Das 100jährige Jubiläum der ersten Republik heute zu feiern wäre historisch etwas unsauber, zumal es ZWEI Ausrufungen der Republik gab. Die von Liebknecht scheint aber wohl nicht ins Konzept zu passen...
Das wäre übrigens ein reines symbolisches Zahlenspiel, weil der Bürgerkrieg 1918/1919 faktisch ausgeklammert wird und die Weimarer Verfassung erst später entworfen und verabschiedet wurde.
Nebenbei: Du hast den Hitlerputsch in München zwischen dem 8. und 9. November 1923 vergessen.
Was den "Fall der Mauer" angeht, so scheint dieses Ereignis so plakativ symbolträchtig zu sein, dass viele Schüler das Ereignis mit der Wiedervereinigung gleichsetzen. Soviel zu Geschichtsbewusstsein.
Man hat seinerzeit (1990) bewusst ob der Ereignisse 1938 darauf verzichtet, den 9. November als "Tag der Deutschen Einheit" zu feiern.
Dieser Tag ist sozusagen "verbrannt". Und was aus dem 9. November 1938 erwuchs, war bzw. ist wohl weltgeschichtlich bedeutsamer als ein Kommunikationsfehler zwischen SED-Politbüro und den Grenztruppen, der aus meiner Sicht den Charakter eines historischen Zufalls hat.
Gerade angesichts des Umstands, dass viel zu große Teile der Deutschen nach wie vor eine gewisse Affinität zu autoritären Regierungsstilen oder -formen haben, sollte man am heutigen Tag eher mahnend der Ereignisse vor 80 Jahren gedenken anstatt nach dem Motto "wir sind wieder (oder doch) wer" den 9. November feiern.
Ich bin mit Sicherheit kein Anhänger der Büßermentalität, aber den 9. November zu feiern (sic!) käme mir definitiv NICHT in den Sinn.
Eine Gedenkstunde angesichts des Endes des 1. Weltkriegs könnte ich mir hingegen durchaus vorstellen, weil man hier sowohl deutscher als auch aller anderer Opfer gedenken würde.