Beiträge von Bolzbold

    Also ich musste vor der Vereidigung unterschreiben, dass ich die Stelle annehme - und bei der Vereidigung musste ich die Informationen rund um das Beamtentum meiner Erinnerung nach auch unterschreiben. War aber NRW - in Bayern gehen die Uhren womöglich anders.

    Ich gehe nicht davon aus, dass die Sommerferien verkürzt werden. Das wird nicht funktionieren. Das beträfe ja nicht nur die LehrerInnen sondern auch die SchülerInnen und deren Eltern. Wer das beschließen sollte, kann die Zeit bis zur nächsten Landtagswahl schon mal auf der Oppositionsbank Probesitzen.

    @samu


    Es kommt darauf an, welche Form der Diagnostik Du wählst. ADHS ist keine Sache, die man mal eben "to go" beim Kinderarzt diagnostizieren lässt. (Und wer es doch tut, ist schlecht beraten.)

    Die Möglichkeit der Pauschalexkulpation ist natürlich verführerisch - die Eltern können nichts dafür, das Kind kann nichts dafür und alle anderen sollen gefälligst mal Rücksicht nehmen.

    Vermutlich muss man selbst betroffen sein, sei es dass man selbst ADHS hat oder das eigene Kind, um da wirklich mitreden zu können im Sinne eines echten (kognitiven wie mittelbar empathischen) Verständnisses für ADHS.

    Ich habe in meiner bisherigen Dienstzeit erlebt, dass Methylphenidat die schulischen Probleme und Auffälligkeiten von jetzt auf gleich beendet hat - für die betroffenen Kinder war es ein Segen, weil sie sich selbst endlich als "normal" erlebt haben und auch so wahrgenommen wurden.

    Eine befreundete Familie, beide Pharmazeuten, haben ein Kind, das stark unter ADHS leidet und das Schuljahr jetzt womöglich wiederholen muss. Mutter ist für die Gabe von Methylphenidat, der Vater dagegen. Beide wissen um die (Neben)wirkungen des Wirkstoffs. Das Kind ist mittlerweile sozial komplett isoliert - das Homeschooling trägt zusätzlich dazu bei. Und dennoch kann der Vater sich nicht dazu durchringen, das Medikament zu geben. Er hofft auf die positiven Wirkungen von Sport und Psychotherapie - seit mehreren Jahren. Es tut mir in der Seele weh, dieser Entwicklung zusehen zu müssen.

    Ich leider schon in einer Lehrerkonferenz. Da wurde ziemlicher Unfug abgegeben. Ich habe dann einfach mal fallenlassen, dass ich als ADHS-Kranker da doch einiges korrigieren müsste. Da war dann Totenstille. Das war den Kollegen offenbar sehr peinlich.

    Das ist in der Tat eine krasse Erfahrung - hat es denn im Anschluss daran irgendeine Reaktion gegeben außer der Totenstille und des peinlich Berührtseins?

    @samu

    Das habe ich so nicht geschrieben. Ich schrieb, dass es mit den Eltern steht und fällt - und im Zuge Deiner Anmerkung würde ich ein "auch" mit einbauen. Also: Es steht und fällt auch mit den Eltern.

    Dass die KollegInnen da entsprechend "sensibilisiert" sein sollten, hatte ich eigentlich vorausgesetzt, aber in der Tat war dies eine allzu optimistische Sicht.

    Ich denke, dass die Landesregierung heute im Plenum auf die Beschlüsse von heute Nacht eingehen wird.

    Allerdings habe ich den Eindruck, dass die MPs und die BK' gewaltig verzettelt haben. In diesem Wirrwarr findet sich doch keiner mehr zurecht. Vor allem bedarf eine solche Staffelung in Inzidenzwerte und Öffnungen/Schließungen einer rechtzeitigen lückenlosen Information der Öffentlichkeit. Bin mal gespannt, wie sie das hinbekommen wollen.

    Das wird sowas von in die Hose gehen...

    @samu

    Ja, das stimmt.
    In dieser Form habe ich das aber zumindest von meinen KollegInnen noch nie gehört, wenngleich nicht wenige schlichtweg keine Ahnung haben und aufgrund der eigenen Uninformiertheit gerne mal mit Küchenpsychologie ankommen.

    Daher ist es aber wichtig, dass die Diagnose eben von Fachleuten erstellt wird (also nicht zwischen Tür und Angel vom Kinderarzt), denn das inflationäre Aufkommen dieser Auffälligkeit ist schon - verdammtes Wortspiel - auffällig - und damit auch die entsprechenden Kommentare.

    Besonderheiten rechtlicher Art gibt es in NRW nicht, weil ADHS nicht nachteilsausgleichsfähig ist.

    Die Kinder kommen bei "großem" H in der Schule oft nur schwer klar, was sich auch auf ihre Leistungen und ihre soziale Integration in der Klasse auswirkt - wenn die Kinder nicht "eingestellt" sind. Sport und Psychotherapie reichen bei vielen ADHS-Kindern nicht - Methylphenidat hingegen (leider) schon. Dann aber sind die Kinder völlig unauffällig, teils ist das Leistungsplus von vorher zu nachher erstaunlich - und es klappt auch sozial mit den MitschülerInnen.

    Das Ganze steht und fällt mit den Eltern.
    - Wissen sie um die Auffälligkeit oder nicht?
    - Wissen sie es aber leugnen es?
    - Wie behandeln sie ADHS (Tabletten oder nicht)?
    - UND: Gehen sie aufrichtig mit der Auffälligkeit um?

    Hallo,

    ich danke euch erst mal für eure Antworten. Mich würde tatsächlich weiterhin interessieren, wie euer Konzept aussieht. Mir wurde nämlich nun schon mitgeteilt, dass unseres sehr familienfreundlich sei, was ich überhaupt nicht sehe...

    Definiere "familienfreundlich".

    Selbst ein noch so familienfreundliches Konzept kann aufgrund der Bedingungen vor Ort zu individuellen Härten führen. Und als Schulleitung musst Du immer das gesamte Kollegium im Blick behalten. Die ungekürzte Unterrichtserteillung und die Erstellung des Stundenplans haben gegenüber der Familienfreundlichkeit Priorität. Es geht in Schule primär um die Beschulung der Schülerinnen und Schüler und nicht um die Präferenzen der Lehrkräfte - so hart das auch klingen mag.

    Was die Firelilly und die übermotivierten und die faulen Lehrkräfte angeht:

    Ich würde diese Kategorien vermeiden. Ein durchschnittlich motiviertes Kollegium wird JunglehrerInnen immer mit Argwohn begegnen, weil die jungen Wilden noch nicht "verbraucht" oder "verbrannt" sind und somit am Anfang vor dem Realitätsschock alles geben können und wollen. Die teils paranoid anmutende Angst, die Probezeit nicht zu bestehen, tut ihr übriges. Das kann man ihnen eigentlich nicht übel nehmen. Die allermeisten Lehrkräfte kommen aber irgendwann auf dem Boden der Tatsachen an.

    Umgekehrt wird einer jungen wilden Lehrkraft ein durchschnittlich motiviertes Kollegium immer als unmotiviert erscheinen. Es ist eine Frage des Standpunkts. Wie weit ich links stehe, ist egal. Ich stehe links. (Oder eben umgekehrt.)

    Ein bisschen Verständnis und Nachsicht für die jeweils andere Seite erscheint mir hier mehr als angebracht.

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