Beiträge von Bolzbold

    In der RP war gestern ein Artikel über einen Schüler (17) aus NRW, der im Comer See ertrunken ist, als die Lehrkraft "kurz nicht aufgepasst" hätte. Das finde ich von der Berichterstattung her krass. Bei 17jährigen Schülern muss ich als Lehrkraft nicht jederzeit damit rechnen, dass jemand an einer Stelle, wo das Baden verboten ist, in den See springt. Vor dem Hintergrund der Schülerin, die in London wegen mangelnder Hilfe durch die Lehrkräfte gestorben ist, könnte ich mir allerdings vorstellen, dass da sehr genau hingeschaut wird.

    Rein rechtlich kann der KL für einen Tag eine Beurlaubung erteilen - das fällt in seinen Entscheidungsspielraum. Vor diesem Hintergrund KANN Deine Reaktion dem Schüler gegenüber als Untergraben der Autorität des KL durch eben diesen aufgefasst worden sein. Vielleicht hatte er aber auch nur schlecht geschlafen, oder der relative Mondwinkel passte gerade nicht - kurzum: Seine Wut hat sich womöglich bei Dir entladen, aber Du warst nicht primäre Ursache. Das wirst Du nur durch ein klärendes Gespräch herausfinden.

    Wenn eine Schule tatsächlich keine Fahrten anträte mit der Maßgabe, erst zu fahren, wenn sie wisse, wohin das Geld zu überweisen sei? Was soll schon passieren, käme auf einen Versuch an.

    Das käme einem Offenbarungseid gleich, weil die Schule problemlos ein Schulkonto einrichten könnte, auf das die Beträge eingezahlt werden können. Wie ich vor Jahren bereits schrieb, hatte meine alte Schule ein solches Konto - damit fällt Deine Option weg.
    Die "selbstständige Schule", wie sie in NRW heißt, darf auch selbstständig denken, wie sie triviale Probleme in den Griff bekommt. Dieses "Problem" dürfte lösbar sein.

    Warum nicht einfach Fahrten oder andere mit Geldeinsammeln verbundene Aktivitäten so lange verweigern, bis das Problem endlich einmal "oben" angekommen ist und gelöst wird?

    Weil das nicht zulässig ist. Eine Schule bzw. eine Schulkonferenz hat kein Recht - zumindest nicht in NRW - Klassenfahrten per se aus dem Programm zu streichen bzw. nicht anzutreten. Der einzige valide Grund wäre das Fehlen von Reisekostenerstattung für die Lehrkräfte. Und das ist ja tatsächlich mittlerweile behoben.

    Vielleicht kann man das am nächsten Tag in Ruhe klären. Bitte den Kollegen um ein kurzes Gespräch unter vier Augen und gib ihm ein Feedback der Situation von gestern. Zeige Verständnis für seine Verärgerung, aber mache ihm klar, dass ein solches Verhalten nicht geht und Du Dir künftig einen anderen Umgang unter Kollegen wünschst.

    Kursfahrt in der Oberstufe (2016):

    Schülerin (16) wird krank. Kollegin geht mit ihr zum Arzt, während ich das Programm vor Ort (keine gebuchten Fahrten o.ä.) fortsetze. Später kommt Kollegin dazu, Schülerin bleibt im Hotel - die Kollegin bzw. MitschülerInnen schauen im Laufe des Tages nach ihr.

    Das kann (!) also alles ganz problemlos laufen. Hätten wir an dem Tag die gebuchte Fahrt nach Mailand oder Verona gehabt, hätte ich das mit ihr und ihren Eltern abgesprochen, ob sie den Tag im Hotel verbringt.

    Es gibt ja doch immer mehr Kinder und Jugendliche, die nur bei einem Elternteil (meist der Mutter) aufwachsen. Heißt aber nicht zwangsläufig, dass dann kein männliches Vorbild da ist, diese Rolle kann ja auch der Onkel, beste Freund der Mutter, neue Mann, Nachbar, Vater der Freunde etc einnehmen. Und auch der Vater, der ja hoffentlich trotzdem noch für seine Kinder da ist. Es gibt aber auch genug weibliche Influenzer, die eine Art "Mutterfigur" für KuJ darstellen können.

    Männliche Rollenvorbilder habe ich in meiner Kindheit und Jugend durchaus wahrgenommen. Diese sind aber meines Erachtens nicht mit Vaterfiguren gleichzusetzen. Es gab sicherlich Menschen, die in meinem Fall so etwas wie väterliche Freunde für mich waren - das konnten sie aber nur dadurch sein, dass die Vaterfigur eben faktisch unbesetzt geblieben war.

    Im Ukraine-Krieg-Thread wird das aber ganz anders diskutiert. Oder liegt das nur daran, das dort die Schwanzverlängerungen etwas dicker sind?

    Dass ein Aggressor, der um sich schießt, mit Waffengewalt gestoppt werden muss, um noch höhere Opferzahlen zu verhindern, sollte einleuchten.

    Im Falle der Ukraine werden Waffen geliefert, um sich in einer konkreten Angriffs- bzw. Bedrohungssituation zu wehren. Auf internationaler Ebene hast Du insofern Recht, als dass der Angriff Russlands eine globale Aufrüstungsspirale in Gang setzen wird, an der künftig auch Länder beteiligt sein werden, die das ursprünglich nicht vorhatten - so wie Deutschland.


    Jetzt kommt aber der zentrale Unterschied beim good guy/bad guy with a gun.

    Das Prinzip gegenseitiger Aufrüstung und der damit verbundenen Abschreckung funktioniert, solange mehrere Menschen darauf achten, dass niemand alleine eine (Atom)Waffe abfeuert. Es gibt Kontrollmechanismen, die das spontane einseitige Drücken des roten Knopfes verhindern. Bei Amokläufen handelt es sich um Einzelpersonen, bei denen diese Kontrollmechanismen außer Kraft gesetzt sind - zum einen durch den weitgehend ungehinderten Zugang zu Schnellfeuerwaffen, zum anderen durch die letztlich eigene Entscheidung, diese auch zum Morden zu verwenden.

    Wenn Väter da sind, aber nicht mehr mit Mutter und Kindern zusammenleben, kann ein fehlender Vater für viele Enttäuschungen sorgen - das kommt in allen Schichten vor. Für Männer ist es heutzutage immer noch leichter, sich einfach vor der Verantwortung zu drücken. Sie können einfach gehen und den Müttern die Kinder überlassen. Der umgekehrte Fall kommt natürlich auch vor, aber deutlich seltener. "Schlechte" Vaterfiguren (Schläger, Fremdgeher etc.) können ebenfalls Kinderseelen zerstören.

    Ein von Anfang an fehlender Vater bedeutet, dass diese Rolle bei einem als Kind nicht "angelegt" wird. Die Väterfiguren der FreundInnen können das dann nicht "ersetzen". Ich habe meinen Vater genau dreimal gesehen - insgesamt wohl gerade einmal sieben Wochen meines Lebens, bevor er vor einigen Jahren gestorben ist. Als Kind habe ich diesen Vater nur als Phantom gekannt. Ich wusste, es gab ihn. Aber kennengelernt habe ich ihn erst mit 19 - davor gab es faktisch keinen Kontakt. Da er aus Fernost kam, machte sich das natürlich auch bei meinem Äußeren bemerkbar und es fehlten somit gefühlt 50% meiner Identität. Meinen Stiefvater konnte ich nicht als Vater annehmen - so blieb die Rolle bis zu meiner eigenen Vaterschaft undefiniert.

    Was mir persönlich wirklich fehlte, habe ich dann auch erst richtig gemerkt, als ich Vater für meine Kinder sein durfte.

    Waren sie auch nicht. Aber das wusste ja vorher niemand. Es hätte ja auch anders kommen können (vergleiche die Vorgabe: "Naturlyrik"). Aber das Land NRW hat natürlich alles richtig gemacht. Wie ich im Ausgangspost schrieb, bin ich diejenige, die Fehler gemacht hat. Und weil ich die gemacht habe, ärgere ich mich.

    Dass das Land alles richtig gemacht hat, hat niemand gesagt. Alle zentralen Prüfungen sind letztlich eine Lotterie.

    Dann hast du die letzten Jahre nicht gut aufgepasst, was hiesige "Amokläufe" angeht. Schusswaffen lassen sich auch neben den offiziellen Wegen beschaffen, zusammenbasteln, mittlerweile sogar aus dem 3D Drucker zusammendengeln. In Winnenden lagen sie auch "so herum". Darüberhinaus sind Schusswaffen nicht immer das Mittel der Wahl, viele Menschen in kurzer Zeit schwer zu verletzen, insbesondere, wenn ihr Zugang reglementiert ist. Man nehme LKWs, Armbrüste, Klingen, Benzin in alten Bierflaschen etc. Ich glaube kaum, dass man weniger von "Amoklauf" reden würde, wenn jemand einer Prise Rizinpulver ihren Weg in den Suppentopf der Schulmensa weisen würde, oder?

    Es geht nicht darum, wie man mit anderen Waffen oder Utensilien möglichst viele Menschen töten kann. Es geht darum, dass es einen direkten, nicht zu leugnenden Zusammenhang zwischen der Anzahl der Schusswaffen in den USA und den Toten durch eben solche gibt. Und es geht darum, dass die Menschen dort sich diesem Zusammenhang aufgrund eines diametral entgegengesetzten Verständnisses von Freiheit und staatlicher Kontrolle konsequent verschließen.

    Auch in den USA kommen die von Dir angesprochenen anderen "Methoden" zum Einsatz. Waffen sind dort aber leichter zu bekommen und töten relativ sicher. Das wurde gestern leider auf traurige Weise bewiesen.

    Die Amis stehen halt auf "freedom to", wohingegen die Deutschen eher "freedom from" bevorzugen.

    Aber auch in den USA galt bzw. gilt, dass die Freiheit des Einzelnen dort aufhört, wo sie die Freiheit des anderen beschneidet. Ein verabsolutierter Freiheitsgedanke, wie ihn manche Menschen in den USA haben, negiert jedoch das Recht auf Freiheit des anderen.

    Schusswaffen und Umgang mit ihnen ist drüben alltäglicher als hierzulande, soweit so einfach. Darüber hinaus finden Menschen aber immer Wege und Werkzeuge wenn es pressiert. Das ist nur eine Frage des persönlichen Drucks.

    Das ist mir zu einfach. Pressieren tut es hier mitunter auch - und dennoch sorgt unser Waffenrecht dafür, dass es scharfe Waffen eben nicht überall an jeder Ecke zu kaufen gibt und sie entsprechend nicht millionenfach wie in den USA herumliegen. Was man grundsätzlich einsetzen könnte, setzt man unter Druck womöglich ein. Was man nicht hat, müsste man sich erst beschaffen, um es einzusetzen. Dieser zusätzliche Schritt dürfte hierzulande viele Menschen daran hindern, einfach um sich zu ballern.

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