Beiträge von Bolzbold

    Die Kollegin vermutet hier den Grund: sie könnte dann sagen, ich hätte sie unfair behandelt , denn nach der Verkündung der Aufsichten begann das Ganze und das Mädchen wird seinen Abschluss wohl nicht schaffen

    Und womöglich würdest Du dann unbewusst netter korrigieren, damit die Vorwürfe sozusagen widerlegt würden und sie schafft infolge dessen die Prüfung?
    Klingt nach schlechtem Drehbuch einer Seifenoper, aber auszuschließen ist das nicht.
    Wenn es gefühlt um die Existenz geht bzw. diese als bedroht angesehen wird, kommen Leute manchmal auf die abstrusesten Ideen.

    Es gibt bei uns Sperrzeiten und es gibt das Gegenteil davon. Letzteres sind so genannte "Exkursionsinseln", d.h. dass Exkursionen bis auf wenige Ausnahmen nur in diesen eng begrenzten Zeiträumen genehmigt werden. Das hat dann natürlich während der Zeiten dieser Inseln ein bisschen Chaos zur Folge, weil viele Kollegen mit Klassen weg sind, dafür ist es für den Rest der Zeit aber friedlich.

    Danke! Diesen Satz muss ich mir merken. Ich verstehe dieses „...mit dem Anwalt drohen...“ auch immer nicht. Der Beruf des Anwalts muss für viele irgendwas Angstbesetztes haben...

    Das dürfte stellvertretend für das Beschreiten des Rechtswegs stehen, was per se schon Unannehmlichkeiten und ungewissen Ausgang suggeriert. Manche SLs lassen sich von Anwälten sogar beeindrucken.

    @meike

    Es lag mir fern, die Feminismus-Bewegung bzw. die antifeministische Bewegung zu kritisieren bzw. zu legitimieren. Diese Diskussion passt ja letztlich auch nicht zum Kopftuch.
    Einmal abgesehen davon kennst mich ja nun auch schon eine Weile und weißt sicherlich, dass mir antifeministische Anwandlungen völlig fremd sind. (Und meine bessere Hälfte würde da sicherlich auch "korrigierend intervenieren"...)

    @Anja82 und andere

    Ich klinke mich an dieser Stelle aus der Diskussion aus, weil sie zeigt, dass die persönliche Einstellung zu dieser Thematik in einigen Fällen Exklusivität beansprucht und somit eine sachliche Argumentation verhindert. Wenn für Euch Kopftuch = Unterdrückung gilt, dann möge das so sein. Ich muss und möchte hier keinen User - um beim Thema zu bleiben - missionieren.
    Die Kernproblematik, die der Kopftuchdebatte zugrunde liegt, ist ohnehin wie von mir dargelegt eine andere - darüber mache ich mir deutlich mehr Sorgen.


    Verschleierung. Mir konnte noch keine einen Grund nennen, der nichts mit Unterdrückung der Frau zu tun hat. Ich kenne zahlreiche junge Türkinnen, die erst mit der Ehe das Kopftuch anlegten... Also beim deutlichen Großteil, zumindest hier in der Großstadt, bin ich überzeugt, dass es ein Zeichen von mangelnder Gleichberechtigung ist.


    Mir schon. Und ich muss gestehen, die selbstbewusste Argumentation zweier Schülerinnen an meiner Schule, die sich ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Aussage nach freiwillig und bewusst für das Kopftuch entschieden haben, hat mir schon einiges an Respekt abgenötigt. Es handelte sich dabei um zwei blitzgescheite Mädchen, die akzentfrei Deutsch sprachen, sehr gute Noten hatten, sozial engagiert waren und wussten, was sie später im Leben machen wollten.
    An der Freiwilligkeit des Kopftuchtragens hatte ich keinen Zweifel angesichts der Begründung, die sie lieferten und des Umstands, dass ihre Mütter kein Kopftuch trugen. Ich bin für gewöhnlich ein kritischer und spitzfindiger Mensch, aber im Gespräch konnte ich keine Anzeichen von Indoktination, Fundamantalismus oder sonstiges erkennen.

    Was machen wir nun mit diesen Mädchen, falls sie später einmal Lehrerinnen werden wollten?

    Die Diskussion hier zeigt mir:
    Einige Frauen in Deutschland reagieren anscheinend besonders sensibel auf Diskriminierung, Benachteiligung, mögliche Formen von Unterdrückung etc. Das ist grundsätzlich sicherlich verständlich und zum Teil auch völlig berechtigt.
    Am Beispiel des Kopftuchs geht es aber dann weniger darum, ob ein Kopftuch tatsächlich die Folge von Unterdrückung ist sondern viel mehr darum, dass es aus der Warte einiger Frauen eine Unterdrückung zu sein hat bzw. andere Deutungsmuster per se in Abrede gestellt werden. (Dass nicht sein kann, was nicht sein darf.)
    Letztlich kennen sie aus ihrer eigenen Erfahrung auch keine anderen Deutungsmuster, weil die schleichende Kriminalisierung des Mannes in nahezu allen Lebensbereichen jetzt ihre giftigen Früchte trägt.

    Männer unterdrücken per se Frauen, diskriminieren sie, sind per se Vergewaltiger oder Kinderschänder, sind sexistisch und beharren noch immer auf die althergebrachten Machtgefüge. Dieser "Grundargwohn" gegenüber Männern, aber auch grundsätzlich männlichem Verhalten gegenüber entlädt sich dann eben auch gegenüber einer (muslimischen) Gesellschaft, die zweifelsfrei patriarchaisch ist und basierend auf Tradition und Religion Frauen einen untergeordneten Platz zuweist. Teilweise durchaus zu Recht.

    Natürlich sollten wir gegen den Zwang Kopftuch zu tragen vorgehen. Ebenso sollten wir aber gegen die einseitige Deutung, dass es immer eine Unterdrückung ist bzw. zu sein hat vorgehen. Zwang und einseitige Deutung sind beide falsch.


    Es geht doch gar nicht um die Ablehnung einer Kultur, sondern um die Verschleierung an sich und was sie über die Gleichberechtigung der Frau aussagt. Ich verstehe überhaupt nicht, wie man dieses Argument nicht beachten kann.
    Dann noch einen Schleier im Staatsdienst zu tragen, ein Symbol der Unterwerfung der Frau, nein.

    Solange hier Verschleierung = Unterdrückung der Frau gilt, ist jegliche weitere Diskussion darüber müßig. Ich könnte die Gegenfrage stellen, wieso meine Argumente offenbar noch weniger beachtet werden.
    Verschleierung der Frau KANN Unterdrückung der Frau bedeuten, muss es aber nicht.

    Keine Antwort von dir zum Kreuz und zur Erwähnung, dass man da natürlich neutral zu sein hat?

    Wie würdest du die Symptome bekämpfen? Grenzenlose Toleranz? Ist halt die Kultur? Kinderehen, Beschneidung ohne Betäubung, Zwangsehen, Unterdrückung der Frau, Ehrenmord...


    Was soll ich zum Kreuz sagen? Ich finde, dass die ganze Diskussion mit den Kreuzen - ob nun Zwangsaufhängen oder Verbot letztlich viel zu dogmatisch und ideologisch aufgeladen ist.

    Die Symptome kannst Du nur bedingt bekämpfen. Die Ursachen sind da viel gravierender.
    Solange der Islam sich per definitionem als überlegene Kultur begreift, letztlich aber durch die westliche Kultur das Gegenteil bewiesen bekommt und es zu entsprechenden "Akkulturierungsproblemen" kommt, haben wir da ein dickes Problem, für das ich ad hoc keine Lösung parat habe. Weder bedingungslose Anpassung der Muslime noch grenzenlose Toleranz noch erbarmungslose Abschiebung helfen da weiter. Letztlich müssen beide Kulturen einen Schritt aufeinander zu machen und begreifen, dass sie trotz aller Unterschiede gleichwertig sind. Eine axiomatische Überlegenheit der einen oder der anderen Kultur gibt es nicht.

    Kinderehen, Beschneidung ohne Betäubung, Zwangsehen, Unterdrückung der Frau und Ehrenmorde sind übrigens keine exklusiven Mermale des Islam. Der Großteil dieser Praktiken findet in den "Heimatländern" dieser Kulturen statt und nicht bei uns. Bei uns sind diese Praktiken größtenteils verboten - und das ist gut so - und wer dies nicht befolgt kann und soll bestraft werden.

    Andererseits:
    Was würden kulturell Außenstehende wohl zu den sozialen Erosionssprozessen unserer Gesellschaft sagen, die sich in Promuskuität, Hedonismus, Narzissmus, Selbstoptimierung und dergleichen äußern? Ich kann verstehen, dass eine traditionellere Kultur dies als erhebliche "Bedrohung" ansehen kann. (Bestimmte Regionen in Deutschland haben das auch noch in den 80ern als Bedrohung angesehen...)
    Wenn ich mir die (westlichen) Schüler heutzutage ansehe, mache ich mir da auch so meine Sorgen.

    Mit Verlaub, liebe Anja, aber das ist doch wirklich etwas zu sehr auf den Extremfall gedacht.

    Mit dem Holocaust sozusagen "im Rücken" müssten Deiner Logik zufolge alle deutschen Juden heutzutage viel eher ein Problem damit haben, von blonden und blauäugigen Lehrern oder Lehrerinnen - oder ebenso extrem formuliert wie Du von jeglichen Deutschen - unterrichtet zu werden.

    Ich kann mich nur wiederholen: Die "Verfolgung der Juden durch Muslime" ist in der heutigen Zeit eine unmittelbare Konsequenz der Ausrufung und der währenden Existenz des Staates Israel, der - mit amerikanischer bzw. westlicher Hilfe - allen Moslems tagtäglich aufs Neue zeigt, dass nicht Letztere die politischen Geschicke ihrer Region bestimmen. Was erwartest Du denn dann bitte von den Moslems? Nebenbei haben Judentum und Islam viel mehr Gemeinsamkeiten als das Christentum.

    Abgesehen davon: Jegliche Form von Fremdbestimmung wird hier in Deutschland sofort gegeißelt - sei es in diesem Forum, sei es anderswo. Und im Falle des Nahen Ostens werden dann auf einmal andere Maßstäbe angelegt.

    Mal zur muslimischen Migration allgemein:
    Natürlich würde jeder anständige Deutsch lieber erhobenen Hauptes in seinem Land verhungern oder im Korruptionssumpf versinken oder im Bürgerkrieg umkommen, bevor er sich aufmacht in ein anderes Land, dessen Kultur ihm völlig fremd ist und dessen Bräche und Sitten ihm völlig zuwider sind. Und wenn der anständige Deutsche dann jeden Tag vor die Augen gehalten bekommt, wie minderwertig seine Zivilisation und seine Kultur sind, dann wird er mit Freuden den (Selbst)Offenbarungseid leisten und sich bedingungslos anpassen. (Wer hier die Ironie findet, darf sie behalten!)

    Ich schrieb anderenorts bereits einmal, dass selbst bei 100% Anpassung oder wie in meinem Fall 100% "Deutschsein" man letztlich, wenn nichts anderes als diskriminierendes Merkmal mehr greifbar ist, auf seine Hautfarbe reduziert wird. Weiß = deutsch. Schwarze Haare und ein paar mehr Pigmente als der nordisch-arische Typ = "Du bist aber nicht von hier, oder?", "Wo kommst Du hier?"
    Soviel zum Thema Toleranz. Integration ist keine Einbahnstraße.

    @Wollsocken80
    Ja, ich stimme Dir da zu. Ein nicht unerheblicher Teil der User hier hackt auf dem Symptomen herum, aber ignoriert die Ursachen, die für den Westen eben wenig schmeichelhaft sind.
    Etwas mehr Kenntnis oder Offenheit gegenüber der Geschichte des Beziehungen zwischen Westen und (Nahem) Osten täte dem einen oder der anderen dringendst gut. In der Grundproblematik sind sich ja beide Seiten unter fachwissenschaftlichen Aspekten ja durchaus einig.

    @Anja82

    Ohne Religion weniger Leid?
    Das würde ich so pauschal nicht behaupten.
    Es zeigt sich ja gerade in der westlichen Welt, dass man auch gut ohne Religion genug Leid anrichten kann. Globalisierung funktioniert nicht nach dem Primat christlicher Überlegenheit. Und hier sind es vor allem Nicht-Christen, die leiden.

    Ob ein so riesiges Land wie Indien ohne den Hinduismus nicht längst balkanisiert wäre oder ob es nicht längst in sozialen Unruhen und Chaos versunken wäre, sollte man als Gegenbeispiel auch berücksichtigen.
    (Bevor jetzt wieder jemand mit dem bösen Kastensystem ankommt, so möge man doch einmal dieses System mit unserem System vergleichen. Das ist sich gar nicht so unähnlich - und Geburt spielt da in beiden Fällen eine Rolle...)

    Leute, wisst Ihr, was ich bedenklich finde?

    Wie oft hier von Ehrenmorden, Sittenwächtern etc. gesprochen wird. Es ist keinesfalls so, dass hier tagtäglich Dutzende von Muslimas der Ehre wegen ermordet werden.
    Drangsalierungen, Missbrauch, Gewalt und sonstige Verbrechen finden in hinreichender Zahl auch in unserer "überlegenen Zivilisation" statt. Man mag dann einmal fragen, wie es um die Überlegenheit bestellt ist, wenn das offenbar zivilisatinsunabhängig erfolgt...


    Dieser faschistoide "Bundesstaat" ist alles andere als ein Vorbild, sondern vielmehr ein abschreckendes Beispiel in vielerlei Hinsicht.


    <Mod Modus>

    Liebe Miss Jones,

    ich glaube, dass das dann doch die Grenzen der Meinungsfreiheit ziemlich dehnt, wenn nicht gar überdehnt.
    Vielleicht kann man weniger drastische Begriffe verwenden, um sich dennoch nicht weniger dezidiert zu artikulieren.

    <Mod Modus>

    Die Werbung im Ausgangsposting wurde entfernt, ebenso im Zitat von Morse.

    Lieber Threadersteller,
    Werbung für kommerzielle Anbieter von Schulverwaltungssoftware ist uns jederzeit herzlich willkommen - wenn sie wahlweise im Banner oben rechts oder ganz unten zu sehen ist. Dort wo sie hingehört - kostenpflichtig.

    Und hier zeigt sich wieder die westliche Arroganz. Du urteilst über eine Kultur auf der Basis westlicher Maßstäbe. Gleichzeitig legst Du ein ungeheures Maß an Ignoranz hinsichtlich der Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden - nenne wir sie mal - Kulturräume an den Tag.
    Es geht nicht darum, den konservativen (oder radikalen) Islam zu rechtfertigen. Wer jedoch meint, sich über eine andere Kultur und deren Ausprägungen ein Urteil zu erlauben, sollte diese zunächst einmal von ihrer Genese her zu verstehen versuchen.

    Den Widerspruch zwischen dem Genuss freiheitlicher Werte und dem Ausleben restriktiver Werte innerhalb Ersterer sehe ich ebenso wie Du und empfinde ihn als hochgradig problematisch. Wir können diese Menschen aber nicht einfach so in ihre "Heimat" zurückschicken.

    Wir im Westen zeigen der muslimischen Welt seit gut 200 Jahren, dass wir ihr überlegen sind und dass wir mit der Welt machen können (und wollen), was wir wollen. Zu unserem Vorteil. Auf ihre Kosten. Ohne sie zu fragen.
    Der Westen demütigt die muslimische Welt ein ums andere Mal. Die muslimische Welt bekommt tagtäglich gesagt, sie sei unterlegen.

    Wie würden wir selbst in der Situation reagieren?
    a) Wir räumen die Unterlegenheit ein und passen uns entsprechend an, verraten unsere Tradition und Ideale. (Mal im Ernst, wieviele von uns könnten das wirklich tun?)
    b) Wir besinnen uns auf unsere (vermeintlichen) Stärken und zeigen, dass wir für unsere Werte und Traditionen einstehen (so veraltet und befremdlich sie auf den Westen auch wirken mögen), und gehen damit erhobenen Hauptes durch die Welt. (So sind mögen wir zwar unterlegen sein, aber bewahren uns einen Rest von Selbstachtung).

    Würden wir uns unserer Identität berauben lassen, die wir hier im Westen wie selbstverständlich verabsolutiert haben, nur weil möglicherweise eine andere Zivilisation uns militärisch und ökonomisch überlegen ist?
    Eine solche Erwartung ist letztlich nichts weiter als Sozialdarwinismus. Ich dachte, da wären wir als Menschheit mitterweile einen Schritt weiter.

    Dann lass uns das mal 25 Jahre weiterspinnen. Nähmen wir an, die USA versinken im Schuldensumpf oder sonstigem Chaos und die Chinesen würden ihren Platz übernehmen. Würden wir uns als Deutsche dann bereitwillig dieser neuen militärisch wie ökonmisch überlegenen Zivilisation unterordnen und künftig kollektivistisch denken und handeln?
    Nein?
    OK. Wieso verlangen wir das dann vom Grundsatz her von den Muslimen?

    Ist das nicht im Grunde schiere westliche Arroganz und Ignoranz, für die uns Teile der muslimischen Welt zu Recht hassen?
    Und das ganz unabhängig von der Selbstverständlichkeit der Gleichwertigkeit der Geschlechter, für die wir hier in Deutschland stehen.

    Zitat von Miss Jones

    Bitte was? zu Recht hassen? Ich glaube es hackt...Wenn sie nicht endlich lernen, wie die Welt funktioniert, und was im 21. Jahrhundert gilt, ist es nur recht und billig, wenn die Frauen lernen, sich sowas nicht gefallen zu lassen und ihnen nicht mehr gefügig sind.

    Nein, es hackt ganz gewiss nicht.
    Und genau diese Aussage mit der Welt im 21. Jahrhundert belegt doch meine These. Das was Du hier postulierst, ist im Grunde Kulturimperialismus oder -chauvinismus.
    Wir, der Westen, geben den Ton an, also möge die islamische Welt sich bitte danach richten. Denn aufgrund unserer militärischen, wirtschaftlichen und (scheinbar) kulturellen Überlegenheit nehmen wir uns das Recht heraus, Gesellschaften vermeintlich niederer Kultur- und Zivilisationsstufen vorzuschreiben, wie der Hase läuft.

    Ein solches Verhalten produziert Hass. Das rechtfertigt freilich keine Gewalt und keinen Terror, liefert aber eine Erklärung. Und das haben sowohl muslimische als auch westliche Historiker übereinstimmend wissenschaftlich dargelegt.


    MMn belügt sich eine Frau, die meint, durch das Kopftuch etwas positives für sich auszudrücken, selbst. Behauptet sie noch, das stünde im Koran, hat sie wohl nicht nachgelesen und sich belügen lassen.


    Ist das nicht irgendwo eine Anmaßung der Interpretationshoheit über die Handlungen Dritter, in die wir als Außenstehende eigentlich keinen Einblick haben?

    Es ist schon auffällig, dass ein Kopftuch für viele - auch hier in diesem Forum - per se für Unterdrückung, Chauvinismus, religiösen Fanatismus etc. steht und dass die Frauen entweder ihre Unterdrückung nicht wahrhaben wollen oder sich gar belügen.

    Ist das nicht im Grunde schiere westliche Arroganz und Ignoranz, für die uns Teile der muslimischen Welt zu Recht hassen?
    Und das ganz unabhängig von der Selbstverständlichkeit der Gleichwertigkeit der Geschlechter, für die wir hier in Deutschland stehen.

    Wir sollten hier auch einmal berücksichtigen, dass Kultur, Gemeinschaft und Religion im Islam so eng miteinander verflochten sind, dass es eigentlich nicht möglich ist, diese drei Bereiche voneinander zu isolieren.
    Wenn die einen das Kopftuch als Ausdruck von Religiösität sehen, die anderen als Zeichen der Unterdrückung der Frau, wieder andere als bewusste Abgrenzung, dann zeigt sich daran doch genau die Problematik der offenbar gewollten eindeutigen Interpretation, die aber in der Form nicht aufgeht.

    Die geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam seit seinem Beginn belegt ziemlich schlüssig, dass die erwähnten Bereiche so eng miteinander verknüpft sind, so dass die westlichen Interpretationsmuster im Sinne des von Nele verwendeten Begriffs des Kulturimperialismus nur zu dem Ergebnis kommen können (oder dürfen), dass beim Tragen des Kopftuchs mit Sicherheit irgendeine Form von Unterdrückung, Einschränkung der individuellen Freiheit oder was auch immer einhergeht.

    Vielleicht erinnern sich insbesondere die weiblichen Vertreter dieses Forums daran, dass wir in puncto Emanzipation dem Islam nicht einmal 100 Jahre voraus sind. Bis in die 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren Frauen trotz grundgesetzlicher Gleichberechtigung in wesentlichen Bereichen des alltäglichen Lebens nicht gleichberechtigt.

    Frauen durften damals kein eigenes Konto ohne Zustimmung des Ehemannes eröffnen.
    Frauen durften ohne Zustimmung des Ehemannes nicht arbeiten.
    Frauen sollten selbst beim Sex, der zu den ehelichen Pflichten gehörte, ein gewisses Maß an "Spaß" äußern. (Da gibt es Urteile zu!)
    Und dann ist da natürlich auch noch der bis heute wirkende gesellschaftliche Druck, dass Männer, die mit vielen Frauen schlafen, als "gut" gelten, wohingegen Frauen, die mit vielen Männern schlafen, als Schlampen gelten.

    Und da regen wir uns über ein paar Muslimas auf, die von sich aus Kopftuch tragen wollen?
    Wer eine Frau aus religiösen oder chauvinistischen Motiven unterdrücken möchte, wird seine Mittel und Wege am Grundgesetz vorbei finden.
    Wir sollten uns einmal überlegen (siehe z.B. der Familienthread von Krabappel), ob es in diesem unseren Lande nicht gravierendere Probleme gibt als das Tragen von Kopftüchern.

    Ferner: Die Trennung von Religion und Staat ist im Islam eigentlich in der Form nur bedingt durchführbar (oder gar durchsetzbar), da im Islam Religion, Kultur, Gemeinschaft und Staat im Grunde eins sind.
    (Die heutigen Staatsgrenzen im Nahen und Mittleren Osten entspringen ja im Wesentlichen den Kolonien und Mandatsgebieten der ehemaligen britischen und französischen Kolonialmächte).

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