Alles anzeigenAus erneutem Anlass (Lesen, nicht ich selbst) möchte ich gerade meinen Frust abladen.
Den Satz habe ich so oft im Bezug auf meine Fächer (Korrektur) gehört, im Bezug auf belastete Kolleg*innen, aber auch - und es ärgert mich noch mehr - im Bezug auf andere Berufe, die eben hart oder unangenehm sein können.
Pflegeleute hätten eben lieber einen Bürojob ergriffen, die Englischlehrerin hätte lieber Sport gewählt, der Bauarbeiter und der Bäcker hätten lieber Einzelhandel lernen sollen.
Abgesehen davon, dass es oft ziemlich arrogante Sätze von Menschen, die glauben, dass man deren Situation beneidet (Nein, lieber Chemie/Bio-Kollege, ich beneide nicht deinen Alltag fast ohne Korrekturen, ich stelle nur die Ungerechtigkeit der Belastungsverteilungen fest und/oder klage darüber, dass meine Arbeitszeit auf der selben Art und Weise kalkuliert wird), ich bin sicher, der 50jährige rückengeschädtigte Bäcker mag seinen Job, die 60jährige ausgelaugte Krankenschwester auch. Sie wollen nur eine menschlichere Ausgestaltung des Berufs.
Und: die Jobs braucht man in der Gesellschaft.
Du beschreibst es ja schon selbst sehr treffend.
Hinzu kommt, dass man mit der Aussage sich über sein Gegenüber erheben kann. Die Motive können allgemeine Missgunst oder Sozialneid oder was auch immer sein. Ist so, kann man nicht ändern. Muss man mit leben.
Kritik oder Relativierung sind ferner Versuche, sich Kompetenz beizumessen - auch wenn man zur Sache nichts beizutragen hat bzw. kein Wissen darüber hat.
So etwas gibt es auch hier in der Nachbarschaft, obwohl dieselben Leute sich für Dich krummlegen würden und Du jederzeit um Hilfe fragen kannst und diese auch gewährt bekommst. Das scheint mitunter manchmal auch einfach so eine Art zu sein.