Beiträge von Bolzbold

    Wenn man weiß, woher es kommt, ist es leichter, damit umzugehen.


    In meiner Nachbarschaft gibt es zwei "Motive".

    Das eine ist eine allgemeine Frotzelei, die unabhängig vom Beruf stattfindet. Das andere ist der Versuch der eigenen sozialen Aufwertung durch moralische Abwertung des Gegenübers und ist schnell zu durchschauen. Im direkten Gespräch reagiere ich darauf dann so, dass ich bei den in der Regel angeführten Privilegien (Verbeamtung, 12 Wochen bezahlter Urlaub, vormittags Recht, nachmittags frei) trocken sage: "Ja, da hast Du Recht. Aber dann habe ich doch im Gegensatz zu Dir alles richtig gemacht, oder?" Oft kommt dann der Zusatz, dass man selbst ja nicht mit den Kindern arbeiten wolle, dass das ja sicherlich stressig wäre. Innerer Reichsparteitag abgeschlossen. 8)

    Ich lese solche Artikel auch ab und an - pro LehrerInnen, contra LehrerInnen, anti LehrerInnen.

    Es ist leider Teil des Spiels, dass andere Leute meinen, sich über unseren Beruf und dessen Ausübung erheben zu können. Genauso wie über Fußballstars, Fußballtrainer, die Kanzlerin und wen auch immer.

    Das juckt mich nicht mehr, weil ich es zum einen nicht ändern kann und auch - in Bezug auf die KollegInnen, die aktiv zu unserem schlechten Image beitragen - auch nicht ändern möchte. KollegInnen zu erziehen ist nicht meine Aufgabe. Und wie zu jeder Zeit in der Geschichte der Menschheit haben Menschen zusammengefunden und über Dinge, die sie objektiv stören oder Dinge, über die sie sich meinen aufregen zu müssen, geredet.

    2005, als ich anfing, gab es als A13er Stufe 5 sage und schreibe 3164,50 € brutto.

    Hätte ich 2021 als A13er Stufe 5 angefangen, wäre ich bei 4463,40€ gewesen.

    Das ist eine Steigerung um knapp 1300 Euro oder 41%. Ausgehend von der Inflationsrate von 2% pro Jahr innerhalb der letzten 16 Jahre wäre das eine Teuerung von 37%. Somit gibt es also ein klein wenig mehr als vorher. Wenn wir eine Inflationsrate von nur 1,5% ansetzen würden, wären wir hingegen nur bei knapp 27% Teuerung. Da würde sich das Besoldungsplus dann tatsächlich deutlich auswirken.

    @samu 

    Das mag in vielen Fällen tatsächlich so sein - bei mir gab es genug KollegInnen, die so zufrieden waren (oder zumindest so schienen). Ich kann mir in einem Bereich auch sehr gut vorstellen, diesen Schwerpunkt bis zur Pensionierung (und ggf. darüber hinaus) auszuüben. Daher werde ich in den nächsten Monaten gezieltere Überlegungen dazu anstellen, wie sich das im Idealfall mit Unterstützung meines zuständigen Dezernenten eintüten lässt.
    Die Perspektive , bis 2041 primär nur zu unterrichten und dabei Tausende Klausuren zu korrigieren und Hunderte Abiturprüfungen abzunehmen, erschien mir dann doch wenig erbaulich.
    Meine alte Schule und ich fühlte sich irgendwann so an, wie eine gescheiterte Beziehung. Man hatte sich auseinandergelebt, ist aber ohne Streit oder großen Knall auseinandergegangen. Als ich vor ein paar Monaten aufgrund eines Dienstgeschäfts dort war, fühlte es sich an, als würde ich "meine Ex" besuchen...

    Was die Weiterentwicklung angeht, so sollte man auch berücksichtigen, dass Weiterentwicklung nicht automatisch "Karriere" bzw. Beförderung und Aufstieg bedeuten muss.

    Es kann ein (temporärer) Wechsel zu einer anderen Dienststelle mit anderen Aufgabenbereichen sein.

    Es kann ein anderer Schwerpunkt innerhalb der Schule sein, der einen ganz anders fordert (und fördert).
    Es kann eine Beförderung in Verbindung mit der Übernahme von mehr Verantwortung sein.

    Ich kenne ehemalige LehrerInnen, die früh SchulleiterInnen, dann DezernentInnen bei den Bezirksregierungen geworden sind und dann den Sprung ins MSB gemacht haben und dort Referatsleitungen übernommen haben. Die Spitze der Pyramide ist da oben natürlich sehr, sehr dünn.

    Ich glaube, es ist wichtig, irgendwie "in Bewegung" zu bleiben und nicht in den immer gleichen Tätigkeiten und Abläufen zu verharren, weil man dann sein Berufsleben auch direkt zur Pensionierung vorspulen kann, weil nichts Neues mehr kommt. Es gibt viel Lehrkräfte, die das so machen bzw. gemacht haben und sich teils bewusst dafür entschieden haben. Für mich wäre das nichts gewesen. Die Vorstellung, nach 35 Jahren quasi aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen und sich zu fragen, was ich all die Zeit gemacht habe und keine Antwort darauf finde, habe ich so gruselig gefunden, dass es mir den letzten Schub gegeben hat, mich auf eine Abordnungsstelle zu bewerben.

    griding

    Der Vollständigkeit halber muss man natürlich sagen, dass ein Wechsel in die Verwaltung zunächst in der Regel durch eine befristete Abordnung erfolgt. Daraus kann natürlich dann auch die Möglichkeit erwachsen, dort zu bleiben, sofern es Stellen gibt und man sich erfolgreich bewirbt.

    Insofern war die Rückkehr von Anfang "gesetzt" und ist ja der Normalfall. Aber ich habe diesen Schritt keinen Tag bereut und in der Zwischenzeit sehr viel gelernt.

    Also aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich im Vorfeld informieren sollte, welche Art von Tätigkeiten in der Verwaltung oder der Uni auf einen zukommen. Diese unterscheiden sich ganz erheblich vom Kosmos Schule.

    In meinem Fall habe ich festgestellt, dass ein Teil meiner Persönlichkeit für die Verwaltung wie geschaffen ist dass aber der andere Teil dadurch jetzt über einen für mich allmählich zu langen Zeitraum quasi "unterdrückt" werden musste, weil dieser Teil in der Verwaltung nicht gefragt ist. Das kann ich vielleicht noch ein oder zwei Jahre so weitermachen, aber danach werde ich wohl wieder in die Schule zurückgehen, weil sich der andere Teil eben auch wieder "ausleben" können muss und ich persönlich sonst in eine echte Schieflage gerate. Vielleicht entscheide ich mich sogar dafür, diesem Teil noch stärker nachzugeben als ich es ursprünglich vorhatte - weil ich glaube, dass es mich glücklich macht.

    Das kann man m.E. auch nicht zentral aus dem MSB vorgeben, sondern muss durch die Schulen entschieden werden, weil Kursgrößen, Raum- und Personalkapazitäten eben äußerst unterschiedlich sein können. Einen 30er Englisch LK kann (bzw. darf ich) ich vielleicht auch leichter auf zwei Räume aufteilen als einen 30er Chemie LK mit Experimentalunterricht.

    Formal ist das durchaus OK, wenn wir nicht von 30er Kursen sprechen. Einen kleinen GK in voller Stärke zu beschulen, halte ich für vertretbar.

    Man kann in der Tat hinterfragen, ob es sinnvoll ist große LKs oder GKs in voller Sollstärker in einem Raum zu beschulen - da sollte es ja Möglichkeiten der Verkleinerung der Lerngruppen geben - Räume sollten ja genug vorhanden sein.

    Das habe ich auch seit Jahren nicht mehr gemacht. Und das war gut so. Anrufe samstags morgens um halb neun wegen Lappalien fand ich nicht sonderlich lustig.


    Eine Dienstnummer hatten meine Frau und ich auch mal überlegt, sind aber davon weggekommen. Wer uns erreichen möchte, möge uns eine Mail schreiben - dann haben wir wenigstens die Möglichkeit zu entscheiden, wann wir zur Verfügung stehen.

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