Dieser Überfall ist durch nichts zu rechtfertigen und daher entsprechend zu verurteilen. Es gruselt mich angesichts der steigenden Opferzahlen, die ich in dieser Höhe in den letzten drei Jahrzehnten auch so nicht in Erinnerung habe.
Schaut man sich die Entwicklung im Nahen Osten seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert an, ist dies wahrscheinlich leider nur eine weitere Episode, die sich in die über ein Jahrhundert andauernden Konflikte zwischen den Israelis und den Muslimen einreiht - und es wird nicht die letzte Episode sein.
Meine Aufgabe als Lehrkraft ist es natürlich, mögliche Stellvertreterkonflikte in der Schule zu verhindern und klarzustellen, dass dies nicht der Konflikt der SchülerInnen ist und sie diesen auch nicht in der Schule oder außerhalb derselben auszutragen haben.
Aufgrund unserer Geschichte und dem historischen Schicksal der Juden und Jüdinnen dieser Welt sind wir einerseits moralisch verpflichtet, Israel zu unterstützen. Gleichsam tue ich mich schwer, diese Solidarität blind zu gewähren, da man hier auch das größere Bild zeichnen muss.
(Wie ich hier schon vor längerer Zeit schrieb, empfiehlt es sich, die Weltgeschichte einmal aus muslimischer Sicht zu lesen und sich vom Eurozentrismus ein wenig zu lösen. Dann versteht man möglicherweise das eine oder andere auf muslimischer Seite - was selbstredend keine Rechtfertigung oder ein Gutheißen von Aggression und Gewalt bedeutet.)
Würde die gesamte arabische Welt Israels Existenz anerkennen und infolge dessen seine staatliche Integrität respektieren, käme das aus deren Sicht einer Akzeptanz des Rechts des Stärkeren - hier Israels und des Westens gleich. Die arabische Welt erfährt spätestens seit dem Sykes-Picot-Abkommen aus dem Ersten Weltkrieg kontinuierlich, dass der Westen in beliebigen Regionen der arabischen Welt seine Interessen rücksichtslos durchsetzt. Vor diesem Hintergrund wäre ein dauerhafter, endgültiger Frieden wünschenswert, jedoch auf der Basis des status quo aus meiner Sicht faktisch unmöglich.