Beiträge von Bolzbold

    @ O. Meier

    Ich finde dieses Herauspicken einzelner Aussagen, die dann von Dir mit Unverständnis kommentiert werden oder scheinbar bewusst missverstanden werden, etwas anstrengend. (Stichwort Theorie - da sollte der Kontext klar gewesen sein.)

    Und ja, es spielt eine Rolle, wenn ich als einziger Kollege die Sechs gebe, wenn ich theoretisch aufgrund der Gesamtnotenlage (jetzt klar?) auch einen Punkt hätte geben können. Wenn die anderen Noten nicht ebenso zur Nichtversetzung führen, dann sehe ich keinen Sinn darin, auf einer Sechs zu bestehen, wenn auch ein Mangelhaft minus hätte gegeben werden können.
    Das eine ist die Leistungsbewertung. Da kann man auch mal "hart" oder konsequent sein. Wenn damit aber eine Versetzung einhergeht, will das gut überlegt sein. Ich benote letztlich die Leistung in meinem Fach - nicht die Würdigkeit der Versetzung.

    Da muss man sich als Lehrkraft einfach einmal der Tragweite seiner Entscheidung im klaren sein. Das Argument, dass der Schüler das auch müsste, lasse ich nicht (mehr) gelten. Das sind Kinder. Wir sind die Erwachsenen.

    @ O. Meier

    Aber im Zuge meiner Tätigkeit als Stufenberater sehe ich das mittlerweile differenzierter.

    Wenn ich als einziger Kollege eine Sechs gebe, wo ich theoretisch auch einen Punkt hätte geben können und so mit meiner Note dafür sorge, dass der Schüler wiederholen muss, dann ist das in meinen Augen pädagogisch mehr als grenzwertig. Zumindest würde ich mich fragen, ob ich die Note aus sachlich vertretbaren Gründen erteile oder ob es nicht doch eher aus Genugtuung, Bestrafung oder sonstigen eines Pädagogen unwürdigen Gründen mache.

    Wenn es an diesem einen Fach gelegen haben sollte, dass der Schüler wegen der 0 Punkte wiederhlen muss, dann hätte ich hier aus pädgogischen Gründen nicht die 0 Punkte gegeben.
    Er hätte sich dann im kommenden Halbjahr bewähren können. Aus einer 0,5 aus pädagogischen (sic!) Gründen 0 Punkte zu machen und so einen Schüler zur Wiederholung zu zwingen empfinde ich als extremst unglücklich.

    Das hatten wir in Deutschland doch schon.
    Was ich hier und heute bedenklich finde, ist, dass wir uns viele Krisen und Probleme herbeireden bzw. viele zum Teil gute, richtige oder zumindest überdenkenswerte Ansätze zur Lösung von Problemen schon im Anfangsstadium totdiskutiert werden.
    Uns geht es in Deutschland immer noch relativ gut - und trotzdem bekommen die beiden extremen Parteien 20% der Wählerstimmen. Das ist eine eigenartige Form der Wohlstandsverwahrlosung und der Neidkultur.

    Ich bin gespannt, wie hier Wahlen ausgehen, wenn wir einmal wirklich in einer spürbaren Krise sind, mit 5 Mio. Arbeitslosen, rechten wie linken Schägertrupps auf der Straße...
    ... ach nein, das war ja schon (oder erst?) 1930 so...

    Formal gesehen nein. Während der Prüfung wurde sie akut prüfungsunfähig, was auch jeder Arzt sofort attestiert hätte.
    Laut Hoegg wäre hier ein Nachtermin einzuräumen, zumal die Prüfungsunfähigkeit ja offensichtlich war.
    Es stellt sich die Frage, ob und wie die Studentin gegen die Entscheidung der Uni vorgegangen ist. Vermutlich hatte sie in dem Moment andere Sorgen und hat womöglich entsprechende Fristen verpasst.

    Vielleicht bilde ich es mir ein, aber mir scheint, dass die meisten unzufrieden mit dieser Inflation des Niveaus sind. Äußerungen wie "Ich finde es toll, das jetzt so viele Abi machen" kommen nicht vor.
    Das bringt mich zu der Frage:

    Würdet Ihr es begrüßen, wenn sich alle Lehrer gemeinsam gegen diesen Trend stellten?

    Was ist daran toll, dass man das Abitur quasi verramscht?
    Ja, ich würde es begrüßen, wenn wir eine echte Qualitätsoffensive hätten und beispielsweise die Grundschulgutachten wieder mehr Verbindlichkeit hätten und Gymnasien auch Kinder, die keine Gymnasialempfehlung haben, ablehnen dürften.

    Die fehlende inhaltliche Tiefe erachte ich als ein sehr gravierendes Problem, weil sich das an den Unis nahtlos fortsetzt. Mangelnde Abstraktionsfähigkeit, Kritik an Professoren, dass zu wenig praktische Beispiele und zu viel Theorie drankämen.
    Ein bekannter Didaktikprofessor aus Bonn sagte dazu ganz klar: Wer mit Theorien oder dem strukturellen Erfassen von theoretischen Texten ein Problem hat, ist an der Uni falsch. Das sehe ich genauso.

    Wenn Schüler unter Struktur eines Textes die Aufteilung in "Sinnabschnitte" (zufällig dieselbe Zahl wie die Anzahl an Absätzen) verstehen und dann meinen, die inhaltliche Wiedergabe der Sinnabschnitte sei Strukturanalyse, dann ist das ein deutliches Zeichen, dass da etwas grundlegend schief läuft.
    Google und Wikipedia suggerieren ferner, dass man nichts mehr wissen muss, weil man es ja nachschlagen kann - und dann doch nicht versteht, weil da so viele blau unterlegte Fachbegriffe stehen, die im Text (sic!) nicht erklärt werden...

    Unabhängig von Neles These wird so aber auch den unterschiedlichen Lernertypen die Möglichkeit gegeben, sich entsprechend seiner Stärken einzubringen.
    Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, individuellere Leistungsüberprüfungen zu machen statt ständig am Schreibtisch monoton zu korrigieren.


    Hm, verstehe nicht, warum man nicht darüber reden darf. Wer es nicht will, muss ja nicht. Ich wäre nicht sauer. Geschätzte 80 Millionen andere Deutschen reden gerade nicht mit bei diesem Thema, da ist es zu verkraften, wenn 2-3 andere hier auch nicht drüber reden mögen.

    Andererseits merkt man vielleicht, dass andere auch so denken und verfolgt es dann "ermutigt" weiter oder lässt es bleiben.

    Jede neue Idee fängt damit an, dass einer sie äußert. Die heutigen ganzen Bestimmungen und Bedingungen, z.B. bei den Klassenarbeiten, fingen auch damit an, dass einzelne nicht mit dem zufrieden waren, wie es vorher / bis dahin war und es artikulierten


    Niemand verbietet Dir darüber zu schreiben.
    Die Argumentation, dass wenn jeder so denkt... oder dass wenn einzelne anfangen anders zu denken... ist mir bekannt und in meinen Augen mittlerweile ideologisch bzw. idealistisch verbrannt.

    Bildungspolitik ist kein Ergebnis feuchter Pädagogenträume, dass wenn man mit etwas unzufrieden ist, man es artikuliert und es dann geändert wird. Da sitzen ganz andere Leute an den entscheidenden Hebeln, die die Praxis mit einer Borniertheit ignorieren und letztlich auf Geheiß einer verblendeten Bildungsideologie oder auf Geheiß des Finanzministers Entscheidungen treffen. So war es bei G8, so ist es bei G9.

    Ich stehe für eine pragmatische Bildungspolitik, die sich kritisch fragt, wo wir stehen, wo wir hinwollen und was wir dafür tun müssen. Liberaler Elitarismus oder Bildungsegalitarismus von Rot-Grün sind gleichermaßen auf jeweils einem Auge blind.

    Wir hatten bei uns vor einiger Zeit einen Vortrag eines Didaktikprofessors, der in dasselbe Horn geblasen hat.
    Die kritisch-reflektierte Lesekompetenz ist bei vielen angehenden Studenten entweder nicht vorhanden oder auf erschreckend niedrigem Niveau.
    Das wird ihnen aber durch die Anforderungen des NRW-Abiturs mittelbar anerzogen. Ich habe Erwartungshorizonte gelesen, bei denen das Nacherzählen des Klausurtextes mehr oder weniger der Kern aller drei Aufgaben war.

    Wenn die Schüler die Struktur eines Textes wiedergeben bzw. analysieren sollen, teilen sie den Text in "Sinnabschnitte" (ich hasse dieses Wort!) ein und geben dann den Inhalt der einzelnen, zuvor abgezählten Absätze wieder.
    Das ist Deutschland im Jahre 2017.

    Das kommt darauf an, ob sie originär Englisch studiert haben oder ob sie den C1-Schein gemacht haben, den Sprachinstitute gerne und großzügig in der Vergangenheit ausgestellt haben.
    Gerade bei der Apostrophitis und anderen bei Schülern gängigen Fehlern, die auf von GS-Lehrern erstellten Lernkarten stehen, mag man Vermutungen anstellen, ohne all die GS-KollegInnen dabei aus dem Blick zu verlieren, die tagtäglich fachlich fundierten Englischunterricht erteilen.

    Wer am Gymnasium Englisch bis zum Ende durchnimmt, bekommt das GeR-Niveau B2/C1 attestiert.
    Da ich mittlerweile genug Englischprüfungen im Abitur abgenommen habe, nehme ich einmal in Anspruch zu behaupten, dass das Niveau B2 auch an der Grundschule nicht zum Erteilen von qualifiziertem Englischunterricht befähigt - die Einser-Abiturienten einmal ausgenommen.

    @Catania

    Für die Rahmenbedingungen sind das Schulgesetz und die Kernlehrpläne maßgeblich. Und ja, sonstige Mitarbeit musst Du bewerten. Ob Du das mit Noten oder plus und minus machst, ist Deine Sache. Letztlich musst Du daraus eine Halbjahresnote bilden können.
    Und einen Test so zu konzipieren, dass der reproduktive Anteil so hoch ist, dass die meisten Schüler den Test packen, sollte nicht so schwer sein.

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