Beiträge von Bolzbold

    Was den "Markt" angeht:

    Vor dreißig Jahren gab es in NRW einen Einstellungsstop, der ca. zehn bis 15 Jahre andauerte. Das sieht man bei mir am Gymnasium heute daran, dass es bei uns kaum Kollegen zwischen Mitte 40 und 60 gibt, wohl aber noch einen Schwung Kollegen, die in den nächsten drei oder vier Jahren pensioniert werden. Ab ca. 2005 sind sehr viele neue Lehrer eingestellt worden - der Altersdurchschnitt hat sich dadurch drastisch gesenkt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die 60+ Kollegen pensioniert sind und dann die Einstellungslücke klafft. Dann werden weniger Lehrer gebraucht und eingestellt, weil von unten genug nachgekommen sind und oben nur noch wenige pensioniert werden.
    Wenn man also fünf Jahre Studium und zwei Jahre Referendariat rechnet, dann wäre man in NRW genau dann fertig, wenn die letzten 60+ Kollegen pensioniert worden sind.

    Das riecht erst einmal nach schlechten Aussichten im Sek II Bereich, muss aber nicht so sein. Durch G9 werden wieder mehr Lehrer gebraucht, außerdem könnten die Schülerzahlen nicht so drastisch sinken wie befürchtet. Dann könnte man mit "guten Fächern" und guten Noten sicherlich überall unterkommen.

    In 3 Wochen ist es wieder so weit, der erste Elternsprechtag des Jahres steht an. Ab der kommenden Woche werden die Termine vergeben, und es wird wieder so laufen: Ich gehe in meine Klassen, frage welche Eltern einen Termin wünschen (und vergebe ggf. einen), und aus allen Ecken schallt es: "Müssen meine Eltern kommen?" bzw. "Welche Eltern wollen Sie denn überhaupt sehen?" ... Ich hasse diese Frage.

    Welche Eltern ladet ihr beim Elternsprechtag ein (ich habe manchmal das Gefühl: vor :teufel: )? Habe ich die Pflicht, bestimmte Eltern zum Gespräch zu bitten?

    Ich denke mir ehrlich gesagt immer: Ich will die Eltern sehen, die mich sehen wollen. Und vielleicht die von den (wenigen) Kindern, die sich einfach nicht benehmen können und bei denen ich in Sachen Erziehung auf häusliche Unterstützung hoffe. Aber in meinem Kollegium stehe ich damit allein auf weiter Flur. Die meisten Kollegen bitten die Eltern der Kinder zum Gespräch, deren Leistungsstand problematisch ist (Klassenarbeiten/Klausuren vergeigt und/oder SoMi-"Verweigerer"). Aber irgendwo sehe ich den Punkt für mich einfach nicht: Die Eltern sind zumindest über die schriftlichen Leistungen informiert, ich lasse jede Arbeit unterschrieben vorzeigen. Unter schlechte Arbeiten setze ich einen Kurzkommentar mit Fördervorschlägen. Meiner Ansicht nach habe ich damit erst einmal meine Schuldigkeit getan. Wenn die Eltern Fragen zur Umsetzung der Fördervorschläge haben, können sie ja gerne kommen. Aber muss ich sie nochmal einladen um über den Leistungsstand zu sprechen? Kann mir etwas passieren wenn ich die Eltern von jemandem, der wegen meines Faches vllt. sogar versetzungsgefährdet ist nicht einlade? Und: Muss ich handeln wenn ich sage, dass ich Eltern gern sprechen würde, diese aber nicht kommen wollen?

    Mich würde eure persönliche Vorgehensweise bzgl. des Elternsprechtages interessieren, ich schaue mir nämlich immer gern bewährte Handlungsweisen bei den erfahreneren Kollegen ab :) .

    Ähm, es gehört zu Deinen Dienstpflichten, die Eltern bei Leistungsproblemen ihrer Kinder zu beraten. Das Mangelhaft unter der Note ist keine Beratung. Die standardisierten Fördervorschläge sind eine Sache, ein direktes, persönliches Gespräch, das mögliche Hintergründe für die Leistungsprobleme anspricht und zusätzliche Lösungswege eruiert, sind eine weitere.
    Bei uns herrscht am Elternsprechtag Anwesenheitspflicht. Wenn ich dann schon da bin, kann ich auch mit den Eltern reden - insbesondere, wenn diese Eltern selbst einen Gesprächsbedarf haben.
    In NRW gehen Widersprüche auch mal zugunsten der Schüler durch, wenn es um die Versetzung geht, wenn die Eltern nachweisen können, dass die Schule möglicherweise ihrer Beratungspflicht nicht nachgekommen ist.

    Wenn Eltern auf keinen Fall kommen wollen, dann ist das so. Einige Schüler geben das aber auch gerne einmal vor, weil sie Elternsprechtage wie die Pest hassen. Dann gibt es anschließend zu Hause immer diesen Stress - aus Schülersicht. Verlasse Dich also nicht auf die Rückmeldung des Schülers, dass seine Eltern nicht kommen wollen.

    Liebe Melanie,

    wer sich über angebliche Regelverletzungen einer Lehrkraft beklagt, sollte zunächst selbst dazu in der Lage sein, Regeln zu beachten. In diesem Forum sind nur Lehrer und solche, die es werden wollen, schreibberechtigt. Das steht auch in den Nutzungsbedingungen, denen Du bei der Registrierung zustimmen musstest. Daher bist Du nun gesperrt.

    Ganz offensichtlich ist es für einige hier aufgrund ihrer individuellen Lebensumstände sowie ihres individuellen beruflichen wie privaten Umfelds in Ordnung, dass man eine Restaurantrechnung pauschal durch die Zahl der Essenden teilt. Und ebenso offensichtlich ist es für andere hier aus denselben Gründen nicht OK.

    Das ist halt so. Argumente gibt es für die eine wie für die andere Seite. Ich verstehe nicht ganz, wieso man sich diesbezüglich nun zwingend in die Wolle kriegen muss.

    Ich verstehe nicht ganz, was das Beispiel hier soll, weil die Runde, die so entscheidet, ganz gleich, wie sie entscheidet, sich abhängig von der Haltung der Außenstehenden - in diesem Fall uns Forumsusern - so oder so der Kritik aussetzen darf. Entweder zu geizig oder zu sich-über-den-Tisch-ziehen-lassend. Immerhin hat man als zu Kritisierender die Wahl, wofür man sich kritisieren lässt.
    Das Beispiel ist letztlich nichts anderes als die Beschreibung eines gruppendynamischen Prozesses, in der es um Gruppenwohl und individuelles Wohl geht.

    Der Aspekt, was selbstverständlich ist bzw. was nun zu den generellen Pflichten auch im Rahmen der "vollen Hingabe", die von uns velangt wird, gehört und was sozusagen als Zückerli gelten kann, ist interessant.
    Letztlich wird es nämlich bei einer eventuellen Prämie genau darum gehen. Die NRW Landesregierung hat im Zuge der Studie von Mummert und Partner seinerzeit bestimmte Tätigkeiten schlicht als "Normaufwand" deklariert, um die teils deutlich über dem Soll liegenden Arbeitszeiten der Lehrkräfte und daraus ggf. entstehende Ansprüche auf Mehrarbeit, Deputatsreduzierung etc. mit einem Federstrich zu verhindern.

    Vergesst das mit Boni und Prämien. Wir wussten vorher, worauf wir uns einlassen. Keine Landesregierung wird sich hier bewegen.


    Früher stand halt ein anderer vor der Tür, der den Job mit Kusshand übernahm. In Zeiten des Lehrermangels haben wir die Chance, darauf zu pochen, dass man doch etwas pflegsamer mit uns umgehen solle, wenn man nicht will, dass wir auch noch fehlen.


    Bei uns werden zwischen zwei und sechs neue "junge Wilde" pro Schuljahr eingestellt.
    Lehrermangel kann ich bei uns in der extremen Form nicht erkennen. Und solange die jungen Wilden noch in der Probezeit sind oder möglichst bald A14 haben wollen, findet die SL immer willige KollegInnen, die die Mehrarbeit übernehmen.
    Und wenn die Personaldecke besonders angespannt ist, wurde mit uns nie sonderlich pflegsam umgegangen. Da bekam man dann eben noch einen Oberstufenkurs obendrauf - passte ja zufällig gerade gut in den Stundenplan.

    Wie Meike mal sinngemäß schrieb, erhalten Schulleiter eine "Ausbildung", die dergestalt ist, dass man das Optimum für seine Schule und die Außendarstellung aus dem Kollegium herauszuquetschen lernt. Mal auf subtile, mal auf weniger subtile Art und Weise. Es hat ein wenig gedauert, bis ich das geglaubt habe, bzw. ich musste erst richtig in die Knie gehen, um es zu merken.

    Man muss die Mitte finden. Genau!

    Aber das ist auch das Schwierige daran, weil jeder die Mitte woanders verortet.

    Ich sehe die Mitte nicht als einen Punkt oder als einen schmalen Streifen an sondern als ein noch verhältnismäßig breites Feld, das flexible und individuelle Reaktionen auf Schülerverhalten zulässt.

    Wenn ich natürlich mit Elternhäusern zu tun habe, die antiautoritär oder gar nicht erziehen, dann wird meine Mitte wohl als konservativ bis reaktionär wahrgenommen.
    Von konservativeren Elternhäusern wird ein nachsichtigerer Erziehungsstil hingegen gerne als "links" oder, wie es jetzt vom Duktus her ja modern ist, "linksgrünversifft" wahrgenommen.

    Da ich mit bis zu 32 Individuen in einer Klasse arbeiten muss, benötige ich ein ebenso individuelles Spektrum an Pädagogik - was mich wiederum mal autoritärer, mal autoritativer, mal nachsichtiger auf Schüler(fehl)verhalten reagieren lässt.

    Och nö, nicht schon wieder so ein Thread.
    Das Ganze ist letztlich eine Geldbeutel- und eine Glaubensfrage.
    Es gibt mit Sicherheit zahlreiche Vergleiche dazu auf entsprechenden Fachwebsites.

    Ursprünglich war das so geplant bzw. wäre so gelaufen, wenn es nicht zum Regierungswechsel gekommen wäre. Das künftige Verfahren verschlingt eine Menge Resourcen - das wurde in einem offiziellen Gutachten auch klar belegt. Ferner empfahl das Gutachten, diese Resourcen doch lieber in mehr Personal zur Vermeidung von Unterrichtsausfall zu stecken. Die Bildungskommission hat sich dann aber auf den Mittelweg (rollierendes Verfahren) geeinigt, der nicht Fisch und nicht Fleisch ist.

    In Verbindung mit einer sehr wahrscheinlich kommenden neuen Schulverwaltungssoftware, die dann von allen Schulen verbindlich genutzt werden soll, werden die nächsten Jahre schulverwaltungstechnisch eine sehr spannende Zeit.

    Das ist aber "nur" das rollierende Verfahren, bei dem die Schulen jeweils nach dem Zufallsprinzip ausgesucht in einem festgelegten Zeitraum von je zwei Wochen ihre Daten einreichen sollen.

    Was die Software angeht, so dürfte sie mit Sicherheit bereits einige "Vorentscheidungen" getroffen haben, was aus Sicht des Ministeriums zum Unterrichtsausfall zählt und entsprechend veröffentlicht wird, und was nicht dazu zählen darf und entsprechend herausgerechnet wird.

    Nach meinem Kenntnisstand wird es nur noch nicht eingeführt, weil noch Fehler diverser Art korrigiert werden müssen.

    Es kommt. Ist nur die Frage, ob erst BER eingeweiht wird oder Logineo kommt. :)

    Kl.gr.Frosch

    Oder wahlweise die Bahn wie in den alten Werbespots.

    Auf keins der drei Ereignisse möchte ich auch nur ansatzweise eine Wette eingehen.

    Da kann sich unsere Yvonne ja dann mal austoben.

    Es gibt noch so einige andere Projekte, von denen ich über diverse Kanäle weiß, die von der Dimensionierung ähnlich angelegt sind und hinsichtlich ihrer tatsächlichen Umsetzung Spannung versprechen.
    Ein erster Testlauf wird die ständige softwaregestützte Erfassung des Unterrichtsausfalls an allen Schulen NRWs sein, die ja ab dem kommenden Schuljahr geplant ist...

    Es geht doch letztlich darum, dass Schulen früher nicht so ein Tamtam gemacht haben, dass Lehrer noch Autoritätspersonen waren und Eltern für gewöhnlich in Bezug auf Schule absolut obrigkeitshörig waren. Das war in der früheren BRD genauso wie in der DDR.
    Dass das heute nicht mehr so ist, hat durchaus auch sein Gutes. In Deutschland scheine wir es aber nie zu schaffen, das Pendel einmal in der Mitte zur Ruhe kommen zu lassen. Es muss immer in eines der beiden Extreme ausschlagen. Erst kam die autoritäre Erziehung zu des Kaisers Zeiten, in Weimar, im Dritten Reich und in der frühen Nachkriegszeit. Danach kam die antiautoritäre Erziehung mit den 68ern. Beides zum Teil bereits erhebliches Unheil angerichtet und tut es immer noch.

    Bildung und Erziehung kommen ohne Disziplin nicht aus - können aber durch zu autoritäre Anteile ebenso gehemmt werden.

    Die Sache mit der Versorgung greift doch erst bei dauerhafter Dienstunfähigkeit bzw. Versetzung in den vorläufigen Ruhestand.
    Das Volldeputat musst nicht bestätigt werden, weil die personalführende Behörde das in ihren Unterlagen hat und bei drohender dauerhafter Dienstunfähigkeit die Ansprüche entsprechend berechnet würden.

    Das Versorgungsamt hat doch mit Sicherheit auch Versorgungsrechner, oder?

    Ich habe mehrfach versucht dem Quatsch entgegenzuwirken um wieder eine Ernsthaftigkeit in das Ganze hineinzubringen. Doch alles, was ich bisher versucht habe, ist nicht nachhaltig, zeigt also keine langfristigen Erfolge. Weder reden, noch Konsequenzen. Ich habe so das Gefühl, dass vor allem die Buben die "Peergroup" entdeckt haben und dadurch Anerkennung wollen, indem sie anderen zeigen, wie obercool sie sind. Ja, und manche in der Klasse, vllt. auch manche Mädchen hängen sich da dran.

    Vielleicht zeige ich auch zu wenig Verständnis für den Quatsch. ;)

    Eine Kollegin meinte lapidar: Die sind halt in der Vorpubertät.

    Die ausgewählten Zitate Deines Beitrags zeigen doch sehr gut, worum es geht.

    Auf der einen Seite gibt es offenbar objektiv störendes Verhalten, das sich trotz Deiner Intervention (noch) nicht in den Griff kriegen lässt.
    Auf der anderen Seite sind die Kinder offenbar in diesem Alter so drauf. Das kenne ich auch aus der vierten Klasse meines Sohnes in Bezug auf das Verhalten des bzw. hier der "Alpha-Rüden".
    Die Viertklässlerinnen hier in der Nachbarschaft reichen von chronisch albern bis vorpubertär bis extremst vorlaut und besserwisserisch.

    Im Grunde muss man mit dem Bewusstsein an die Probematik herangehen, dass die Kinder nun einmal so sind und dies eine Entwicklungsphase ist.
    Gleichzeitig muss man für sich eine klare Grenze haben, bei der schlicht und ergreifend Schluss ist und sein muss. Vielleicht muss diese Schwelle mit dem Bewusstsein und dem Verständis für die Entwicklungsphase der Kinder etwas höher angesetzt werden, um sich nicht zu sehr darüber aufzuregen und daraus eine Eskalationsspirale zu machen.

    Der Umstand, dass die Eltern ihre Kinder ähnlich wahrnehmen, sollte das einerseits belegen, gleichzeitig aber andererseits auch zeigen, dass es nicht an Dir als Lehrkraft liegt.

    Ich hatte mit meiner alten sechsten Klasse ähnliche Probleme, die aber dann zu einer Eskalationsspirale geführt haben. Mittlerweile sind die "Kleinen" in der Q1 und ich bin ihr Stufenberate - und unser Verhältnis könnte nicht besser sein. Ich habe daraus gelernt, dass man da zum einen "durch muss" und zum anderen dass ich mich über viele kleine Störungen und weniger problematisches Fehlverhalten nicht mehr aufrege und auch nicht mehr sanktioniere. Bei größeren Sachen oder permanenter Wiederholung von Fehlverhalten muss man dann ohne große Diskussion durchgreifen.
    So eine "Nacharbeit unter Aufsicht" hat doch sicherlich auch etwas, oder?

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