Naja, man kann es auch als Vorteil unseres Berufs sehen, dass es letztlich scheißegal ist, wie gut Du Deinen Job machst, solange Du Dir nicht wirklich etwas zu Schulden kommen lässt. Das ist in der freien Wirtschaft sicherlich oft anders. Du bekommst das gleiche Geld - egal wann und wie oft Du krank bist, wie gut oder schlecht Du arbeitest, wie Du Dich engagierst oder nicht.
So gesehen ist unser Job für mediokre Leistungen und Underachievement geradezu prädestiniert, zumal jede(r) von uns ein Lied auf die "schlechten" Lehrer, die jede(r) von uns hatte, singen kann.
Es liegt mir absolut fern, dies qchn zu unterstellen - das wäre auch völlig daneben. Aber dieser Aspekt unseres Berufs ist leider auch ein Zugpferd.
Für diejenigen von uns, die jeden Tag ihr Bestes geben, sich beide Beine für ihre SchülerInnen ausreißen, sich unterrichtlich wie außerunterrichtlich engagieren, gibt es jedoch systemisch bedingt faktisch nur selten Anerkennung. Die wenigen Male, in denen man ein aufrichtiges, nicht -opportunistisches positives Feedback bekommt, muss man sich schon einrahmen. Das negative Feedback überwiegt zumindest quantitativ. Beförderungen werden in der Regel nicht nach Leistung sondern nach Opportunität, formalen Kriterien und nach "divide et impera" vergeben - oft mit jahrelangen "Vorleistungen" der KollegInnen, denen man eine Beförderung vage in Aussicht gestellt hat. Für 14 von 15 meiner KollegInnen am Gymnasium ist bei einem Kollegium von 60-80 Personen und vier bis fünf A15 Stellen mit Ernennung zum/zur OStR(') Schluss. Da gibt es kein Weiterkommen mehr, weil der Stellenkegel es nicht hergibt. Eine echte Weiterentwicklung an der eigenen Schule ist oft nicht möglich oder erfordert entweder eine Versetzung oder einen (temporären) Wechsel in die Schulverwaltung.
Sich da aufgrund seiner Bezügemitteilung und der strahlenden Kinderaugen jeden Tag aufs Neue selbst motivieren zu können, ist wahlweise bemitleidenswerte Selbstausbeutung oder bewundernswert.
Beiträge von Bolzbold
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Der Begriff sozial schwach ist m. E. hier deplatziert.
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Akademisierung wird mit sozialem Aufstieg bzw. mit höheren Sozialstatus und höherem "Niveau" gleichgesetzt. Gleichwohl gibt es auch genug Menschen ohne Abitur, die es "geschafft" haben. Dennoch hat die durchaus wohlhabende Friseurmeisterin meiner Großmutter als Kleinunternehmerin mit eigenem Salon oft ein Naserümpfen erleben dürfen, wenn sie auf entsprechenden Events nach ihrer Profession gefragt wurde.
Am Rande:
Bei uns in der Nachbarschaft ist eine Familie von "Ruhrpott-Edelprolls" eingezogen. Offenbar viel Kohle, ein freistehendes Einfamilienhaus, zwei teure Autos, viel teures Interieur, müssen sofort jedem Trend hinterherrennen, meinen ständig mithalten zu müssen. Aber sobald sie den Mund aufmachen, merkt man dann doch den "Stallgeruch". -
Also wir haben zu diesem Themenkomplex nun wirklich mehrere Threads aus der Vergangenheit vorliegen.
Und jedesmal haben sich verschiedenste UserInnen deswegen in die Wolle gekriegt.
Müssen wir die x-te Wiederholung davon haben? -
Wir LehrerInnen können das sagen, weil wir wissen, wie das Schulsystem funktioniert. Da haben wir wirklich einen Standortvorteil.
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Edit: wir haben immer mal wieder lernbehinderte Kinder aus sozial durchschnittlichen Familien. Ein solcher Vater, den ich bislang überhaupt nicht kannte, eröffnete ein Gespräch so: meine Große geht übrigens aufs Gymnasium."
Off Topic:
Das erinnert mich an den Bankberater, ein Schnösel, der ca. 15 Jahre jünger war als ich.
Bei der Kontoeröffnung sah er sich meine Bezügemitteilung an und fragte:"Sie sind Lehrer?"
"Ja."
"Grundschule, oder?"
"Nein, Gymnasium."
"Sie machen also auch Abitur und so etwas?"
"Ja mache ich." (zunehmend indigniert.) -
Ich finde es übel, dass viele erleben, entweder das "schwarze Schaf" zu sein, WEIL sie überhaupt studieren, oder weil sie NICHT Ärzte/Ingenieurinnen geworden sind. Meine Güte, wir sind die ersten beiden Generationen, die alle Möglichkeiten haben, sich bewusst für einen Beruf zu entscheiden und wieder geht es nur um Vorurteile, Dorfgetratsche und Standesdünkel. Kann man seinen Kindern nicht einfach mal zutrauen, dass sie das Richtige für sich finden? Und da wundert man sich über die Gymnasialempfehlungsdebatte.
Doch kann man. Aber in einer Zeit, in der nur das Abitur alle Möglichkeiten sofort bietet, bleibt angesichts des Rennens um die besten Plätze an der Sonne keine Zeit zum rechts oder links Schauen...
... meine Frau und ich klinken uns bei solchen Diskussionen in der Nachbarschaft immer aus. Wir sind Profis für zwei weiterführende Schulformen und wissen, worum es geht. Aber viele Eltern sehen eine andere Schulform als das Gymnasium für ihr Kind als degradierend. -
Also angesichts eines Bankers in einem Spezialbereich, der sechsstellige Beträge nach Hause bringt, zwei promovierter Juristen, eines promovierten Informatikers, einer Referatsleiterin des Bundestags i.R. darf ich mich wohl als das "schwarze Schaf" der Familie erachten. Das hat ein Familienmitglied tatsächlich einmal so angedeutet.
Nun sind meine Frau und ich auch weitgehend unprätentiös - das fällt dann natürlich (negativ) auf. -
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julia
Ich arbeite in der Behörde. Wir können aktuell gar keine Teamsitzungen ohne Videokonferenzen abhalten. Nun frage ich mich gerade, was wohl in meinem Fall passieren würde, wenn ich ähnliche Befindlichkeiten wie Du an den Tag legen würde. Immerhin sieht mein Vorgesetzter den Hintergrund meiner Arbeitsecke... -
Naja, dann hier hier plötzlich Not am Mann und schwups ist man weg. Das geht schon. Und darüberhinaus, liegen mir dann jeden Arbeitstag 400 Steine irgendwo im Weg.
Julia, sei mir nicht böse, aber ich wünsche mir wirklich inständig, dass Du ein Fake bist - ein halbwegs guter Fake, aber eben ein Fake. Ich frage mich wirklich, wie Du mit dieser Haltung und diesen Fragen, die Du hier stellst, in welchem Kollegium auch immer klarkommen willst. Das ist wirklich gruselig.
Ist Dir nicht im Laufe dieses Threads anhand der Reaktionen irgendwann einmal aufgefallen, wie die anderen User reagiert haben? -
Ich bin gegenwärtig abgeordnet.
Gleitzeit von 41 Stunden die Woche - feste Arbeitszeiten, freie Wochenenden, sechs Wochen Urlaub im Jahr reichen völlig, Telearbeit möglich - aktuell voll im Homeoffice. Eine überschaubare Anzahl von Menschen, Zeit zum aufs Klo gehen, Zeit, um mal durchzuschnaufen, reine Verwaltungstätigkeit mit abgesprochenen Spielräumen, vom Dienstherren überlassenen Dienstlaptop inkl. Peripherie.
Tätigkeiten sind abhängig vom Dezernat / Referat und dem Geschäftsverteilungsplan. Aus Diskretionsgründen werde ich hier nicht schreiben, wo ich genau arbeite. -
Erwachsene mündige Bürger müssen aber auch Miete zahlen...
Ich kann nur hoffe, dass diese Aussage nicht stellvertretend für das Niveau der TE steht.
Erwachsene, mündige Bürger "müssen" per se keine Miete zahlen. Sie tun dies in der Regel freiwillig bzw. willentlich, da sie ebenso wissentlich und willentlich einen Mietvertrag unterschrieben haben. Wohnung gegen Geld. Wenn jedes Rechtsgeschäft nun zum Zwang pervertiert wird, dann brauchen wir die Diskussion, die die TE angeschoben hat, nicht mehr mit ihr weiterzuführen. -
julia
Wenn wir den Nutzen von Technologie oder die Anwendung derselben immer von der potenziellen Möglichkeit des Missbrauchs abhängig machen würden, wäre das der Tod jeglicher Innovation. Diese Denkweise ist ja gerade in Deutschland weit verbreitet und in meinen Augen neben dem administrativen Kompetenzwirrwarr DER zentrale Hemmschuh in Richtung Digitalisierung in Schule. -
Vielleicht wäre diese Lektüre hier zielführender:
LDI-NRW---Pandemie-und-Schule-18_05_2020.pdf - ab Seite 11. -
Jemand muss es tippen...
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Von den Maßnahmen hier ist in der Schulmail nicht viel Neues zu lesen,
Keine Klassenarbeiten in Sek I; Klausuren nur in Q1/Q2, nicht in EPh. Notengebung ansonsten auf der Basis dessen, was man hat. Explizit steht auch diesmal drin, dass die Notbetreuung ggf. auch durch die Lehrkräfte zu erfolgen hat. -
Auch wenn das in Einzelfällen vorkommt, muss man sich überlegen, wie ein solches Kind noch in die Klassengemeinschaft der weiterführenden Schule eingegliedert werden kann, wenn es womöglich zwei bis drei Jahre älter als die anderen MitschülerInnen ist.
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Man kann sich auf echter wie auf angemaßter moralischer Überlegenheit nicht ewig ausruhen und dies als "Gott gegeben" erachten. Man muss dafür aktiv etwas tun, sofern es überhaupt ein erstrebenswertes Ziel ist.
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Knapp die Hälfte der amerikanischen Wähler hat sich auf einen pervertierten Freiheitsbegriff sowie auf das Primat der individuellen Deutungshoheit über die Realität eingelassen.
Das Ganze wird hier in Deutschland leider früher oder später ähnlich funktionieren. Hier sind uns die Amerikaner ironischerweise tatsächlich einen Schritt voraus - und noch haben wir die Chance, den schrecklichen Kulminationspunkt einer Entwicklung, die scheinbar unaufhaltbar ist, zu verhindern.
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