Beiträge von gingergirl

    Ich habe am letzten Schultag meinen Klassen genaue Anweisungen gegeben, was sie in den drei Wochen zu tun haben. Hatte schon die ganze Woche Arbeitsmaterialien vorkopiert, da ich mit Schulschließungen gerechnet hatte. Klasse 10 z.B. hat für den Auftrag einen Übungsaufsatz zu schreiben (bisher hat das fast die ganze Klasse auch gemacht und mir zurückgeschickt). Dann sollen sie die Lektüre, die jetzt anstehen würde, lesen und Aufträge dazu bearbeiten und einen Lernzirkel zum Grundwissen Lyrik durcharbeiten. Alles Sachen, die wir in den nächsten Wochen auch besprochen hätten. Die Klasse hat für die 3 Wochen meiner Meinung nach also genug zu tun und bei Unklarheiten können sie sich per Mail oder Threema bei mir melden. Wird eher weniger genutzt.

    Klasse 9 Geschichte hat den Auftrag, auf einer online verfügbaren existierenden Lernplattform das Lernmodul zum Thema Zweiter Weltkrieg durcharbeiten. Die Materialien sind so klasse, so gut könnte ich die selbst nie zusammenstellen.

    Wenn ich jetzt aber anschaue, was manch andere Kollegen sich beim Online-Learning für einen wahnsinnigen Aufwand mit Videokonferenzen und Lernplattformen mache, frage ich mich ehrlich, ob ich es mir nicht ein bisschen einfach gemacht habe. Wie seht ihr das?

    Mein Nachbar (18) hat gestern mit seinen Kumpels noch eine Corona-Party gefeiert. Deutlich über Mitternacht hinaus, als die Ausgangsbeschränkungen schon galten. Seine Oma, die ich sehr schätze, wohnt im selben Haus, hat Diabetes und Herzprobleme. Offensichtlich kann die Ansprache nicht deutlich genug sein.

    Die Sterberate ist bis jetzt meiner Meinung nach in D gering, weil die Erstinfizierten hauptsächlich Leute waren, die jung genug zum Skiurlaub und zum Aprėsski waren. Diese Leute werden von Corona nicht dahingerafft. In der Schweiz hingegen hat es wohl den ganz normalen Bevölkerungsschnitt von Anfang an getroffen, da sich die Leute nicht beim Skifahren, sondern hauptsächlich über italienische Kontaktpersonen (Tessin) infiziert haben. Die Sterberate bei uns wird sich der Schweiz angleichen, da es nicht mehr vorrangig junge und einigermaßen aktive Leute trifft, sondern zunehmend viele Alte (zeichnet sich ja ab, z.B. Todesfälle aus Würzburger Pflegeheim).

    Ich verstehe eure Schulleitungen nicht. Bei uns hält die Schulleitung die Stellung, ansonsten wurde das Kollegium seit Freitag rausgenommen. Wir sollen die Schüler online beschulen. Kommuniziert wird über Email. Eltern, die eine Betreuung brauchen, sollen sich am WE per Mail melden, damit abzusehen ist, wie viele Lehrkräfte benötigt werden. Für die Notbetreuung sind 3 Kollegen vorgesehen, die in der Nähe wohnen und im Bedarfsfall kurzfristig aktiviert werden.

    Die Schulschließungen sind für die Katz. Wir riegeln uns hier zuhause ein, die Schulen sind dicht, aber die zu schützende Zielgruppe feiert fröhlich weiter. Bei mir nebenan ist ein gutbürgerlichen Gasthaus. Da feiert gerade die Generation 70plus bei Schwarzwälder Kirsch und Käsesahne. Ca. 40-50 Leute, Übergewicht, alle kämpfen schon damit, überhaupt die paar Stufen in die Kneipe zu kommen.

    Bestimmt alles Diabetiker. Also wenn da einer unter den Gästen infiziert ist, dann werden im örtlichen Krankenhaus bald die Beatmungsplätze knapp.

    Ich denke, dass die Infektionszahlen in Italien viel höher liegen als staatlich bestätigt. Kann man schon daher ableiten, dass in Südtirol selbst kaum Fälle bekannt sind, hier aber viele Rückkehrer positiv getestet wurden. Und das bei Touristen, die eher weniger mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind und sich eher seltener bei öffentlichen Veranstaltungen aufhalten Für mich relativiert das die Todeszahlen beachtlich.

    Ich war in den 80er und 90er Jahren in der Schule. Historisch gesehen wohl mit die beste Zeit, eine Schule zu besuchen. Die Zeit der "schwarzen Pädagogik" war nach 1968 vorbei. Trotzdem waren man an Inhalten und Leistung orientiert. Ich habe meine Lehrer mehrheitlich als fachlich sehr fit und trotzdem als schülerorientiert erlebt. Wir haben viel diskutiert und eine breite Allgemeinbildung mitbekommen.

    Und auch ganz wichtig: es wurden noch nicht ständig neue pädagogisch-didaktische Säue über die Schulflure getrieben.

    In meinem Jahrgang am GY waren knapp über 40 Leute, also immer zwei kleine Klassen. Trotzdem hat sich damals kein Mensch Gedanken darüber gemacht, dass das zu wenig Schüler seien, man deswegen vorrangig auf steigende Anmeldezahlen schielt und das Handeln der Schule vorrangig auf deren Steigerung abstellt.

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