Beiträge von Bolzbold

    Ich würde nie Geld dafür ausgeben, dass ich meinen Beruf ausübe. Wenn etwas anwaltlich zu klären ist, dann soll bitte der Dienstherr einen Anwalt stellen.

    Soweit kommt es noch, dass man zu einer schriftlichen Aussage genötigt wird und sich dann auch noch mit einem Anwalt auf eigene Kosten absichern muss.

    Never ever.

    Ich finde Bolzbolds Vorschlag der Formulierung passend. Abtippen, Deinen Namen einfügen, fertig. Es bezahlt dir niemand, wenn du da noch viel Zeit darauf verwendest.

    Bitten den Grammatikfehler in meinem Briefvorschlag noch ausbessern - ich habe es eben erst bemerkt und verbessert. ErhobenEN, nicht erhoben.

    Update:

    Ich habe mir die Urteilsbegründung bei Juris einmal angesehen.

    Der Mann hat die Tattoos mehrmals freiwillig öffentlich gezeigt. Er ist seitens der Schule darauf hingewiesen worden, diese Tattoos bedeckt zu halten und hat sich wiederholt nicht daran gehalten. Er war im berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst, somit also auf Widerruf beschäftigt.

    Meiner Wahrnehmung nach handelt es sich um einen "Überzeugungstäter", der trotz der deutlichen Rückmeldungen offenbar nicht einlenken wollte. Dann kann man ihm auch nicht helfen.

    Also wir reden über eine innerschulische Angelegenheit, in der der Schulleiter in seiner Funktion als Dienstvorgesetzter tätig wurde. Wer hier direkt mit dem Anwalt ankommen möchte - und sei es nur in Form einer Beratung - schießt in meinen Augen deutlich übers Ziel hinaus. Solche Konflikte sind doch nun wirklich alltäglich und genauso sollte man sie behandeln - und lösen.

    Der Kommentar in der FAZ beschreibt eine Entwicklung, die ich auch so wahrnehme, bis jetzt aber noch nicht so konkret in Worte fassen konnte.

    Im Grunde haben wir zwei Grenzüberschreitungen. Das eine sind die "unklugen Äußerungen", das andere die "Hexenjagd" und die "mediale Vernichtung" des/der Übertäters/-täterin. Pranger und "Zorn des Volks" hatten wir auch schon im Mittelalter - die (a)sozialen Netzwerke haben dieses Verhalten wiederbelebt.

    Ich frage mich, wie weit es noch bis zur physischen Vernichtung wie im alten Rom oder wie im Film "Running Man" ist.

    Hallo und herzlich willkommen in diesem Forum.

    Mit einem Anwalt bringst Du zusätzliche Eskalation in die Angelegenheit. Der Schulleiter will von Dir eine Aussage haben - die kann recht knapp ausfallen. Wir sind hier nicht vor Gericht - das ist eine typische Auseinandersetzung, wo man erst einmal Druck herausnehmen sollte. Spar Dir das Geld für einen Anwalt aufgrund eines (oder zwei?) gekränkten Egos.

    Sehr geehrter Herr XY,

    zu dem gegen mich erhobenen Vorwurf nehme ich wie folgt Stellung:

    Der Vorwurf der Erpressung ist unzutreffend.
    Mit meiner Aussage habe ich Herrn AB die Rückmeldung gegeben, dass ich seinen Tonfall mir gegenüber im Gespräch am (Datum) als unangemessen erachtet habe. Eine darüber hinausgehende Aussageabsicht lag nicht vor. Meine Notengebung erfolgt auf der Basis der geltenden Gesetze und Verordnungen sowie der damit übertragenen Verantwortung und Transparenzverpflichtung.

    Mit freundlichen Grüßen
    GHI

    Fertig aus. Mehr gibt es dazu doch wirklich nicht zu sagen, oder?

    Die Schulmail vom 22. April 2021 gab das so vor. Das Infektionsschutzgesetz ermöglicht eine Präsenzbeschulung bei einer Inzidenz von konstant unter 100. Es ist also damit zu rechnen, dass unsere Ministerin früher oder später auch wieder die Vollpräsenz durchdrücken wird. Das war lange Zeit ihr Dogma. Dafür braucht es nur eine einzige weitere Schulmail - und ich tippe darauf, dass diese Ende Mai / Anfang Juni kommen wird.

    Ihr erinnert Euch aber noch daran, wie diese Aufklärung bei uns vonstatten gegangen ist.

    Erst hat man progressive Denker als Ketzer verbrannt.
    Dann haben sich verschiedene Lager jahrelang gegenseitig die Köpfe eingeschlagen.
    Dann haben sich die Anhänger der Freiheit gegenseitig die Köpfe abgeschlagen, bis ein starker Mann an der Spitze wieder für Ordnung sorgte.
    Auf der anderen Seite des großen Teichs hat man Demokratie zunächst so verstanden, dass nur besitzende weiße Männer Stimmrecht hatten. Allen anderen war es versagt.

    Wie soll nun angesichts der allgegenwärtigen Machtdemonstration des Westens der konservative Islam sich aufklären, ohne dies als Kapitulation vor dem Westen zu begreifen? Und was würde sich effektiv ändern? Der Islam würde nicht mehr den Vorwurf erhalten, Frauen zu unterdrücken. Er bliebe wirtschaftlich und politisch benachteiligt - weil der Westen es so will. Ist der Westen überhaupt für eine Begegnung auf Augenhöhe bereit? Oder freut man sich lediglich darüber, dass das einst ungezogene Kind jetzt endlich artig geworden ist?

    @Pyro 

    Deine Fragen gehen an dem, was ich geschrieben habe, vorbei. Zur Wertigkeit des von Dir genannten Gedankenguts habe ich mich nicht geäußert.

    Worüber ich mich geäußert habe, ist die westliche Anmaßung, über "anerzogene Freiheit" zu sprechen. Damit suggeriert man dem Gegenüber, dass er/sie nur nicht weiß, dass er/sie unfrei ist. Und das fände ich den von mir angeführten jungen Frauen gegenüber anmaßend. Daraus wiederum habe ich die Arroganz des Westens etwas ausgeweitet und mit Beispielen versehen.

    Ja, so kann man sich die Weltgeschichte zurechtlegen. Als Historiker muss ich mich dann aber ausklinken.

    Wenn Du Machtverschiebungen, Länderschacher und weitere historische Entwicklungen als bloße Phänomene begreifen möchtest, dann tu das. Das Phänomen Radikalisierung kennen wir auch aus der Weltgeschichte - es ist weder charakteristisch noch typisch für den Islam. (Und hier suche ich mal beizeiten nach einem geeigneten wissenschaftlichen Werk, das religiöse Freiheit/Unterdrückung Andersgläubiger unter christlicher sowie unter muslimischer Herrschaft vergleicht.)

    Oder geht es am Ende doch nur darum, dass wir die Guten sind und die anderen die Bösen?

    Naja Türkei war ja beispielweise mal weiter Anfang 1900er. Der Islam hat sich ja in den letzten Jahren zunehmend radikalisiert. Iran ist auch so ein Beispiel. Und der nahe Osten war nie wirklich kolonialisiert. Zu glauben, es wäre mal wieder die Schuld des Westens, halte ich für Quatsch. Der Islam hat es ganz alleine geschafft.

    Ein Turnpoint war sicher der 11. September 2001. Das hat aber nichts mit Kolonialisierung zu tun.


    "Nie wirklich kolonialisiert" - Stichwort Sykes-Picot Agreement.

    Zum Einlesen: A line in the sand von James Barr. Zur weiteren Lektüre empfehle ich Destiny Disrupted: A History of the World Through Islamic Eyes von Tamim Ansary.

    Insbesondere das Werk Ansarys hat mir sehr wertvolle Einblicke in den gesamten historischen Problemkomplex gewährt.


    Ein weiteres Beispiel für das Vorgehen des Westensauf dem indischen Subkontinent findet man in The Untold Story Of India Partition: The Shadow Of The Great Game von Narenda Singh Sarila.

    Man kann Dinge für Quatsch halten, aber man sollte wissen, wovon man redet.

    Tommi

    Wenn wir so argumentieren, dann kann man jede Freiheit als anerzogen unterminieren.

    Ich habe tatsächlich mehrere muslimische Abiturientinnen kennengelernt, die freiwillig und bewusst das Kopftuch getragen haben, gleichzeitig aber Medizin etc. studieren wollten. Diese jungen Frauen waren gebildet, fleißig und selbstbewusst. Wer wäre ich da, mir anzumaßen, diese Entscheidung als "anerzogene Freiheit" zu kritisieren?

    Dass der heute mehrheitlich praktizierte Islam patriarchalisch bzw. in Teilen frauenfeindlich ist, lässt sich nicht leugnen. Das war aber nicht immer so. Seitens des Islams wird der Westen - teils zu Recht - seit Jahrzehnten als erhebliche kulturelle Bedrohung empfunden.

    Wir sollten das Problem daher auch einmal von der anderen Seite betrachten. Wenn ich mich kulturell bedroht fühle, habe ich zwei Möglichkeiten. Ich leiste Widerstand, indem ich meine Werte übersteigere und ggf. in Extreme abdrifte, was ich ohne diese Bedrohung gar nicht tun wollte. Oder ich "ergebe" mich dieser Bedrohung und knicke ein - auf Kosten meiner kulturellen Identität.

    Dieses Phänomen haben wir auch bei Thema Integration in Deutschland.

    Wir sollten auch nicht verkennen, dass wir im Bereich Emanzipation zwar ein paar Jahrzehnte weiter sind als die Muslime, aber eben auch nur ein paar Jahrzehnte. Und wir maßen uns an, durch diesen Vorsprung auf der Seite "der Guten" zu sein und auf anders geartete Kulturen herabzusehen. Diese westliche Arroganz ist widerlich und heuchlerisch. Mit dieser Überlegenheit wurde vor 150 Jahren bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Großteil der muslimischen Welt kolonialisiert. Da hat der Westen Menschen in "Rassen" eingeteilt und über ihren Wert geurteilt.

    Heute kolonialisieren wir nicht mehr in dieser Form - aber wir setzen kulturell und wirtschaftlich diesen Kolonialismus fort - wähnen uns denjenigen überlegen, denen wir jahrzehntelang wirtschaftliche Blüte, politische Freiheit und kulturelle Selbstbestimmung aus Gier und Eigennutz vorenthalten haben.
    Und dann schwingen wir uns auf einmal zu kulturellen Rettern der Welt auf, regen wir uns über ein Kopftuch auf, als wäre es die Ausgeburt allen Übels...

    ...wir können wirklich stolz auf uns sein...

    @Steffi1989

    Die Entscheidung war zu dem Zeitpunkt, an dem Du sie getroffen hattest, richtig. Freundschaften sollen einem eigentlich grundsätzlich eher gut tun als belasten. Wenn Letzteres überwiegt, und der andere um der Freundschaft Willen nicht zum Einlenken oder zur Mäßigung bereit ist, dann war es das eben.
    Es tut eine Weile weh - aber dann kann es auch ein bisschen befreiend und entlastend sein.

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