Ich finde das ganze Thema ein ganz schweres Thema.
Ich habe im Moment ein Kind in der Klasse, das lernbehindert ist nach IQ Test - ist er im Grunde auch, wenn ich "lernbehindert" als anders lernen als die anderen, definiere. Leider ist in der Schule die Art des Lernens schon vorgegeben durch das System - auch wenn ich versuche, die Besonderheiten des einzelnen Schülers zu berücksichtigen. Dieses Kind kann keine Aufgabenstellungen im Klassenverband erfassen, läuft herum (ohne die anderen zu stören), ermüdet sehr schnell (geht dann in die Leseecke und schaut sich konzentriert ein Buch an), die Aufgaben, die die anderen Kinder bewältigen, wird dieses Kind nicht schaffen. In der ersten Klasse waren große Lernfortschritte zu spüren - Lesenlernen klappte gut, beim Schreiben zeigt sich die Schnelligkeit und Oberflächlichkeit. Im zweiten Schuljahr werden die Unterschiede immer größer, um das Kind zu schützen, lasse ich es nicht alle Tests mitschreiben. Bis jetzt haben die Eltern und ich es geschafft, dass das Kind lernt (in der für ihn eigenen Art und Fortschritte macht). Das Kind kommt immer noch gerne und bis jetzt ist noch keine Sekundärproblematik aufgetaucht - Gott sei Dank.
Die Eltern versuche ich immer zu bestärken, dass nicht jeder den gleichen Weg gehen muss und die positiven Seiten des Kindes hervorzuheben (sehr mitfühlsam, beliebt, witzig, interessiert an Sachthemen).
Nun habe ich mich doch entschlossen, ein VO-SF einzuleiten, nicht um aufzuzeigen, dass das Kind eine Minderbegabung hat, sondern um ihm die Noten, die Arbeiten, die Vergleiche in Klasse 3 zu ersparen. Leider habe ich nur das gegenw. System Schule - und da wird mir auch das Jahrgangsübergreifende Konzept nicht helfen.
Beim VO-SF habe ich natürlich alle Schwächen und Beeinträchtigungen, aber auch alle Stärken und meine Unsicherheit aufgeschrieben (das Kind verwirrt mich nämlich zwischendurch, denn in sehr lichten Momenten erfasst es Aufgaben in einem Mördertempo zu denen es sonst nicht in der Lage ist). Mir ist klar, dass jeder IQ Test schlecht ausfällt, da das Kind sehr oberflächlich, schnell und fehlerhaft arbeitet, wenn eine Aufgabe zu schwer erscheint oder es zu viel wird.
Somit hat die Sonderschullehrerin sich über versch. Tests und informelle Beobachtungen versucht, ein Bild zu machen. Nun wird auch noch ein Sonderschullehrer aus der Richtung Körperbehinderung hinzugezogen, um evt. in diese Richtung zu fördern - es ist noch nicht klar, welcher Weg gegangen wird - es kann auch sein, dass das Kind noch weiter bei mir bleibt. Dieses Kind ist übrigens auch ein Kiss-Kind. Solange Lernfortschritte da sind, das Kind sich in der Gruppe wohl fühlt...., obwohl ich oft ein schlechtes Gewissen habe, weil ich eigentlich viel mehr fördern müssen könnte.
Warum ich das schreibe? Hast du das Gefühl, dass die Lehrerin deines Kindes es gut meint, dass heißt, dass es ihr um Förderung/Wohl deines Kindes geht oder um die Vereinfachung der Klassensituation? Ein IQ Test sagt mir, wo ein Kind Schwierigkeiten hat, und in welchen Bereichen ich vielleicht mehr fördern sollte und welche Bereiche dem Kind gar nicht helfen. Und nur wenn ich das Gefühl hätte, die Lehrerin könnte so mit einem Test umgehen, würde ich das Ergebnis mitteilen.
Ich hatte übrigens vor 8 Jahren eine Schülerin, bei der ich immer wieder geschwankt habe, schicke ich sie zur Sonderschule oder fördere ich sie weiter integrativ (Sonderschulbedürftigkeit war festgestellt). Ich war immer hin und hergerissen. Sie blieb aber bei mir und nach der 4. Klasse ging sie in die Hauptschulklasse, aber auch als Integrationsschülerin. Nun ist sie in Klasse 10 , macht den B Abschluss und hat eine Entwicklung genommen, die ich nie für möglich gehalten habe. Will damit sagen, Vieles ist möglich...
Wichtig fände ich für mein Kind, dass es sich gut aufgehoben fühlt.