Die Vorgeschichte dieses Konflikts wurde hier im Forum ausführlich erläutert - und ja, da trägt der Westen durch sein Verhalten im Rahmen des "Sieges" im Kalten Krieg eine Mitverantwortung. Diese kann aber niemals dafür herhalten, einen Angriffskrieg in Europa zu legitimieren.
Das Rad der Zeit zurückzudrehen haben viele europäische Mächte versucht bzw. nach Niederlagen in kriegerischen Auseinandersetzungen begehrt. Das kann man im Zuge unerwünschter Ergebnisse von Verschiebungen von Grenzen oder Machtbereichen tun - und natürlich geht man immer zu dem Punkt zurück, der einem am günstigsten erscheint. Aber vor diesem Punkt gibt es vielleicht einen anderen, der dem Gegenüber günstiger erscheint. So kommen wir nicht weiter.
Die Ukraine ist ein souveräner Staat und die russische Minderheit im Osten der Ukraine hatte seit der Unabhängigkeit die Wahl, Teil der Ukraine zu sein oder eben mit den Füßen abzustimmen. Gleichwohl wird man in Grenzgebieten in der Ostukraine mit Bevölkerungsmischungen zwischen 40 und 60% für A oder B immer Probleme haben, "gerechte" Linien zu ziehen. Das funktioniert schlichtweg nicht. Separatismus ist da keine Lösung, weil auf diese Weise der ukrainischen Bevölkerung das Recht abgesprochen wird, das die Separatisten für sich selbst fordern. Erst wenn beide Seiten bedingungslos bereit sind, aktiv miteinander zu leben und das Leben gemeinsam zu gestalten, kann sich daran etwas ändern.
Was die Sanktionen betrifft, die viele Länder nicht mittragen, so kann ich das bedingt verstehen, wenn der Konflikt sie nicht im geringsten betrifft - gerade wenn man auf einem ganz anderen Erdteil liegt. Idealismus und für seine Werte aktiv einzustehen muss man sich leisten können und wollen - und diese Frage dürfen wir uns seit Beginn des Konflikts tagtäglich stellen.