Ich denke auch, dass es bestenfalls sekundär noch um Bildung geht und primär um Lebenschancen und sozialen Aufstieg bzw. Halten des sozialen Niveaus der Eltern. Bildung als Mittel zum Zweck für ein komfortables Leben. Klingt erst einmal befremdlich, dürfte bei uns allen aber insbesondere in unserer Jugend zugetroffen haben.
Denn: Welche(r) Jugendliche ist sich des ideellen und langfristigen Werts von Bildung allen Ernstes bewusst? Dieser Wert und das Wertschätzen und Vertiefen einer solchen Bildung und der immerwährenden Erweiterung selbiger hat sich bei mir erst so richtig deutlich jenseits der 30 eingestellt.
Heute geht es um Noten, um Zehntel für den NC, mitunter um Tricksen und Täuschen, um die Position zu erlangen, die einem aus der eigenen Sicht zusteht.
Ich habe das früher nie so empfunden, aber heute scheint der Druck, den die Jugendlichen empfinden, deutlich höher zu sein als zu meiner Zeit - vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich mich diesem Druck immer irgendwie verweigert habe und erst später die Konsequenzen eines Nicht-Einser-Examens zu spüren bekam. (OK, es waren sechs Monate Vertretungstätigkeit, die je nach Fächerkombi auch die EinserkandidatInnen schieben mussten...)
Am Rande: Die Banklehre mit Realschulabschluss war vor zwei Jahrzehnten noch möglich - bereits um 2007 warb eine Sparkasse aus dem Ruhrgebiet jedoch für Azubis und setzte die FHR als Abschluss voraus. Wenn ich andererseits aus dem Bekanntenkreis höre, was die heutigen RealschülerInnen können bzw. nicht können, dann kann ich mich eines gewissen Verständnisses für diese gestiegenen Einstiegsansprüche nicht vollständig verwehren.