Karl-Dieters Frage mag zwar zunächst sehr hart klingen, doch ist sie vermutlich die zentrale Frage,
Angst ist selten ein guter Ratgeber für Entscheidungen - das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Beiträge von Bolzbold
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Ich kann die Erfahrungen von Maylin85 nur bestätigen.
Bei mir waren es "nur" sechs Monate als Vertretungskraft und das Glück, dass an einer Schule mit Bili-Profil die Nr. 1 woanders hingegangen ist. Meine Ordnungsgruppe war im Vergleich zu dem, was ich hier lese, vermutlich gruselig. Die Sünden der Jugend wird man eben nicht los. Aber letztlich hat alles gepasst. Und als es das nicht mehr tat, habe ich entsprechend reagiert. -
Die Kultusministerien halten sich mit einer genauen Taxierung dieser Arbeitszeit ganz bewusst zurück - NRW hat außerunterrichtliche Tätigkeiten im Wesentlichen als "Normaufwand" deklariert, um sich genau vor dieser Taxierung zu drücken. Der Schulbetrieb muss ja trotz massiger Überstunden - z.B. bei Doppelkorrekturfachlehrern - weiterlaufen.
Würde man von einem Arbeitszeitkonto ausgehen, wie es in der Schulbehörde existiert, dann würde man während der Schulzeit vermutlich in der Tat einige Überstunden anhäufen, die man dann als so genannte "FAZ-Tage" (Flexible ArbeitsZeit) abbauen kann. Dazu sind natürlich die Schulferien prädestiniert. Und so kommt es dann vermutlich zu dem stillschweigenden Agreement zwischen Schulbehörde und Lehrkräften, dass man eben nicht über den Urlaubsanspruch von 30 Tagen hinaus an jedem anderen Ferientag unter der Woche seine 8h 12' ableistet.
Nebenbei:
Was das Abarbeiten von Akten angeht, so gibt es zumindest in der Schulbehörde keine Vorgabe - die kann es auch nicht geben, weil das Arbeitsaufkommen nicht linear ist. Es gibt wiederkehrende Aufgaben, die "saisonbedingt" anfallen (z.B. ZP10 oder Abitur). Natürlich gibt es sehr eilige Vorgänge, die werden dann priorisiert. Ansonsten ist es insofern aber sehr entspannt, da man selbst bei zügigem und effizientem Arbeiten eben sagen kann "was ich heute nicht schaffe, mache ich morgen". Und wenn es etwas Dringendes ist, macht man eben Überstunden und baut sie dann nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten ab, oder man geht eben an ein paar Tagen jeweils eine Stunde früher, kommt etwas später etc. -
Ich denke schon, dass Du damit eine Chance hast - immerhin hast Du ja Dein Examen bestanden. Natürlich wirst Du Dir ggf. im Auswahlgespräch kritische Fragen der Auswahlkommission anhören dürfen. Darauf solltest Du Dich vorbereiten.
Falls Du eine bili-Zusatzqualifikation gemacht hast und Du Dich an bili-Schulen bewirbst, wäre diese Zusatzqualifikation immerhin ein hartes Kriterium.
Und die Schulen, die Dich einladen, werden in der UPP-Note alleine sicherlich nicht pauschale Unfähigkeit annehmen. Die haben alle mal Examen gemacht und ggf. ähnliche Ergebnisse eingefahren... -
Samus Ausführungen kann ich nur unterstreichen. Deine hier geäußerte Motivation, auch wenn diese vielleicht nur ein Ausschnitt des Gesamtbilds ist, könnte in der Tat zu einem Problem werden.
Was Deine Persönlichkeit angeht - es gibt in jedem Kollegium die ganze Bandbreite an Persönlichkeiten, von extrovertiert bis Einzelgänger. Und es gibt immer die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Wenn ich auf mich selbst als 21jährigen zurückblicke, dann hätte mein heute 46jähriges Ich auch so seine Probleme, sich diesen Jungspund später als Lehrer vorzustellen. Eigene Schwächen und "Arbeitsfelder" zu erkennen, ist aber ein zentraler Baustein für eine Weiterentwicklung. Ich kenne genug Lehrkräfte, die eher introvertiert sind bzw. die keine Entertainer sind und trotzdem geschätzt sind. Umgekehrt können einen die Entertainer auch ziemlich nerven, wenn man mit der Art nicht kann.
Zurück zu Deiner Motivation:
Die Verletzungen, die Du als Kind und Jugendlicher erlitten hast, haben Dich geprägt. Inwieweit man daraus einen "Missionsgedanken" ableiten sollte, wage ich jedoch zu bezweifeln. Du wirst früher oder später feststellen müssen, dass Du eben nicht die Welt retten oder verbessern kannst - und das wäre die Fahrkarte in chronische Unzufriedenheit und Burnout.
Mit Physik und Erdkunde bist Du in der Sek I Nebenfachlehrer und hast entsprechend viele Lerngruppen, aber wenig Einfluss. In der Oberstufe kann das anders sein, wenn Du einen LK übernimmst und Tutor bist.
Deine Ängstlichkeit kann ich verstehen, doch wirst Du diese überwinden müssen - denn Schüler merken das ganz schnell, ob jemand in sich ruht und mit sich selbst im Reinen ist oder eben nicht. Auch wenn ich mit dem Rat, eine Therapie zu machen, nicht inflationär um mich werfe, so würde ich an Deiner Stelle überlegen, welche zentralen Baustellen es in Deinem Leben gibt und ob diese Deine Lebensqualität entscheidend einschränken. Dann kann eine Therapie durchaus sinnvoll sein. Was jeder Lehrer aber unbedingt lernen sollte bzw. gelernt haben sollte, ist, sich selbst so zu akzeptieren wie man ist und mit sich ins Reine zu kommen.
Ich wünsche Dir viel Zeit und Energie, in Dich zu gehen und zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen. -
Falls die TE den Schmoll-Artikel aus der FAZ meint, so dünkt mich, dass das Eingangsposting im Wesentlichen Trigger sein sollte.
Nur am Rande: Wenn ich Internetmobbing gegen Lehrkräfte als psychische Gewalt definiere, dann muss die Gewalt gegen Lehrkräfte angestiegen sein. Vor 20 Jahren war das nämlich noch nicht möglich - und was physische Gewalt angeht, haben sich die meisten Schüler gottlob immer noch im Griff. -
Ich stimme O. Meier hier ausdrücklich zu. Die Motivation, in die Schule zu gehen, darf nicht die Unzufriedenheit in Deinem aktuellen bzw. letzten Job sein. Und die Aspekte, die Dich so massiv gestört haben, kommen in der Tat auch im Schulwesen vor - eins zu eins.
Wenn Du nicht intrinsisch mit jungen Menschen zusammenarbeiten möchtest, Dich das ein Stück weit ausfüllt und erfüllt, dann lass die Finger davon. -
Das ist letztlich immer eine Frage, wie (schlimm) es vorher war.
Die freie Wirtschaft KANN besser bezahlen und KANN bessere Arbeitsbedingungen bieten. Ob, wann und wo das der Fall ist, das ist natürlich eine ganz andere Sache.
Der öffentliche Dienst KANN auch bessere Arbeitsbedingungen bieten - außerhalb des aktiven Schuldiensts. Ich weiß nicht, ob ich gerade wirklich meine 41 Stunden Büroarbeit mit 30 Tagen Urlaubsanspruch wieder gegen meinen "Halbtagsjob" mit "zwölf Wochen bezahltem Urlaub" eintauschen möchte.
Die Stänkerer wird das natürlich nicht besänftigen - sie werden dann irgendeine Charakterschwäche bei mir erfinden, die dafür verantwortlich ist... -
In Bayern kann nicht jeder aufs Gymnasium. In NRW schon. In Bayern gibt es fast keine Gesamtschulen. In NRW jede Menge.
Dass da unterm Strich qualitativ etwas anderes bei herauskommen muss, dürfte evident sein. -
Ergänzend zu Seph würde ich noch betonen wollen, dass Situationen besonders dann belastend sind, wenn man viele Mikroentscheidungen treffen muss oder viele Dinge am Besten gleichzeitig erledigt werden müssen und mitunter gedanklich diametral auseinandergehen.
Letzteres ist so ziemlich das einzige, was ich in der Behörde im Rahmen meiner Arbeit noch als belastend empfinde. 41 stunden im Büro sind ein Klacks gegen ein volles Deputat mit Korrekturfach, Stufenleitung, A14-Zusatzaufgabe und Ensembleleitung. -
Oft steht in entsprechenden Erlassen, dass den Ersatzschulen empfohlen wird, ähnlich zu verfahren.
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Ja, wenn die Arbeitszeit elektronisch erfasst wird und man auch noch angeben muss, welche Art Arbeit gerade gemacht wird, kann da natürlich niemand lügen.
Wieso muss denn die Lehrereigenschaft hinterfragt werden, weil jemand 3500 Stunden Jahresarbeitszeit für ein Gerücht hält?
Interessant wäre hier die Definition von Arbeitszeit. Wenn ich außerhalb des Unterrichts oder des heimischen Schreibtischs auf einem privaten Familienspaziergang aus unerfindlichen Gründen Gedanken über meine nächste Unterrichtsreihe, eine pädagogische Entscheidung, das Chorkonzert am kommenden Wochenende oder was auch immer mache, ist das dann nicht auch Arbeitszeit? Ich glaube, der fließende Übergang zwischen Freizeit und Arbeitszeit ist das, was vielen Lehrkräften sehr zu schaffen macht. Ich merke ja den direkten Unterschied, seitdem ich in der Behörde arbeite. Laptop aus, ausgestempelt, Feierabend. Bis zum nächsten Dienstbeginn. Klar, ab und an denke ich auch mal über einen Vorgang noch ein paar Minuten nach - das ist aber mittlerweile eher die Ausnahme - selbst im Homeoffice.
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Nun ja, was man bei Mummert & Partner sehen konnte, unabhängig von der wissenschaftlichen Relevanz oder der methodischen Korrektheit der Studie, war, dass unliebsame Ergebnisse mit ebenso unliebsamen Reaktionen seitens des Auftraggebers, hier das Land NRW, beantwortet wurden.
Ich vermute, dass eine "aufrichtige" Arbeitszeitstudie im Wesentlichen folgende Dinge bestätigen wird:
a) Es gibt Lehrer, die aufgrund ihres Gesamtpakets an Aufgaben viel zu viel arbeiten müssen. Diese Lehrer müssten entsprechend entlastet werden.
b) Es gibt Lehrer, die zu wenig arbeiten. Da wäre es dann wichtig, die Ursachen zu ergründen.
c) Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den Fächern.
d) Es gibt objektive Kriterien für Belastung - hier die Arbeitszeit - aber eben auch solche, die nicht in der Arbeitszeit zu finden sind.
e) Korrekturfachlehrer haben eine im Vergleich zu Nebenfachlehrern unabhängig vom individuellen Fall statistisch eine objektiv höhere Arbeitszeit.
Das Ergebnis einer solchen Studie kann keinem Dienstherren gefallen, da dies in der Regel bedeuten würde, mehr Personal ins System zu stecken und die Pflichtstunden für zu viele Lehrkräfte abzusenken - sprich mehr Geld für Bildung auszugeben. Wie man damit umgeht, hat die Reaktion NRWs auf Mummert & Partner eindrucksvoll gezeigt. -
Ich sage es immer wieder: Mummert und Partner. Die kamen zum Teil auf 3.500 Stunden. Da diese Studie aber dem Land als Auftraggeber nicht genehm war, verschwand sie sang- und klanglos in der Schublade. Einige Tätigkeiten (Konferenzen etc.) wurden zum Normaufwand deklariert, verschwanden so aus der Arbeitszeitberechnung - und schon stimmte die Rechnung wieder aus Sicht des Landes.
Das ist für Teilzeitkräfte - insbesondere für unterhälftige - fatal und somit ein richtig fieses Minusgeschäft.
http://www.rboelling.de/download/l-arbzeit.pdf -
Mein Lebenslauf war nicht geradlinig, weil es sich nun einmal so ergeben hat und ich das Leben nicht als Wettrennen begreife. Auch meine Kinder müssen nicht übergefördert werden, um im von vielen so empfundenen Wettrennen um gesellschaftliche Positionen einen Vorteil zu erlangen.
Ich bin Durchschnitt - weder Over- noch Unterachiever, habe mein privates Glück gefunden und bin auch beruflich gegenwärtig ein zufriedener Mensch. Und wenn Letzteres eines Tages nicht mehr der Fall sein sollte, muss ich halt etwas ändern. -
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Ich denke, da sind sich die meisten einig.
Der Weg ist egal, solange das Ergebnis für einen selbst (und im Falle des Lehrerberufs für seine SchülerInnen) in Ordnung ist. -
Ah ich habe nirgendwo gelesen, dass man eine bestimmte Dauer im Schuldienst sein muss, um am Austausch teilzunehmen. Gut zu wissen, dass auch nur die Zeit in der man offiziell vom Land angestellt ist zählt und Jahr(e), die man sonst schon unterrichtet hat, egal sind. Gut, dass man erst dann Erfahrungen sammelt und davor einfach ohne Sinne durchs Klassenzimmer getorkelt ist

#105
q.e.d.
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@Neutrino
Ich glaube, Du verwechselst Inkompetenz mit Unerfahrenheit. Das mag in einigen Fällen korrelieren, jedoch ist das natürlich kein Automatismus.
Wie Chili schon schrieb - ein wenig Demut oder Bescheidenheit wären hier vielleicht angebracht. Hier schreiben auch User mit 15 oder 20 Jahren Berufserfahrung. Ich persönlich würde mir auch nicht von einem Junglehrer oder Referendar die Welt erklären lassen wollen. Andererseits erkläre ich ihnen die Welt auch nicht unaufgefordert. Jeder soll bzw. muss seine Erfahrungen machen.
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