Du sprichtst das an, was ich mittlerweile glaube. Ich praktiziere die Methode seit meiner Referendariatszeit Anfang der 90er Jahre, immer mehr mit Abstrichen behaftet. Im Moment bin ich an einer Schule, die nach Sommer-Stumpenhorst arbeitet, ähnlich Tinto.
Meiner eigenen Meinung nach wird bei der heutigen Umsetzung des Spracherfahrungsansatzes (dies ist ja auch der Hintergrund zu Reichen) wenig berücksichtigt, dass Kinder eben mit unterschiedlichen Spracherfahrungen in die Schule kommen - von gut situierten bis Kindern, die kein Deutsch sprechen und Kindern mit massiven Sprachproblemen(Richtung Logopädie u.ä.). Alle Kinder lernen nach der gleichen Methode, die aber vorgibt, offen zu sein.
Eigene Erfahrungen zeigen, dass das freie Schreiben Kinder mit weiten Spracherfahrungen viel weiter bringt als andere Ansätze, dass andere Kinder aber weit hinter anderen Methoden zurückbleiben. Somit habe ich mich immer mehr mit alternativen Methoden auseinandergesetzt. Für Kinder mit Migrationshintergrund und großen sprachlichen Problemen und großen motorischen Schwierigkeiten
scheint mir der Ansatz von Fröhler aus ÖSterreich sehr gut, weil er über das Fühlen und Lesen geht und Kinder früh Fortschritte machen. Er hat Fibelinhalte über Filme verpackt, so dass mich das, was ich las, sehr an den Unterricht Englisch erinnert - ich denke in Österreich gibt es viele Dialekte, so dass die Situation ähnlich zu meinen Migrationskindern ist.
Kinder, die Ausspracheprobleme haben hilft das Vorsprechen - gute Erfahrungen habe ich mit Computerprogrammen gehabt - Sommer-Stumpenhorst hat ein PC Programm zum Abhören von LAuten, Das Schreiblabor hilft , weil es das, was das Kind frei geschrieben hat vorliest.... . Parallel dazu müsste man viel lesen und einen Grundwortschatz sichern (u.U. auch mit einem PC Programm, gut finde ich empfehlenswert).
Dann gibt es Kinder mit Teilleistungsstörungen, für die ist bestimmt Fröhler auch machbar (habe aber keine Erfahrungen damit). Ansonsten eben der Kieler Leseaufbau oder auch das ABC der Tiere (Mildenberger-Verlag).
Schwer ist es nur, dass alles in den Unterricht von 28 Kindern zu integrieren und vielleicht auch n och Jahrgangsübergreifenden Unterricht - es fehlen halt mehrere Hände und Köpfe.
flip