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Mit so einem Kochrezeptschema konnte man noch durchkommen, als man die Abituraufgaben selber gestellt und selber geprüft hat. Wenn meine Schüler in der Prüfungssituation nicht in der Lage sind, flexibel auf wechselnde Operatoren zu reagieren, meine ich, dass ich als Lehrer etwas falsch gemacht habe.
Bevor du mir unterstellst, dass ich meine Schüler nicht ordentlich aufs Abi vorbereite, sollte ich dir vielleicht mitteilen, dass es im bayerischen Abitur eigentlich keine "wechselnden Operatoren" gibt. Diese sind nämlich fast schon formelhaft und so gut wie immer gleich. Der Operator lautet immer ganz allgemein beispielsweise bei der Gedichtanalyse "Erschließen Sie das folgende Gedicht/die folgenden Gedichte". Danach folgt eine Zusatzfrage, die bisher so gut wie immer entweder hieß "...und erarbeiten Sie eine Interpretation, in der Sie auch auf epochen- und zeittypische Merkmale eingehen". Die zweite Möglichkeit sieht so aus, das Gedicht mit einem anderen Werk der Wahl (muss man im Kopf haben!) unter einem ganz bestimmten Motiv/Thema zu vergleichen, z.B. Schuld, Einsamkeit, Liebe...
Wenn ich mit den Schülern nicht vorher en detail "kochrezepthaft" besprochen habe, was bei "erschließen" von ihnen verlangt wird, werden sie Schiffbruch erleiden.
Ich muss auch noch erläuterm, dass bei uns im Abi theoretisch jedes Gedicht/jeder Dramenausschnitt/jeder Prosaausschnitt der deutschen Literatur drankommen kann, denn es gibt keinerlei Vorgaben oder Einschränkungen hinsichtlich des Prüfungsstoffes. Bei uns ist heißt es eben nicht "dieses Jahr ist dran: Woyzeck, Effi Briest und die Iphigenie".
Wir machen in den zwei Jahren einen "Durchzieher" durch die Literaturgeschichte von der Klassik an bis heute und die Schüler müssen wirklich den ganzen Stoff beherrschen. Wir müssen also zu allen Epochen die wichtigsten Autoren, die historischen Hintergründe, die epochentypischen Merkmale usw. besprechen. Auch mit dem neuen G8-Abitur, bei dem Deutsch Pflicht für alle sein wird (ab 2011), wird dieses Vorgehen zumindest für die literarischen Aufgaben wohl auch so beibehalten.
Die Themen sind manchmal sehr abgefahren, dieses Jahr war im Gk (!) ein Gedichtvergleich von zwei expressionistischen Gedichten dran (in Ordnung), ein Dramenausschnitt von E. Strittmatter (außer dass er "Der Laden" geschrieben hat, in der DDR wohl ziemlich groß war und in letzter Zeit wegen einer Nazigeschichte im Gerede war, weiß ich ehrlich gesagt auch nix über den;-)) und ein Ausschnitt aus dem "Marmorbild" (hätten wir in meinem jetzigen 11er-Kurs sogar gelesen gehabt, juhu, kommt aber nun nächstes Jahr nicht mehr dran, Mist!). Diie Aufgaben sind jetzt nur aus dem Kopf wiedergegeben, Abi war erst vor ein paar Tagen, habe nur mal kurz im Lehrerzimmer einen sehr kurzen Blick auf die Aufagben geworfen.
Angesichts des Mörderprogramms und der Tatsache, dass der Operator immer gleich ist, halte ich es nicht für angebracht, mich mit den Operatoren aufzuhalten, sondern pauke lieber mit meinen 11ern Literaturgeschichte!