunterricht, hat dafür aber mehr Zeit, um mit schwachen Kindern zu üben und auf die Anforderungen der weiterführenden Schulen vorzubereiten.
Wenn ich bestimmten Kollegen, die keine Kinder in der Schule im Moment haben, davon erzähle, bekomme ich zu hören: Dann hat dein Kind nichts auf dem Gymnasium zu suchen. Ich sehe es als Systemproblem, denn er ist fitter, als ich es war und ich habe es immerhin zur Grundschullehrerin gebracht.
Mittlerweile sind in NRW durch die Reduzierung auf 12 Jahre bis zum Abi so hohe Anforderungen, dass für NAcharbeiten von Lücken, die durch Einhalten der Richtlinien in der GS entstehen, gar keine Zeit besteht.
flip, die sich über so eine Diskussion freut, weil sie d i e Misere unseres Schulsystems zeigt.