Ich kann Seph hier nur ausdrücklich zustimmen.
Was man hier vielleicht noch berücksichtigen sollte, ist, dass didaktische Autonomie nicht mit Anarchie oder Beliebigkeit gleichzusetzen ist. Ein solches Konzept, das grundlegende Aspekte des Unterrichts und des gesamtpädagogischen Kozepts einer Schule betrifft, sollte immer mit der Schulleitung abgesprochen sein. Ich tendiere dazu - bei allem pädagogsichen Engagement und gutem Willen, den der TE an den Tag legt - das Ganze als einen pädagogischen Alleingang zu betrachten, der so stark in die pädagogischen Konzepte der Schule hineingreift, dass die Schulleitung hier reagieren muss. Ob das in der beschriebenen Form sein muss, vermag ich nicht zu beurteilen.
Was ich viel schlimmer finde, ist das Ignorieren der negativen Auswirkungen, die die Einrichtung eines solchen Spiels mit sich bringt.
Zum einen wären da die Kosten, denn die Basisversion hat erstaunlich wenig Funktionen.
Zum anderen - und das ist für mich der zentrale Aspekt - enthält dieses Spiel ein Element vieler kommerzieller Handyspiele, nämlich ein süchtigmachendes Belohnungssystem.
Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass Schüler durch "Gamification" eine höhere Lernmotivation in Bezug auf den Lerngegenstand und den Kompetenzzuwachs entwickeln. Letztlich ist es die Sucht nach dem Spiel, die wie auch zu Hause dann dazu führt, dass man seine Aufgaben bearbeitet, um anschließend zu spielen. Damit droht die häusliche Lebenswirklichkeit der Schüler nun auch zur schulischen Lebenswirklichkeit zu werden. Schule und das Leben an sich sind kein beständiges Spiel, bei dem Spaß und Belohnung an oberster Stelle stehen. Die Einführung von Gamification in den Unterricht suggeriert aber genau das.
Die eigenmächtige Einführung eines solchen Konzepts dürfte nicht nur den meisten pädagogischen Konzepten von Schulen diametral zuwiderlaufen, sie ist in meinen Augen auch Ausdruck einer bewussten Abgrenzung, womöglich sogar einer Selbsterhöhung gegenüber dem Kollegium. Als Betroffener kann man das als Neid oder Missgunst abtun. Vielleicht ist es aber auch berechtigte Kritik gegenüber jemandem, der offenbar absichtlich gerne mal gegen den Strom schwimmt. Ich bin weder ein Fan von Hyperkonformität noch von Hyperindividualität. Ich hätte, wenn ich denn von einem solchen Konzept überzeugt gewesen wäre, das Ganze auf einer Lehrerkonferenz vorgestellt und versucht, Schulleitung und Kollegium davon zu überzeugen, das Ganze testweise einzuführen und im Falle einer Ablehnung die Schulleitung um eine Genehmigung zur Einführung in meiner Klasse ersucht.
Natürlich kann man jetzt einen Versetzungsantrag stellen oder in die innere Emigration gehen. Die Ursachen der dargelegten Probleme werden dadurch jedoch nicht behoben.