Kann man die ganzen Kriegsauswirkungen nicht auch positiv für sich umdrehen? Meine Oma stammt aus ganz kleinen Verhältnissen, mit 16 ist sie von zu Hause weg "in Stellung', damit die einen Fresser weniger haben. Später wurde sie mit 27 Kriegswitwe, mit meinem Vater schwanger, meine Tante war da 2. Sie hat nie mehr einen Partner gehabt, war eine unglaublich toughe und selbständige Frau. Ihre Kinder hat sie alleinerziehend als Näherin in Heimarbeit durchgebracht, hat versucht, ihren Kindern gute Bildungschancen zu ermöglichen. Mein Vater, Jahrgang 1942, war der erste, der in seiner Familie Abitur gemacht und studiert hat. Klar, meine Oma war absolut von der Sorte "nix verkomme lasse", sie hat tatsächlich sogar Geschenkpapier gebügelt und wiederverwendet. Außerdem war sie aus meiner damaligen Sicht einfach aus der Zeit gefallen. Sie hat noch Kürbis- und Quittenmarmelade eingekocht, als das kein Mensch mehr gemacht hat. Kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie out das mal war. Meine Oma hat mich aber trotzdem positiv geprägt. War sehr gastfreundlich, immer optimistisch. Und für die Zeit damals unglaublich selbstbewusst. Ich versuche, das Positive aus ihrer Zeit für mein Leben mitzunehmen.